Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

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frems
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon frems » Mo 19. Dez 2016, 19:11

Den Beziehungen dürfte es nicht helfen, dass ein Islamist heute den russischen Botschafter in Ankara erschoss. Der werte Mann ist laut Pressemitteilungen leider an seinen Verletzungen im Krankenhaus gestorben.

Der russische Botschafter in der Türkei ist bei einem Anschlag in der Hauptstadt Ankara getötet worden. Andrej Karlow sei seinen Verletzungen erlegen, teilte das Außenministerium in Moskau der Agentur Interfax zufolge mit. Ein Angreifer hatte am Montagabend bei der Eröffnung einer Ausstellung in einer Galerie auf den Diplomaten geschossen. Auf Videos vom Anschlag ist zu sehen, wie der Attentäter immer wieder „Allahu Akbar“ – Gott ist groß – ruft, nachdem Karlow zusammengebrochen ist und leblos auf dem Boden liegt.

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 83039.html
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yogi61
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon yogi61 » Mo 19. Dez 2016, 19:26

frems hat geschrieben:(19 Dec 2016, 19:11)

Den Beziehungen dürfte es nicht helfen, dass ein Islamist heute den russischen Botschafter in Ankara erschoss. Der werte Mann ist laut Pressemitteilungen leider an seinen Verletzungen im Krankenhaus gestorben.


http://www.faz.net/aktuell/politik/ausl ... 83039.html


Die Türkei ist sehr unsicher im Moment, so etwas kann man der türkischen Führung sicher nicht vorwerfen.
Two unique places, one heart
https://www.youtube.com/watch?v=Ca9jtQhnjek
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frems
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon frems » Mo 19. Dez 2016, 19:29

yogi61 hat geschrieben:(19 Dec 2016, 19:26)

Die Türkei ist sehr unsicher im Moment, so etwas kann man der türkischen Führung sicher nicht vorwerfen.

Mangelnden Schutz auch nur bedingt, da der Attentäter (ist nun auch tot) ein türkischer Polizist gewesen sein soll, der zuvor nicht mit radikalen Ansichten aufgefallen sei. Da hat er seinen Job genutzt, um bewaffnet dicht an den Botschafter ranzukommen.
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Adam Smith
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Adam Smith » Mo 19. Dez 2016, 20:16

yogi61 hat geschrieben:(19 Dec 2016, 19:26)

Die Türkei ist sehr unsicher im Moment, so etwas kann man der türkischen Führung sicher nicht vorwerfen.


Jetzt dürften es 448 Terror-Tote im Jahre 2016 gewesen sein.

Schon 447 Terror-Tote
in der Türkei


http://www.bild.de/politik/ausland/terr ... .bild.html

Diesmal war der Täter ein Polizist.
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Dieter Winter
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Dez 2016, 20:21

frems hat geschrieben:(19 Dec 2016, 19:29)

Mangelnden Schutz auch nur bedingt, da der Attentäter (ist nun auch tot) ein türkischer Polizist gewesen sein soll, der zuvor nicht mit radikalen Ansichten aufgefallen sei. Da hat er seinen Job genutzt, um bewaffnet dicht an den Botschafter ranzukommen.


Davor ist man nie gefeit. Welches Interesse sollte die türkische Regierung derzeit daran haben?
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Welfenprinz » Mo 19. Dez 2016, 20:37

Wieso türkische Regierung?

Drei,zwei,eins.. CiA,Gülen,Westen,Verhaftungswelle.
Sterben kann nicht so schlimm sein,sonst würden es nicht so viele tun.
Lt. griinpissstudien stirbt eine Ratte, wenn ihr ein 200l-Fass Glyphosat auf den Kopf fällt.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Dez 2016, 20:45

Welfenprinz hat geschrieben:(19 Dec 2016, 20:37)

Wieso türkische Regierung?

Drei,zwei,eins.. CiA,Gülen,Westen,Verhaftungswelle.


Hätte man da nicht besser einen westlichen Botschafter abgeknallt?
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon apartofme » Mo 19. Dez 2016, 20:51

yogi61 hat geschrieben:(19 Dec 2016, 19:26)

Die Türkei ist sehr unsicher im Moment, so etwas kann man der türkischen Führung sicher nicht vorwerfen.

Yep. Die Türkei hatte einfach das Pech, dass dort in letzter Zeit mehr Terroristen geboren wurden. Die Politik kann da wirklich gar nichts machen.

:)
“Unser Zeitalter ist eine einzige Frage nach der menschlichen Identität.” ― Willy Meurer
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Cat with a whip » Mo 19. Dez 2016, 21:07

Sieht nach homegrown Islamisten-Terror aus.
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Adam Smith
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Adam Smith » Mo 19. Dez 2016, 21:10

Dieter Winter hat geschrieben:(19 Dec 2016, 20:45)

Hätte man da nicht besser einen westlichen Botschafter abgeknallt?

Das kann ja auch noch passieren.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Dieter Winter » Mo 19. Dez 2016, 21:11

Adam Smith hat geschrieben:(19 Dec 2016, 21:10)

Das kann ja auch noch passieren.


Vorausgesetzt es war wirklich eine Verschwörung...

Wäre imho aber schon eine sehr heiße Nummer von Erdogan.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 19. Dez 2016, 21:42

Hat das etwas mit dem zeitgleichen - vermutlich terroristischen - Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt in Berlin zu tun?

Es wurde ja gewarnt, daß durch die erfolgreichen Operationen der syrischen und irakischen Armee und ihrer unbedeutenden Allierten so manche Rebellen in Zugzwang geraten. Der Attentäter in Instanbul schrie ja, daß das eine Rache für Aleppo gewesen wäre. Welche Gruppierung steht hinter ihm? Al-Qaida? FSA? IS? Wer war der Attentäter in Berlin?
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 19. Dez 2016, 23:17

Möglicherweise Al-Qaida.

The 22-year old Turkish special operations police officer Mevlut Mert Altintas, who assassinated Russian Ambassador Andrei Karlov in Ankara Monday, Dec. 12, was a member of the Nusra Front, Al Qaeda’s Syrian branch.

http://www.debka.com/article/25845/Russ ... a-jihadist


Mittlerweile nennen sie sich ja anders, damit die Kooperation mit dem Westen eher möglich ist. Sie sind alliert mit den FSA, aber auch der Turkistan Islamic Party. Was daraufhin deuten könnte, wie wütend die syrische Opposition auf Russland ist.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Rautenberger » Di 20. Dez 2016, 12:39

Vielleicht gehörte er gar keiner Gruppierung an. Nationalistische Einzeltäter haben in der Türkei schon viele Morde begangen. Und Erdogan schürt immer kräftiger die nationalistisch-islamistischen Stimmungen im Land.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Ger9374 » Mo 26. Dez 2016, 03:29

Im Moment haben Putin und Erdogan einen
Kuschelkurs verordnet. Da darf nichts Negatives
zu breit getreten werden.
:thumbup: Es gibt eine Streitkultur, der Hass gehört ganz gewiss nicht dazu :thumbup: :thumbup: :D

Menschen sind Ausländer irgendwo: :thumbup:
Rassisten sind Arschlöcher überall: :thumbup:
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 28. Dez 2016, 11:43

Nutzt Russland die Krise zwischen der Türkei und dem Westen? Obwohl das Attentat auf den russischen Botschafter in der Türkei schockartig wirkte, scheint man in Moskau und Ankara an einer neuen Art der Beziehung zu arbeiten.

Russia has been quick to take advantage of the tensions between Turkey and the West.

"Russia understands that nobody gives you anything, you just have to take it, and in this environment, with the US retreating faster than the other side can advance, it's just a free-for-all," Andrew J. Tabler, a Syria expert at the Washington Institute for Near East Policy, told The New York Times.

"When the Turks, the Iranians, and the Russians all agree on a process without the US being in the room," he added, "you realize there is a problem for us."

http://www.businessinsider.de/turkey-ru ... ?r=US&IR=T


Das führt im Falle des Falles in Syrien zu Unstimmigkeiten. Nicht nur mit den USA, denen Erdogan jetzt vorwirft arabische und kurdische Terrororganisationen zu unterstützen. Auch der Iran war irritiert, wie Moskau und Ankara hinter verschlossenen Türen verhandelten.

In Ankara erklärt einer der Verhandlungsteilnehmer: Die Iraner seien wütend, dass die Vereinbarung über ihre Köpfe hinweg verhandelt worden sei und sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden seien. Er erzählt aus zweiter Hand, was ein russischer Emissär von den Iranern erfahren hat: "Wir müssen voll gleichberechtigt am Verhandlungstisch sitzen, schließlich kämpfen nur wir am Boden."


Und am Boden können die Iraner alles stoppen, was die Russen ausgehandelt haben.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/s ... 27011.html


Genau das geschah dann auch.

Die Türkei ist nicht mehr die alte. Die Alte im Sinne ihrer Funktion innerhalb der NATO für den Westen. Sie agiert selbstständiger und auch in Kooperation mit Russland und Iran.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon Audi » Mi 28. Dez 2016, 12:11

King Kong 2006 hat geschrieben:(28 Dec 2016, 11:43)

Nutzt Russland die Krise zwischen der Türkei und dem Westen? Obwohl das Attentat auf den russischen Botschafter in der Türkei schockartig wirkte, scheint man in Moskau und Ankara an einer neuen Art der Beziehung zu arbeiten.



Das führt im Falle des Falles in Syrien zu Unstimmigkeiten. Nicht nur mit den USA, denen Erdogan jetzt vorwirft arabische und kurdische Terrororganisationen zu unterstützen. Auch der Iran war irritiert, wie Moskau und Ankara hinter verschlossenen Türen verhandelten.





Genau das geschah dann auch.

Die Türkei ist nicht mehr die alte. Die Alte im Sinne ihrer Funktion innerhalb der NATO für den Westen. Sie agiert selbstständiger und auch in Kooperation mit Russland und Iran.


Problem ist, das der Iran viel Radikaler vor geht als Russland. Ich weiß nicht ob es nur wegen der Religion ist oder weil man auch mehr Verluste erleidet. Am Ende MUSS man Iran an den Tisch bringen sonst wird es keinen Frieden geben. Iran ist ja kein Jemen sondern eine Regionalmacht
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 28. Dez 2016, 13:26

Audi hat geschrieben:(28 Dec 2016, 12:11)

Problem ist, das der Iran viel Radikaler vor geht als Russland. Ich weiß nicht ob es nur wegen der Religion ist oder weil man auch mehr Verluste erleidet. Am Ende MUSS man Iran an den Tisch bringen sonst wird es keinen Frieden geben. Iran ist ja kein Jemen sondern eine Regionalmacht


Aus der Perspektive der Protagonisten ist die Lage verschieden. Russland erfährt primär eine Aufwertung seiner politischen Macht und damit mehr Handlungsspielraum. Solange das der Fall ist, ist Moskau relativ egal was da passiert. Im Guten, oder wie von dir angesprochen im Schlechten. Es geht um politische Macht, nicht Gestaltung oder Umsetzung. Für den Iran steht mehr auf dem Spiel. Umso resoluter werden Strategien und die Umsetzung verfolgt. Man könnte somit sagen - radikaler, konsequenter.

Das hat weniger mit der Religion zu tun. Die Haltung Teherans im Kaukasus, im Kontext Tschetscheniens oder Dagestans, oder im Falle Berg-Karabach, ist "gemäßigt" zu nennen. Die Rolle Russlands "radikal". Also, wesentlich brutaler. Siehe die Kämpfe um Grosny. Weil das Russland direkt betrifft. Noch direkter als Syrien oder Irak den Iran. Dem Iran ist es egal, ob das dort Muslime sind. Das hat dort für den Iran nicht die Priorität. Die Religion. Sonst müßte man dort ja zusammen gegen das vornehmlich christliche Russland agieren. Oder gegen Armenien. Das ist nicht der Fall. Im Gegenteil.

Russland verfolgt in Syrien Politik, um insgesamt damit im Kontext der USA und Europa mächtiger agieren zu können. Der Iran verfolgt in der Region eine Agenda, weil er direkt betroffen ist. Russland nicht. Russland reicht es, wenn es damit ein wichtiger Ansprechpartner geworden ist. Was, wer, wann, wo dort was, weshalb macht, ist für Moskau nur sekundär interessant. Dem Iran reicht das nicht. Die Primärziele sind anders gewichtet. So, wie andersherum im Kaukasus. Dort haut Russland radikal rein. Der Iran will dort Ruhe. Das ist auch immer wieder ein Streitpunkt zwischen den Beiden in Syrien. Der Iran will mehr. Moskau nicht.

Die Türkei fühlt sich im Stich gelassen vom klassischen Verbündeten der letzten Jahrzehnte. Den USA. Ankara sieht, wie sich an einer enorm langen Grenze zur Türkei ein kurdischer Staat formt. Auch organisieren sich die Kurden immer stärker in der Türkei. Klassische Ansprechpartner in Syrien und Irak sind verlorengegangen. Nun handelt die Türkei. Dann kommen die Kritiker aus den USA und Europa. Finger weg von den Kurden der Türkei und ihren Organisationen. Finger weg von den Kurden in Syrien und Irak. Finger weg von Ansprechpartnern (sunnitische Gruppen, von IS bis FSA) in den Ländern. Erdogan wird direkt kritisiert, die Türkei in einen totalitären Staat zu transformieren. Wenn du das ständig von deinem Partner(n) hörst, dann kann es sein, daß man sich entfremdet und fremdgeht. Z.B. mit Russland und dem Iran.
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Re: Türkisch-russische Beziehungen in der Krise?

Beitragvon King Kong 2006 » Fr 10. Mär 2017, 09:18

Ist die klassische Rollenverteilung des Kalten Krieges endgültig dahin? Jedenfalls in der dieser Region hier?

Sie brauchen einander

Vor einem Jahr standen die Türkei und Russland noch fast vor einem Krieg. Heute zelebrieren die Präsidenten Erdogan und Putin eine Freundschaft, von der beide profitieren. Dabei sehr hilfreich: ein gemeinsames Feindbild.

Die Präsidenten Russlands und der Türkei zelebrieren nach schwierigen Monaten den Schulterschluss. Erdogan und Putin eint die Enttäuschung über den Westen. Die Zeiten der alten Weltordnung, die seit dem Ende des Kalten Krieges gegolten hatte, sind vorbei, die Beziehungen unübersichtlich geworden. Man braucht einander. US-Präsident Donald Trump ist vor allem mit sich und seinem Land beschäftigt.

Es ist das vierte hochrangige Treffen beider Regierungschefs binnen weniger Monate: Im September trafen sich Putin und Erdogan auf dem G-20-Gipfel im chinesischen Hangzhou, im August redeten sie in Sankt Petersburg, und im Oktober tauschten sie sich auf dem Weltenergie-Kongress in Istanbul aus. Nun also Gespräche im Kreml.

Türkisch-russischer Pragmatismus

Erdogan und Putin pflegen ein Zweckbündnis, das auf Pragmatismus in wirtschaftlichen und geopolitischen Fragen basiert. Dabei standen die beiden Länder erst vor 16 Monaten fast vor einem Krieg.


Der Spruch "America first" des Trompeters Trump ist im Grunde genommen eine Aussage, die kein neues Selbstbewußtsein widerspiegelt, sondern Schwäche.

Manch einer in Russland träumt bereits davon, dass die Türkei der Nato den Rücken kehren könnte. "Dann würde die Südflanke der Nato kollabieren. Der Verlust der Südflanke wird ein spürbarer Schlag gegen das Militärbündnis als Ganzes", tönt der Rechtspopulist Wladimir Schirinowski von der nationalistischen Scheinoppositionspartei LDPR.

Expertin Ultchenko sieht die russisch-türkischen Beziehungen dagegen nüchterner. Beide Länder verfolgten vor allem ihre Interessen, meint sie. Die außenpolitischen Zeiten könnten sich wieder ändern. "Erdogan kann der Nato den Rücken kehren, aber austreten wird er nicht."

http://www.spiegel.de/politik/ausland/r ... 37721.html


Die Türkei profitiert stark vom Westen, kein Staatsführer in der Türkei wird das zerbrechen. Aber ob die Türkei bedingungslos im Westen verankert bleiben wird, ist mehr als fraglich. Der Kalte Krieg hat die Türkei erst an den Westen gebunden. Geführt von einer Supermacht. Vorher war das Osmanische Reich kein "westliches Land". Man war sogar lange Zeiträume Gegner. Die politische Lage nach den Weltkriegen hat die Türkei strategisch an den Westen gebunden. Diese Verhältnisse sind so nicht mehr gegeben. Es gibt auch keine Supermacht USA in der Form mehr, die unangefochten im Westen führt.
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Russland statt USA?

Beitragvon King Kong 2006 » Mi 26. Jul 2017, 15:40

Natürlich ist die Überschrift provokativ und unscharf formuliert.

It's Official, Turkey Is Getting Russia's S-400 Air Defense System

http://www.thedrive.com/the-war-zone/12 ... nse-system


Turkey Needs Russian S-400 System as Shield Against 'Western Plan' in Mideast

Russia and Turkey are currently at the final stage of negotiations on the delivery of the Russian-made S-400 missile defense system to Ankara. According to Turkish security expert Abdullah Ağar, the deal indicates a major shift in Turkey’s policy.


"The situation in the region has significantly changed. As for the last three years, Turkey has come to know the threats it faced as well as the actions of its Western partners in this situation. On the one hand, the West works with the Kurdistan Workers’ Party (PKK) and its affiliates in Syria and Iraq. On the other hand, the US and other Western countries support the Gülen movement [FETÖ, designed by Ankara as a terrorist organization] which poses a serious threat to Turkey," Ağar told Sputnik Turkey.


Ağar also said that the West is losing Ankara’s credibility due to its policy of supporting groups that want to "tear Turkey apart."


Furthermore, Ağar underscored that Ankara was not allowed to deploy US-made Patriot missile defense systems and as a result Ankara decided to focus on cooperation with Russia.


Das ist das Problem. Gibt man bei Fragen von Incirlik nach, sprich in Fragen die die EU betreffen, das geht nicht, dort nachzugeben, dann sucht sich die Türkei andere Partner.

"The S-400 [deal] is part of a bigger picture of [Russia-Turkey] bilateral cooperation in various fields, primarily energy and security. The supplies of the S-400 are a sign that Turkey is drifting away from the Western world," the expert concluded.

https://sputniknews.com/politics/201707 ... t-mideast/


Eine weitere Möglichkeit die Türkei (hier ist explizit nicht nur Erdogan gemeint) nicht aufzubringen, ist die Kurden zu vernachlässigen. Sonst wird der Riss immer größer. Allerdings meine ich, daß dies eine "normale" Entwicklung ist. Die Türkei 2017 ist nicht die Türkei des Kalten Krieges. Den Türken vorzumachen, sie hätten eine Chance in die EU zu kommen ist genau diesem Umstand zu schulden. Wenn keine Perspektive Mitglied Europas zu sein, gibts dann noch weitere Optionen.
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