Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

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palulu
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Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon palulu » Mo 13. Apr 2015, 14:46

Der Papst hielt vor Kurzem im Petersdom einen Gottesdienst zu Ehren der ermordeten Armenier während des Osmanischen Reiches ab, an dem auch Vertreter der orthodox-armenischen Geistlichkeit teilnahmen. Dort bezeichnete er die Ereignisse von 1915 als einen Völkermord "am ersten christlichen Volk". Er stellte die Ereignisse um 1915 auf eine Stufe mit dem Holocaust und dem Stalinismus. Die Armenier seien Opfer des ersten Völkermordes des 20. Jahrhunderts geworden, hat Franziskus gesagt, allerdings ist diese Aussage wieder einmal Ausdruck des weißen Rassismus. Tatsächlich waren die ersten Genozidopfer des letzten Jahrhunderts Afrikaner: die Herero und Nama.

http://www.tagesschau.de/ausland/papst- ... r-103.html
http://www.tagesspiegel.de/politik/paps ... 25258.html

Naturgemäß missfiel dies der Türkei. Der Botschafter des Vatikan wurde ins türkische Außenministerium einbestellt, der türkische Botschafter aus dem Vatikan zurück nach Ankara beordert. Es wird gemunkelt, dass der Papst aus Rücksicht auf die Beziehungen zur Türkei nicht an der pompösen und internationalen Gedenkzeremonie am 24. April in Eriwan teilnehmen werde, weshalb die Zeremonie im Petersdom abgehalten worden sei.

Der taz-Journalist Jürgen Gottschlich hat ganz ungeplant und unerwartet ein Buch zu dieser Thematik just am 100. Jahrestag veröffentlicht:

Beihilfe zum Völkermord: Deutschlands Rolle bei der Vernichtung der Armenier
Gebundene Ausgabe – 24. Februar 2015
von Jürgen Gottschlich (Autor)

Klappentext:
Deutschland strebte mit dem Ersten Weltkrieg die Vorherrschaft im Orient an und zog dazu seinen Bündnispartner Osmanisches Reich in den Krieg hinein. Dessen Armee wurde von deutschen Militärs geleitet, die alle Armenier im Land als Spione und Verräter ansahen, da diese angeblich mit dem russischen Feind kollaborierten. Aus der eingeleiteten Umsiedlung der armenischen Bevölkerung in Richtung syrische Wüste wurde von türkischer Seite schnell ein Völkermord. Ihm fielen mehr als eine Million Menschen zum Opfer, was die deutsche Regierung als »hart, aber nützlich« akzeptierte. Bedenken von Diplomaten und Kirchenvertretern wurden beiseite gewischt. Jürgen Gottschlich ist an die Orte der damaligen Ereignisse gereist, hat Nachkommen der betroffenen Familien befragt sowie deutsche und türkische Archive durchforscht. Entstanden ist eine spannende historische Reportage, die die ganze Dimension der deutschen Verstrickung in den Genozid offenlegt und die Auseinandersetzungen um dieses umstrittene Geschehen bis in die Gegenwart verfolgt. (Anmerkung: Dieses Buch enthält 77 Abbildungen und vier Karten.)
-> http://www.amazon.de/Beihilfe-zum-Völkermord-Deutschlands-Vernichtung/dp/3861538172/ref=sr_1_1/276-5156313-8217148?s=books&ie=UTF8&qid=1428930001&sr=1-1&keywords=Armenier

In der Bundesrepublik wird am 24. April eine Gedenkstunde im Deutschen Parlament abgehalten. Die Welt meint, aus Rücksicht vor Erdogan wolle man das Wort Genozid in Deutschland nicht in den Mund nehmen von offizieller Seite. Abgesehen davon, dass Erdogan nicht die personifizierte Türkei ist, würde diesem Standpunkt Jürgen Gottschlich wohl so nicht zustimmen. Deutschland wiederum hat kein Interesse daran, als Mittäter verurteilt zu werden. Interessant ist auch, wer die Gedenkfeier in Armenien besucht und wer nicht. Vor einigen Wochen wurde nämlich berichtet, dass der französische Staatspräsident François Hollande die Zeremonie am 24. April in Eriwan besuchen werde, Deutschland wolle lediglich einen Vertreter entsenden. In Frankreich lebt eine einflussreiche armenische Diaspora, in Deutschland eine türkische.

In der Türkei hingegen hat man ebenfalls so seine Mittel und Wege. Die Kaufentscheidung des Milliarden Dollar schweren Raketenabwehrsystems wurde aufgeschoben, zuletzt waren europäische Firmen, genauer gesagt ein italienisch-französisch Konsortium, in den engeren Kreis gerückt. Ihr Angebot wird inzwischen favorisiert. Darüber hinaus hat man mit Turkish Airlines, eine stark expandierende Fluglinie, einen Großkunden bei Airbus, der jährlich 30 neue Flugzeuge einflottet. Abgesehen von ökonomischen Zwängen spricht auch die Tatsache, dass Armenien sich der russischen Machtsphäre letztlich ergeben hat, nicht für ein größeres westliches Interesse an der Thematik. Armenien ist zum 02.01.2015 der Eurasischen Union beigetreten.

Letztlich wird das Datum mit einem moralischen Fingerzeig Richtung Ankara und viel Theaterdonner über die Bühne gebracht werden.
Marie-Luise

Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Marie-Luise » Mo 13. Apr 2015, 16:10

Dazu fällt mir Erdogans Ausspruch von vor einigen Jahren ein:

"Muslime morden nicht", "Muslime begehen keinen Völkermord!"

("Muslims don't .... ")

>Prime Minister Recep Tayyip Erdogan’s famous series of quotes “Muslims don’t kill,” “Muslims don’t commit genocide” and “Muslims don’t resort to terror” from a couple of years ago also contained another jewel: “Muslims don’t resort to nuclear weapons.”

http://www.hurriyetdailynews.com/defaul ... 2011-11-10
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon schelm » Mo 13. Apr 2015, 23:42

palulu » Mo 13. Apr 2015, 14:46 hat geschrieben:Der Papst hielt vor Kurzem im Petersdom einen Gottesdienst zu Ehren der ermordeten Armenier während des Osmanischen Reiches ab, an dem auch Vertreter der orthodox-armenischen Geistlichkeit teilnahmen. Dort bezeichnete er die Ereignisse von 1915 als einen Völkermord "am ersten christlichen Volk". Er stellte die Ereignisse um 1915 auf eine Stufe mit dem Holocaust und dem Stalinismus.

Ohne das zu prüfen bin ich mir sicher, er tat das nicht. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, ob du den Unterschied zwischen " Völkermord " und der Singularität des Holocaust kennst ? Es gibt auch Völkermorde außerhalb der Singularität des Holocaust. Die industriell organisierte Vernichtung ist das Alleinstellungsmerkmal, nicht der Völkermord als solcher.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Liegestuhl » Di 14. Apr 2015, 00:05

Palulu: Warum reitest du so auf dieser Sache mit dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts herum? Das ist doch völlig irrelevant. Eigentlich bist du doch nur sauer, dass das Kind beim Namen genannt wird und die Türkei eines Völkermordes bezichtigt wird. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass diesbezüglich türkische Geschichtsschreibung massiv von nicht-türkischer Geschichtsschreibung abweicht.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon palulu » Di 14. Apr 2015, 00:26

Liegestuhl » Di 14. Apr 2015, 01:05 hat geschrieben:Palulu: Warum reitest du so auf dieser Sache mit dem ersten Völkermord des 20. Jahrhunderts herum? Das ist doch völlig irrelevant. Eigentlich bist du doch nur sauer, dass das Kind beim Namen genannt wird und die Türkei eines Völkermordes bezichtigt wird. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass diesbezüglich türkische Geschichtsschreibung massiv von nicht-türkischer Geschichtsschreibung abweicht.


Weil dadurch der Völkermord künstlich aufgeladen wird, er wird auf ein Podest gestellt; so, als hätten die Türken zum ersten Mal von der verbotenen Frucht genascht, eine Blaupause für folgende Völkermorde entworfen. Das trifft aber nicht zu. Deswegen ist das auch nicht völlig irrelevant. Ich bin im Übrigen auch nicht sauer über die Wortwahl. Meine persönliche Meinung dazu kennst Du gar nicht.
Zuletzt geändert von palulu am Di 14. Apr 2015, 00:30, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon palulu » Di 14. Apr 2015, 00:29

schelm » Di 14. Apr 2015, 00:42 hat geschrieben:Ohne das zu prüfen bin ich mir sicher, er tat das nicht. Ganz sicher bin ich mir aber nicht, ob du den Unterschied zwischen " Völkermord " und der Singularität des Holocaust kennst ? Es gibt auch Völkermorde außerhalb der Singularität des Holocaust. Die industriell organisierte Vernichtung ist das Alleinstellungsmerkmal, nicht der Völkermord als solcher.


Doch, hat er. Kannst Du hier nachhören: http://www.tagesschau.de/ausland/papst- ... r-103.html

1. Tragödie: Armenier; 2. Tragödie: Juden; 3. Tragödie: Stalin-Opfer.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon schelm » Di 14. Apr 2015, 01:05

palulu » Di 14. Apr 2015, 00:29 hat geschrieben:
Doch, hat er. Kannst Du hier nachhören: http://www.tagesschau.de/ausland/papst- ... r-103.html

1. Tragödie: Armenier; 2. Tragödie: Juden; 3. Tragödie: Stalin-Opfer.

Nein, hat er nicht. Er hat verschiedene große Tragödien des. 20.Jh. aufgezählt, nicht sie gleich gesetzt. Abgesehen davon, die Aufzählung ist unvollständig. Es fehlen bspw. der Genozid von 1994 an den Tutsi in Ruanda, die Opfer der " Kulturrevolution " und der Genozid durch die Roten Khmer. :|
Jeder Kaiser hat das Recht nackt vor sein Volk zu treten, aber dafür bedarf es eines Volkes, das nicht blind ist.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon palulu » Di 14. Apr 2015, 01:25

schelm » Di 14. Apr 2015, 02:05 hat geschrieben:Nein, hat er nicht. Er hat verschiedene große Tragödien des. 20.Jh. aufgezählt, nicht sie gleich gesetzt. Abgesehen davon, die Aufzählung ist unvollständig. Es fehlen bspw. der Genozid von 1994 an den Tutsi in Ruanda, die Opfer der " Kulturrevolution " und der Genozid durch die Roten Khmer. :|


Bitte, sei nicht so typisch schelmisch. :rolleyes:
Er erwähnt explizit die drei großen Tragödien des 20. Jahrhunderts und zählt sie in seiner Rede auf. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass er das so nicht beabsichtigte, ist er nicht dumm und weiß um die Wirkung seiner Wortwahl Bescheid. So wie ich es im Eingangsbeitrag niederschrieb, kommt es beim ganz normalen Zuhörer auch an. Der Journalist versteht dies ebenso, wie aus seiner Umschreibung deutlich wird.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Córdoba » Di 14. Apr 2015, 06:34

Zitat Wikipedia "Völkermord":
Die Konvention definiert Völkermord in Artikel II als „eine der folgenden Handlungen, begangen in der Absicht, eine nationale, ethnische, rassische oder religiöse Gruppe als solche ganz oder teilweise zu zerstören.

Unter Zerstören versteht das Völkerrecht nicht unbedingt töten.
Auch andere Methoden gehören dazu.
Theoretisch kann man einen Völkermord begehen, ohne einen einzigen Menschen zu töten.
Theoretisch natürlich, in der Praxis eher die Ausnahme.

Die Türkei hat sich der armenischen Minorität, ebenso wie andere nichtinslamischer Minoritäten praktisch vollkommen entledigt.
Das kann man als Völkermord sehen, wenn man will.

Kurden und Alewiten wurden im wesentlichen nicht physisch eliminiert, stehen aber bis heute unter dem enormen Zwang der Sunnitisierung/Türkisierung.
Religionsfreiheit ist in der Türkei nicht existent.
Das allmächtige sunnitische Religionsministerium hat jede religiöse Tätigkeit im Griff.
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Antonius
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Antonius » Di 14. Apr 2015, 10:32

palulu » Di 14. Apr 2015, 00:29 hat geschrieben:Doch, hat er. Kannst Du hier nachhören: http://www.tagesschau.de/ausland/papst- ... r-103.html
1. Tragödie: Armenier; 2. Tragödie: Juden; 3. Tragödie: Stalin-Opfer.
schelm » Di 14. Apr 2015, 02:05 hat geschrieben:Nein, hat er nicht. Er hat verschiedene große Tragödien des. 20.Jh. aufgezählt, nicht sie gleich gesetzt. Abgesehen davon, die Aufzählung ist unvollständig. Es fehlen bspw. der Genozid von 1994 an den Tutsi in Ruanda, die Opfer der " Kulturrevolution " und der Genozid durch die Roten Khmer. :|
Ich stimme Dir völlig zu, daß es im 20.Jahrhundert mehrfach große Tragödien gab.
Dennoch ist es ein großes Verdienst von Papst Franziskus, am vergangenen Sonntag den Völkermord an den Armeniern und Syro-Aramäern angesprochen zu haben.
http://www.katholisch.de/de/katholisch/ ... enozid.php

    Es gibt mächtige Staatsmänner, die sich das nicht trauen, weil sie die Türkei nicht verprellen wollen.
    Papst Franziskus hat es sich getraut: In einem Gottesdienst zum 100. Jahrestag des Beginns der Verfolgung
    der Armenier während des Ersten Weltkriegs sprach er am Sonntag vom "ersten Genozid des 20. Jahrhunderts".
    Damit hat er zwar die Mehrheit der Historiker auf seiner Seite - aber Ankara gegen sich.
    Das türkische Außenministerium bestellte den vatikanischen Botschafter ein und protestierte offiziell und scharf gegen diese Aussage.
    Franziskus hat die vorhersehbare Reaktion offenbar bewusst in Kauf genommen.
    Denn diesmal äußerte er sich nicht spontan, sondern las einen vorbereiteten und vom Vatikan zuvor verbreiteten Redetext vor.

    "Die Menschheit hat im vergangenen Jahrhundert drei große, unerhörte Tragödien erlebt:
    die erste, die allgemein als 'der erste Genozid des 20. Jahrhunderts' angesehen wird; diese hat euer armenisches Volk getroffen",
    sagte der Papst in seinem Grußwort an die armenischen Gäste.
    Unter ihnen waren der armenische Staatspräsident Sersch Sargsjan sowie die Oberhäupter
    der armenisch-apostolischen und der armenisch-katholischen Kirche, die Patriarchen Karekin II. und Nerses Bedros XIX.(...)
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Demolit » Di 14. Apr 2015, 10:45

Nun hat Deutschland in dieser Sache auch keine gute Figur abgegeben und ist seinem Verbündeten beim Töten behilflich gewesen.

Eine kleine Korrektur wäre dem Franziskus noch auf den Spickzettel zu schreiben. Wenn die Definition von Völkermord korrekt angewandt wird, dann wäre der erste Völkermord im vorigen Jahrhundert in Deutsch Südwestafrika an den Hereros verübt worden.

Nur kann eines wichtigerweise festgehalten werden. In Deutschland kann jeder über beide schrecklichen Ereignisse sich über all und über alles auslassen. Das ist der Vorteil einer Gesellschaft, die diskurswillig und fähig ist. Das prägt auch das Selbstverständnis der Menschen in dieser Gesellschaft.

In der Türkei kann man offen über diese Dinge sich nicht auslassen. Das prägt auch das Selbstverständnis der Menschen in der dortigen Gesellschaft. Dies kann auch hier in Deutschland bei diesen Menschen beobachtet werden.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Kardux » Di 14. Apr 2015, 16:41

Mein Beileid an alle Hinterbliebenen der Opfer des Genozids. Dabei darf nie vergessen das sich der Genozid nicht nur gegen die Armenier sondern alle orientalischen Christen des Osmanischen Reiches richtete. Das die Kurden in diesem Genozid als aktive Mittaeter mitgewirkt haben, beschaemt mich als Kurde zutiefst. Die Ausloeschung der armenischen Existenz in Ostanatolien ist eines der groessten Menschheitsverbrechen, es hat die Region sowohl kulturell als auch oekonomisch um Jahrzehnte und mehr zurueck geworfen. Ich empfinde Scham und Verachtung fuer diese kurdischen Staemme, die sich bestialisch an armenischen Frauen, Kindern, Greisen, und Maennern vergriffen haben. Es wird fuer ewig ein schwarzes Kapitel in unserer kurdischen Geschichte sein.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon JFK » Di 14. Apr 2015, 18:26

Kardux » Di 14. Apr 2015, 17:41 hat geschrieben:Mein Beileid an alle Hinterbliebenen der Opfer des Genozids. Dabei darf nie vergessen das sich der Genozid nicht nur gegen die Armenier sondern alle orientalischen Christen des Osmanischen Reiches richtete. Das die Kurden in diesem Genozid als aktive Mittaeter mitgewirkt haben, beschaemt mich als Kurde zutiefst. Die Ausloeschung der armenischen Existenz in Ostanatolien ist eines der groessten Menschheitsverbrechen, es hat die Region sowohl kulturell als auch oekonomisch um Jahrzehnte und mehr zurueck geworfen. Ich empfinde Scham und Verachtung fuer diese kurdischen Staemme, die sich bestialisch an armenischen Frauen, Kindern, Greisen, und Maennern vergriffen haben. Es wird fuer ewig ein schwarzes Kapitel in unserer kurdischen Geschichte sein.


es ist eine Sauerei keine frage, aber mit den Kurden würde ich nicht so hard ins Gericht gehen, so als Fußvolk waren sie sicher auch von Propaganda gesteuert mit Patriotischer Absicht, sowieso ist die Gesamte sache etwas fraglich und bestimmt nicht mit anderen Völkermord zu vergleichen, das wird etwas aufgeblasen scheint mir.
Aber das Unrecht vorliegt kann kein Türke mehr Leugnen, auch mein Beileid an die geschädigten, mögen sie irgendwann mal uns Vergeben, und somit die last von unseren schultern nehmen.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Córdoba » Mi 15. Apr 2015, 09:30

Die Kurden haben geschichtlich gesehen überwiegend Pech gehabt, wie die Tibeter, oder wenn man weiter ausholt, die Indianer, sie waren und sind Spielball anderer Mächte.
Man hat sie bei Grenzziehungen nicht berücksichtigt, völlig übergangen.
Vor allen Dingen nach dem ersten Weltkrieg.

Zum Glück haben sie es geschafft, wenigstens im Nordirak ein funktionierendes Gemeinwesen aufzubauen.
So haben sie die Chance, als Kultur weiter zu existieren.............
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon schokoschendrezki » Do 16. Apr 2015, 08:12

Die gegenwärtige türkische Innenpolitik ist von einer massiven Revitalisierung des "Osmanischen Reiches" und der osmanischen Sprache geprägt. Osmanisch soll wieder Schulfach werden, die Türken sollen sich als Bewohner eines stolzen alten Großreichs fühlen, das in romantisierenden TV-Serien völlig den historischen Tatsachen widersprechend dargestellt wird. Ziemlich genau das auf türkisch was gegenwärtig in Ungarn, Japan und vor allem Russland abläuft. Und da passt diese Völkermordgeschichte einfach nicht hin.

Was für mich als Außenstehender allerdings schwer zu verstehen ist: An sich und ursprünglich steht die jungtürkische Bewegung, die hauptverantwortlich für den Völkermord an den Armeniern war, mit ihrem nationalistischen und laizistischen Konzept ja im genauen Gegensatz zum multiethnischen und religiös ausgerichteten osmanischen Reich. Wer an einer Wiederaufrichtung eines positiven Bildes dieses osmanischen Reichs interessiert ist, müsste die offizielle Verurteilung dieses Völkermords eigentlich begrüßen.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Antonius » Do 16. Apr 2015, 15:44

Die Deutsch-Armenische Gesellschaft e.V. teilte am 15.4.2015 folgendes mit:

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) lädt am Donnerstag, dem 23. April 2015, um 19.15 Uhr
zu einem ökumenischer Gottesdienst im Gedenken an den 100.Jahrestag
des Genozids an Armeniern, Syrern und Pontos-Griechen im Berliner Dom ein.
Vertreterinnen und Vertreter von sechs christlichen Kirchen erinnern am Vorabend des offiziellen armenischen Gedenktages
gemeinsam der Ermordeten.
Auch Bundespräsident Joachim Gauck wird daran teilnehmen.
Er wird im Anschluß an den Gottesdienst sprechen.
http://www.deutscharmenischegesellschaf ... #more-6240

Am 9. Dezember 2014 stellten die Abgeordneten Ulla Jelpke, Christine Buchholz, Sevim Dağdelen, Inge Höger,
Andrej Hunko, Dr. Alexander S. Neu, Kathrin Vogler und die Fraktion DIE LINKE
die Kleine Anfrage „100. Jahrestag des Völkermordes an den Armenierinnen und Armeniern im Osmanischen Reich“
(Drucksache 18/3533).

Die Bundesregierung beantwortete sie am 13. Januar 2015 [url]
(Drucksache 18/3722).

http://www.deutscharmenischegesellschaft.de/2015/01/

Die Beantwortung der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE durch die Bundesregierung ist im allgemeinen sehr defensiv formuliert.
Immerhin kann in einigen Ländern die Leugnung des Völkermordes strafrechtlich verfolgt werden,
so in Griechenland, in der Schweiz, in der Slowakei und in Spanien.
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Kanzlerqualle » Do 16. Apr 2015, 16:48

Marie-Luise » Mo 13. Apr 2015, 16:10 hat geschrieben:Dazu fällt mir Erdogans Ausspruch von vor einigen Jahren ein:
"Muslime morden nicht", "Muslime begehen keinen Völkermord!"
.. eigentlich müßte es mal eine Karikatur geben , Erdogan mit gespaltener Zunge wie eine Schlange ..
Kanzlerqualle

Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Kanzlerqualle » Do 16. Apr 2015, 16:53

schokoschendrezki » Do 16. Apr 2015, 08:12 hat geschrieben: Wer an einer Wiederaufrichtung eines positiven Bildes dieses osmanischen Reichs interessiert ist, .
.. was bitte heißt denn hier "positive Bilde eines osmanischen Reiches" , das osmanische Reich hat sich auch nur durch Krieg und Folter ausgebreitet ..
Marie-Luise

Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon Marie-Luise » Do 16. Apr 2015, 17:03

Kanzlerqualle » Do 16. Apr 2015, 17:48

.. eigentlich müßte es mal eine Karikatur geben , Erdogan mit gespaltener Zunge wie eine Schlange ..


Ich sehe Erdogan im Geiste vor mir.

http://www.google.de/imgres?imgurl=http ... CCEQrQMwAA
JFK
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Re: Der 100. Jahrestag des Völkermords an den Armeniern

Beitragvon JFK » Do 16. Apr 2015, 17:04

Kanzlerqualle » Do 16. Apr 2015, 17:53 hat geschrieben: .. was bitte heißt denn hier "positive Bilde eines osmanischen Reiches" , das osmanische Reich hat sich auch nur durch Krieg und Folter ausgebreitet ..


Das Osmanische reich war seinerzeit die Humanste Regierung, das kannst du abstreiten, die Fakten kannst du aber nicht ändern.

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