98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehen

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palulu
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98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehen

Beitragvon palulu » Sa 9. Aug 2014, 21:15

Das ist meine persönliche, allerdings wissenschaftlich nicht überprüfte These. Vielleicht schreibe ich ein Buch darüber. Meiner Behauptung liegen keine rassistischen Ressentiments zugrunde. Natürlich sind Europäer nicht dumm oder blind. Die Menschen hier haben allerdings - bedingt durch Kultur, Tradition, Religion und ihre eigene Geschichte - eine andere Art und Weise, wie sie politische Konflikte betrachten und bewerten. Oftmals wird versucht, mit Hilfe eigener Denkmuster und Analysekategorien die Ereignisse in der Türkei zu begreifen, nicht bloß wahrzunehmen. Das ist im Übrigen völlig menschlich und bei den Türken nicht anders, weshalb ich umgekehrt auch ihnen unterstelle, zumindest in der Gegenwart, mehrheitlich nicht verstanden zu haben, was die Europäer von ihnen wünschen. Das meine ich nicht bloß in Bezug auf den Beitrittsprozess. Es liegt also ein Kommunikationsproblem vor. Das drückt sich häufig durch die Wut vieler Deutscher über den Sieg Erdogans aus. Ein islamisch-konservativer Machtmensch, der 3 Parlamentswahlen, 3 Kommunalwahlen und 2 Verfassungsbefragungen aufeinanderfolgend für sich entschied und wenn nicht im ersten, so doch im zweiten Wahlgang definitiv Präsident der Türkei - zum Entsetzen der Deutschen - wird.

Ich hatte bereits türkische Artikel zum folgenden Thema gelesen und wollte auch die Tage einen Thread dazu eröffnen, habe aber diesen deutschen Artikel auf Zeit.de entdeckt, der mein Gesagtes zusammenfassend an einem Beipsiel auf den Punkt bringt:

Erdoğans unwahrscheinlichste Anhänger

Sie sind schwul, sie sind konservativ und sie wählen Erdoğan. Innerhalb der AKP hat sich eine Gruppe gebildet, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt.


Versteht ihr die Entscheidung dieser Menschen?
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frems
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon frems » Sa 9. Aug 2014, 21:19

Glaubst Du denn, daß es wirklich nur an einer Mißgunst aufgrund von "Erfolg" liegt? Dann müßten die Europäer ja auch Merkel dafür hassen, weil sie wiedergewählt wurde und sich einen Ast abfreuen kann. Das erscheint irgendwie zu simpel. Wobei ich nicht sagen will, daß Deine Beobachtungen ansonsten falsch sind. Bloß die Prämisse, naja.

Mit solchen Unterstellungen kann man den Menschen im ZEIT-Artikel auch unterstellen, daß sie niedere Beweggründe haben, z.B. karriereorientiert vorgehen und ihren "Status" gerne für Werbezwecke ("Seht! Wir haben sogar Homos bei uns!") hergeben.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Wasteland » Sa 9. Aug 2014, 21:25

palulu » Sa 9. Aug 2014, 22:15 hat geschrieben:Das ist meine persönliche, allerdings wissenschaftlich nicht überprüfte These. Vielleicht schreibe ich ein Buch darüber. Meiner Behauptung liegen keine rassistischen Ressentiments zugrunde. Natürlich sind Europäer nicht dumm oder blind. Die Menschen hier haben allerdings - bedingt durch Kultur, Tradition, Religion und ihre eigene Geschichte - eine andere Art und Weise, wie sie politische Konflikte betrachten und bewerten. Oftmals wird versucht, mit Hilfe eigener Denkmuster und Analysekategorien die Ereignisse in der Türkei zu begreifen, nicht bloß wahrzunehmen. Das ist im Übrigen völlig menschlich und bei den Türken nicht anders, weshalb ich umgekehrt auch ihnen unterstelle, zumindest in der Gegenwart, mehrheitlich nicht verstanden zu haben, was die Europäer von ihnen wünschen. Das meine ich nicht bloß in Bezug auf den Beitrittsprozess. Es liegt also ein Kommunikationsproblem vor. Das drückt sich häufig durch die Wut vieler Deutscher über den Sieg Erdogans aus. Ein islamisch-konservativer Machtmensch, der 3 Parlamentswahlen, 3 Kommunalwahlen und 2 Verfassungsbefragungen aufeinanderfolgend für sich entschied und wenn nicht im ersten, so doch im zweiten Wahlgang definitiv Präsident der Türkei - zum Entsetzen der Deutschen - wird.

Ich hatte bereits türkische Artikel zum folgenden Thema gelesen und wollte auch die Tage einen Thread dazu eröffnen, habe aber diesen deutschen Artikel auf Zeit.de entdeckt, der mein Gesagtes zusammenfassend an einem Beipsiel auf den Punkt bringt:

Erdoğans unwahrscheinlichste Anhänger

Sie sind schwul, sie sind konservativ und sie wählen Erdoğan. Innerhalb der AKP hat sich eine Gruppe gebildet, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt.


Versteht ihr die Entscheidung dieser Menschen?



Ja. Um Missverständisse aus dem Weg zu räumen, laut türkischem Wahlomat wäre ich DSP Wähler (türkische Sozialdemokraten) und ich finde Erdogan somit auch ziemlich unerträglich.
Ich glaube aber, das wenn man bedenkt wo die Türkei gewesen ist, er die Türkei vorangebracht hat.
Viele Deutsche reagieren mit pawlowschen Reflexen auf die politische Kategorie ¨ islamisch-konservativ¨, ohne dabei die verschiedenen Schattierungen zu begreifen oder begreifen zu wollen.
Das ist aber in etwa so sinnvoll wie der CSU zu unterstellen sie wolle neue Kreuzzüge, weil in ihrem Namen das Christliche vorkommt.Ich weiss aus eigener Anschauung und durch Erzählungen sogar erklärter Erdogan-Feinde, das er die Türkei vorangebracht hat.
Es gibt wie du sagst sogar Schwule oder auch Atheisten die ihn wählen.
Meine für die Türkei irrelevante Hoffnung ist das sich irgendwann ein säkularer Präsident durchsetzt, aber ich glaube trotzdem, das Erdogan die Türkei mehr demokratisiert hat. Die Türkei war vorher eine Militärdiktatur mit demokratischem Anstrich.
Wie ernst er und seine Anhänger es damit meinen wird man allerdings dann erst sehen, wenn sie auch eine Wahl verlieren.
Zuletzt geändert von Wasteland am Sa 9. Aug 2014, 21:29, insgesamt 3-mal geändert.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Platon » Sa 9. Aug 2014, 21:28

So ziemlich jedes Land hat eine politische Kultur die Außenstehende nicht so ohne Weiteres verstehen.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon palulu » Sa 9. Aug 2014, 21:30

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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon TheTank » Sa 9. Aug 2014, 21:34

Dass man Erdogan wählt, kann man verstehen.

Er hat das Land vorangebracht, hat seine Verdienste.

Verstanden habe ich die Italiener nicht - mit ihren regelmäßigen Wiederwahlen von Berlusconi.
Zuletzt geändert von TheTank am Sa 9. Aug 2014, 21:35, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon palulu » Sa 9. Aug 2014, 22:51

frems » Sa 9. Aug 2014, 22:19 hat geschrieben:Glaubst Du denn, daß es wirklich nur an einer Mißgunst aufgrund von "Erfolg" liegt? Dann müßten die Europäer ja auch Merkel dafür hassen, weil sie wiedergewählt wurde und sich einen Ast abfreuen kann. Das erscheint irgendwie zu simpel. Wobei ich nicht sagen will, daß Deine Beobachtungen ansonsten falsch sind. Bloß die Prämisse, naja.

Mit solchen Unterstellungen kann man den Menschen im ZEIT-Artikel auch unterstellen, daß sie niedere Beweggründe haben, z.B. karriereorientiert vorgehen und ihren "Status" gerne für Werbezwecke ("Seht! Wir haben sogar Homos bei uns!") hergeben.


Wie kommst Du darauf, dass ich den Deutschen unterstellen würde, sie würden Erdogan seine Erfolge missgönnen? Es geht eher um die Frage, warum Deutsche nicht verstehen können oder wollen, warum die Türkei wählt, wie sie wählt.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon frems » Sa 9. Aug 2014, 22:57

palulu » Sa 9. Aug 2014, 23:51 hat geschrieben:Wie kommst Du darauf, dass ich den Deutschen unterstellen würde, sie würden Erdogan seine Erfolge missgönnen? Es geht eher um die Frage, warum Deutsche nicht verstehen können oder wollen, warum die Türkei wählt, wie sie wählt.

Weil es so klang, als wären sie über den Erfolg wütend:

Das drückt sich häufig durch die Wut vieler Deutscher über den Sieg Erdogans aus. Ein islamisch-konservativer Machtmensch, der 3 Parlamentswahlen, 3 Kommunalwahlen und 2 Verfassungsbefragungen aufeinanderfolgend für sich entschied und wenn nicht im ersten, so doch im zweiten Wahlgang definitiv Präsident der Türkei - zum Entsetzen der Deutschen - wird.


Und wer versteht es denn nicht? Größere Probleme sah ich beim Thema Außenpolitik eigentlich nur bei Bushs Wiederwahl vor zehn Jahren.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Antonius » So 10. Aug 2014, 12:51

Platon » Sa 9. Aug 2014, 22:28 hat geschrieben:So ziemlich jedes Land hat eine politische Kultur die Außenstehende nicht so ohne Weiteres verstehen.
So ist's.
Welcher Außenstehende versteht schon die politische Kultur von Island oder von Irland.

Was die Türkei betrifft, so verstehe ich beispielsweise nicht, warum es dort keine Religionsfreiheit gibt.
Zuletzt geändert von Antonius am So 10. Aug 2014, 12:53, insgesamt 1-mal geändert.
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Makumba

Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Makumba » So 10. Aug 2014, 21:30

Wer bitte regt sich über den Wahlsieg Erdogans auf?
Das war doch zu erwarten, Erdogan war der Favorit.


Ist eigentlich auch egal warum, wieso und weshalb.

Tatsache ist, es wurde so gewählt und jetzt muss man sich mit der Ist-Situation auseinandersetzen.
Im Prinzip bleibt ja alles beim Alten.

Und das mag auch ein Grund sein.


Wer jetzt glaubt, das die Türkei ein islamistischer Staat wird der ist auch balla balla.
Das wird nicht passieren. Die Leute werden nicht islamistischer als sie es eh schon sind.
Oder auch nicht sind.
Zuletzt geändert von Makumba am So 10. Aug 2014, 21:34, insgesamt 4-mal geändert.
Anti-Gutmensch

Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Anti-Gutmensch » So 10. Aug 2014, 21:59

palulu » Sa 9. Aug 2014, 21:15 hat geschrieben:Das ist meine persönliche, allerdings wissenschaftlich nicht überprüfte These. Vielleicht schreibe ich ein Buch darüber. Meiner Behauptung liegen keine rassistischen Ressentiments zugrunde. Natürlich sind Europäer nicht dumm oder blind. Die Menschen hier haben allerdings - bedingt durch Kultur, Tradition, Religion und ihre eigene Geschichte - eine andere Art und Weise, wie sie politische Konflikte betrachten und bewerten. Oftmals wird versucht, mit Hilfe eigener Denkmuster und Analysekategorien die Ereignisse in der Türkei zu begreifen, nicht bloß wahrzunehmen. Das ist im Übrigen völlig menschlich und bei den Türken nicht anders, weshalb ich umgekehrt auch ihnen unterstelle, zumindest in der Gegenwart, mehrheitlich nicht verstanden zu haben, was die Europäer von ihnen wünschen. Das meine ich nicht bloß in Bezug auf den Beitrittsprozess. Es liegt also ein Kommunikationsproblem vor. Das drückt sich häufig durch die Wut vieler Deutscher über den Sieg Erdogans aus. Ein islamisch-konservativer Machtmensch, der 3 Parlamentswahlen, 3 Kommunalwahlen und 2 Verfassungsbefragungen aufeinanderfolgend für sich entschied und wenn nicht im ersten, so doch im zweiten Wahlgang definitiv Präsident der Türkei - zum Entsetzen der Deutschen - wird.

Ich hatte bereits türkische Artikel zum folgenden Thema gelesen und wollte auch die Tage einen Thread dazu eröffnen, habe aber diesen deutschen Artikel auf Zeit.de entdeckt, der mein Gesagtes zusammenfassend an einem Beipsiel auf den Punkt bringt:

Erdoğans unwahrscheinlichste Anhänger



Sie sind schwul, sie sind konservativ und sie wählen Erdoğan. Innerhalb der AKP hat sich eine Gruppe gebildet, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt.


Versteht ihr die Entscheidung dieser Menschen?


Vor allem sind sie unbeschreiblich dumm
Zuletzt geändert von Anti-Gutmensch am So 10. Aug 2014, 22:10, insgesamt 1-mal geändert.
Marmelada
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 07:15

palulu » Sa 9. Aug 2014, 22:15 hat geschrieben:...

Versteht ihr die Entscheidung dieser Menschen?
Nein, aber ich verstehe auch nicht die Entscheidung von CSU-Wählern gleich welcher sexueller Orientierung.
Zuletzt geändert von Marmelada am Mo 11. Aug 2014, 07:17, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Keoma » Mo 11. Aug 2014, 09:02

Die Türken haben verständlicher Weise die Stabilität gewählt, die ihnen Erdogan die letzten zehn Jahre gebracht hat.
Der Türkei ging's noch nie so gut wie unter Erdogan, da nimmt man die Einschränkungen halt in Kauf.
Trifft ja nicht die breite Masse.
Die paar urbanen Intellektuellen interessieren den anatolischen Bauern nicht die Bohne.
Jeder hat ein Recht auf meine Meinung.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 09:08

Die Abschaltungen diverser Inernetdienste trifft die breite Masse.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon John Galt » Mo 11. Aug 2014, 09:17

Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 09:08 hat geschrieben:Die Abschaltungen diverser Inernetdienste trifft die breite Masse.


Keine türkische Eigenart Genossin Marmeladowitsch.

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(Und nein dort geht es nicht um Kinderporno, Gewalt, Drogen oder sonstiges).
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 11:04

John Galt » Mo 11. Aug 2014, 10:17 hat geschrieben:
Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 09:08 hat geschrieben:Die Abschaltungen diverser Inernetdienste trifft die breite Masse.


Keine türkische Eigenart Genossin Marmeladowitsch.
Dass es hier perfekt wäre oder nicht zum schlechteren abkippen könnte, habe ich nie behauptet, Genosse Galtowitsch. Im Gegenteil scheint mir die AKP eine Art muslimische CSU zu sein, zu der sich aber noch kein breites politisches/gesellschaftliches Gegengewicht entwickelt hat (so wie hier zur CSU). Das passiert jetzt gerade. Im tiefsten Herzen ist Seehofer bestimmt neidisch auf Erdogan.

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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Marcin » Mo 11. Aug 2014, 11:13

Mir tut die Türkei leid. Ich halte von Erdogan aus diversen, bekannten Gründen absolut nichts und ich glaube auch nicht, dass die Türkei mit ihm in eine positive Zukunft geht.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Demolit » Mo 11. Aug 2014, 12:04

palulu » Sa 9. Aug 2014, 22:51 hat geschrieben:
frems » Sa 9. Aug 2014, 22:19 hat geschrieben:Glaubst Du denn, daß es wirklich nur an einer Mißgunst aufgrund von "Erfolg" liegt? Dann müßten die Europäer ja auch Merkel dafür hassen, weil sie wiedergewählt wurde und sich einen Ast abfreuen kann. Das erscheint irgendwie zu simpel. Wobei ich nicht sagen will, daß Deine Beobachtungen ansonsten falsch sind. Bloß die Prämisse, naja.

Mit solchen Unterstellungen kann man den Menschen im ZEIT-Artikel auch unterstellen, daß sie niedere Beweggründe haben, z.B. karriereorientiert vorgehen und ihren "Status" gerne für Werbezwecke ("Seht! Wir haben sogar Homos bei uns!") hergeben.


Wie kommst Du darauf, dass ich den Deutschen unterstellen würde, sie würden Erdogan seine Erfolge missgönnen? Es geht eher um die Frage, warum Deutsche nicht verstehen können oder wollen, warum die Türkei wählt, wie sie wählt.


Das ist ganz einfach.

Der Deutsche versteht das schon, was der Türke in der Türkei wählt, das ist sein Bier. Das versteht der Deutsche gut. Der Deutsche interpretiert das nur unter seiner Sicht auf das Politische/Gesellschaftliche. Braucht sich der Türke nur insoweit zu kümmern, als er sich an die allgemein gültigen Regeln in der Welt hält.

Der Deutsche versteht den Türken hier nicht. Das interpretiert das Verhalten des Türken in Deutschland nach den Gegebenheit, die in Deutschland herrschen. Wer sein Türkentum in Deutschland pflegt, der wird so interpretiert, dass er die Regeln, die allgemein in Deutschland gelten und das Leben angenehm machen, nicht im Sinne des Gemeinsamen auslegt, sondern für sich und auf sich bezogen auslegen will. Daher muss man das nicht verstehen und auch links liegen lassen.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon John Galt » Mo 11. Aug 2014, 22:35

Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 11:04 hat geschrieben:
John Galt » Mo 11. Aug 2014, 10:17 hat geschrieben:
Keine türkische Eigenart Genossin Marmeladowitsch.
Dass es hier perfekt wäre oder nicht zum schlechteren abkippen könnte, habe ich nie behauptet, Genosse Galtowitsch. Im Gegenteil scheint mir die AKP eine Art muslimische CSU zu sein, zu der sich aber noch kein breites politisches/gesellschaftliches Gegengewicht entwickelt hat (so wie hier zur CSU). Das passiert jetzt gerade. Im tiefsten Herzen ist Seehofer bestimmt neidisch auf Erdogan.

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Was auch immer es ist, solche Massen wie youtube oder twitter erreicht es nicht und vor allem wurde es nicht von Merkel herself abgeschaltet, weil sie gerade Bock drauf hatte. Für solche feinen Unterschiede sollte man einen Blick behalten, Genosse.


Das ist auch etwas schizophren, wenn man sich den fortschrittlichen Laizismus von Atatürk anschaut. Keine Ahnung warum die Türken plötzlich so draufabfahren davon zumindest inoffiziell abzurücken.

Das lässt Merkel ganz einfach ihren Wächterrat erledigen. Dort geht es übrigens nur um Programme die Spiele spielen.
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Re: 98% der EuropäerInnen werden die Türkei niemals verstehe

Beitragvon Fadamo » Mo 11. Aug 2014, 22:52

Marmelada » Mo 11. Aug 2014, 09:08 hat geschrieben:Die Abschaltungen diverser Inernetdienste trifft die breite Masse.



Das muß nicht unbedingt negativ für den bürger sein.
Vielleicht würde das abschalten des internet deutschland auch gut tun. :)
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