Eure Meinung über die Türkei

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Wasteland
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Wasteland » Do 9. Mär 2017, 16:18

Lesenswerter Artikel.

http://murat-kayman.de/2017/03/08/sprachlos/
Unverständlich, all die „Diener nur eines Herren“, all die „entweder, oder“ Loyalitätsforderungen, all die „Leitkultur“-Deutschen, die glauben, „über allem“ zu stehen. Meine Erfahrungen – gerade in dieser deutsch-türkischen Vielfalt – sind aber so reich, so übervoll an kulturellen Schätzen, dass eine Hierarchisierung doch nur eine „Leidkultur“ hervorbrächte.

Unverständlich auch, all die leichtfertigen Fahnenschwenker, all die Symbolpatrioten, all die „wiedergeborenen Türken“. Bis gestern nicht in der Lage, zwei Sätze akzentfrei Türkisch zu sprechen, heute im Poltern und Pöbeln versunken, ohne Vorstellung von der lyrischen Pracht der türkischen Sprache, mit einem historischen Bewusstsein, das sich ausschließlich aus fiktionalen Fernsehsendungen speist. Die bis zu ihrem Erweckungserlebnis gänzlich unbefangen, heute das Religiöse mit dem Nationalen so amalgamiert haben, dass es keine aufrechteren Verteidiger ihres unbedingt einzigen Heimatlandes und ihres wahren Glaubens geben kann, als sie, die überzeugt sind, „über allem“ zu stehen. Eine Existenz, die sich aber permanent in Ort und Zeit als entfremdet begreift, kann doch nichts hervorbringen, das andere von der Glaubwürdigkeit des Eigenen überzeugt.

Es ist Lessing, der in seinem Werk „Nathan der Weise“ Rachel fragen lässt: „Und wie weiß man denn, für welchen Erdkloß man geboren, wenn man’s für den nicht ist, auf welchem man geboren?“
[...]
Und was ist der aktuelle deutsch-türkische Realzustand? Überhebliche Geringschätzung auf der einen, bornierte Feindseligkeit auf der anderen Seite. Beides vergiftet derzeit zunehmend unser Zusammenleben. Und beides ignoriert, dass Deutschland und die Türkei zwar keine gemeinsame Grenze, aber mehr als 3 Millionen gemeinsame Menschen haben.

Deutschland verlangt von diesen Menschen eine ausschließliche, exklusive, exkludierende Zugehörigkeit, ein Sich-Loslösen von der Türkei, ohne je auch nur ansatzweise ein offensives, ein appellatives Angebot einer emotionalen Beheimatung angeboten zu haben – und wundert sich, warum die Menschen sich zunehmend in einer konstruierten geistig-ausländischen Enklave einrichten.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Kardux » Do 9. Mär 2017, 17:45

Wasteland hat geschrieben:Unverständlich auch, all die leichtfertigen Fahnenschwenker, all die Symbolpatrioten, all die „wiedergeborenen Türken“. Bis gestern nicht in der Lage, zwei Sätze akzentfrei Türkisch zu sprechen, heute im Poltern und Pöbeln versunken, ohne Vorstellung von der lyrischen Pracht der türkischen Sprache, mit einem historischen Bewusstsein, das sich ausschließlich aus fiktionalen Fernsehsendungen speist. Die bis zu ihrem Erweckungserlebnis gänzlich unbefangen, heute das Religiöse mit dem Nationalen so amalgamiert haben, dass es keine aufrechteren Verteidiger ihres unbedingt einzigen Heimatlandes und ihres wahren Glaubens geben kann, als sie, die überzeugt sind, „über allem“ zu stehen. Eine Existenz, die sich aber permanent in Ort und Zeit als entfremdet begreift, kann doch nichts hervorbringen, das andere von der Glaubwürdigkeit des Eigenen überzeugt.


Wenn man diese Zeilen so liest möchte man glatt glauben als ob Erdogan den türkischen Nationalismus gefördert hätte bzw. ihn erweckt hätte.

Viel eher war und ist es der Fall, dass sich Erdogan lediglich dem bereits omnipräsenten Nationalismus in der Gesellschaft bedient hat um an sein persönliches Ziel zu gelangen. Dieser Weg nach "Oben"forderte viele Ausrichtungen. Man erinnere sich an Erdogans demokratischen Kurs als er sich mit den Kurden und Armeniern aussöhnen wollte und seine Türkei sich an die Richtlinien der EU halten wollte. Das es am Ende, also auf der Zielgeraden, der nationalistische Kurs sein musste um sein Ziel zu erlangen spricht wohl für sich.

Es ist die breite türkische Gesellschaft die nationalistisch ist und sich nach einen starken Führer sehnt. Diese Gesellschaft ist für ihr Handeln selber verantwortlich. Man sollte aufhören von Erdogan dem "Verführer" zu reden. Die absolute Mehrheit der Türken wird sich in naher Zukunft für eine Autokratie entscheiden. Die Türkei wird ein Staat wie Syrien bzw. der Irak unter der Baath-Partei. Sie wird der Willkür eines einzigen Mannes ausgesetzt sein. Aber wenn es dann wie in den zwei besagten Staaten den Bach unter geht sollten sich all jene die 2017 die Gewaltteilung abwählten nicht wundern. Eine Autokratie hat über lang, keinem Staat weiter geholfen. Die Türkei ist somit wieder endgültig ein Teil des Nahen Ostens.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Wasteland » Fr 10. Mär 2017, 06:55

Kardux hat geschrieben:(09 Mar 2017, 17:45)

Wenn man diese Zeilen so liest möchte man glatt glauben als ob Erdogan den türkischen Nationalismus gefördert hätte bzw. ihn erweckt hätte.

Viel eher war und ist es der Fall, dass sich Erdogan lediglich dem bereits omnipräsenten Nationalismus in der Gesellschaft bedient hat um an sein persönliches Ziel zu gelangen. Dieser Weg nach "Oben"forderte viele Ausrichtungen. Man erinnere sich an Erdogans demokratischen Kurs als er sich mit den Kurden und Armeniern aussöhnen wollte und seine Türkei sich an die Richtlinien der EU halten wollte. Das es am Ende, also auf der Zielgeraden, der nationalistische Kurs sein musste um sein Ziel zu erlangen spricht wohl für sich.

Es ist die breite türkische Gesellschaft die nationalistisch ist und sich nach einen starken Führer sehnt. Diese Gesellschaft ist für ihr Handeln selber verantwortlich. Man sollte aufhören von Erdogan dem "Verführer" zu reden. Die absolute Mehrheit der Türken wird sich in naher Zukunft für eine Autokratie entscheiden. Die Türkei wird ein Staat wie Syrien bzw. der Irak unter der Baath-Partei. Sie wird der Willkür eines einzigen Mannes ausgesetzt sein. Aber wenn es dann wie in den zwei besagten Staaten den Bach unter geht sollten sich all jene die 2017 die Gewaltteilung abwählten nicht wundern. Eine Autokratie hat über lang, keinem Staat weiter geholfen. Die Türkei ist somit wieder endgültig ein Teil des Nahen Ostens.


Es geht dabei nicht grundsätzlich um türkischen Nationalismus, sondern um die Welle der nationalreligiösen Euphorie, die mit Erdogan zustande gekommen ist. Und die gibt es zweifelsohne.
Der Artikel deutet ja an, dass dahinter eine Überidentifikation von Menschen steht, die eigentlich gar nicht diese strahlenden Vertreter ihrer Nation sind, sondern hin- und hergerissen sind und nirgendwo richtig dazugehören.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 13. Mär 2017, 21:08

ich weiß wirklich nicht was ich jetzt noch denken muß. sind die autoritäten in der türkei noch geistig gesund?

jetzt wurde in ankara gesagt daß die türkei beim menschenrechtsgericht eine klage einreichen wird gegen NL. sind sie übergeschnappt? oder haben sie - was sie nicht mögen - alkohol getrunken?
auf der liste der menschenrechtsverletzungen kommt die türkei sehr gut an. sehr hoch.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Adam Smith » Mo 13. Mär 2017, 21:13

Nomen Nescio hat geschrieben:(13 Mar 2017, 21:08)

ich weiß wirklich nicht was ich jetzt noch denken muß. sind die autoritäten in der türkei noch geistig gesund?

jetzt wurde in ankara gesagt daß die türkei beim menschenrechtsgericht eine klage einreichen wird gegen NL. sind sie übergeschnappt? oder haben sie - was sie nicht mögen - alkohol getrunken?
auf der liste der menschenrechtsverletzungen kommt die türkei sehr gut an. sehr hoch.

Die Türkei hat Probleme mit Europa, Russland, Armenien, Iran, Irak, Syrien, Israel, China, Saudi- Arabien und den USA. Natürlich gibt es die Turkstaaten. Nur sind das Diktaturen mit Leuten die fast so sind wie Erdogan.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Jekyll » Mo 13. Mär 2017, 21:20

Nomen Nescio hat geschrieben:(13 Mar 2017, 21:08)

ich weiß wirklich nicht was ich jetzt noch denken muß. sind die autoritäten in der türkei noch geistig gesund?

jetzt wurde in ankara gesagt daß die türkei beim menschenrechtsgericht eine klage einreichen wird gegen NL. sind sie übergeschnappt? oder haben sie - was sie nicht mögen - alkohol getrunken?
auf der liste der menschenrechtsverletzungen kommt die türkei sehr gut an. sehr hoch.
Wir leben in einer Welt, die von Regeln und Gesetzen bestimmt wird. Was in der Natur die Naturgesetze sind, sind in der Welt der Menschen die Paragraphen. Den Netherländern muss klargemacht werden, dass sie nicht außerhalb der Gesetze stehen, weder von Menschen gemachten noch von der Natur aufdiktierten. Diplomaten einfach mal so am Betreten der Botschaft zu hindern, geht gar nicht. Doch...vielleicht in einer Bananenrepublik, aber nicht in der EU.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Adam Smith » Mo 13. Mär 2017, 21:25

Jekyll hat geschrieben:(13 Mar 2017, 21:20)

Wir leben in einer Welt, die von Regeln und Gesetzen bestimmt wird. Was in der Natur die Naturgesetze sind, sind in der Welt der Menschen die Paragraphen. Den Netherländern muss klargemacht werden, dass sie nicht außerhalb der Gesetze stehen, weder von Menschen gemachten noch von der Natur aufdiktierten. Diplomaten einfach mal so am Betreten der Botschaft zu hindern, geht gar nicht. Doch...vielleicht in einer Bananenrepublik, aber nicht in der EU.

Der Bundesregierung ist es übrigens gestattet genauso zu Handeln wie die holländische Regierung. Aus dem Grund kann auch Deutschland direkt mit angeklagt werden, weil lokal ja schon so verfahren wurde und dieses grundsätzlich möglich ist.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Jekyll » Mo 13. Mär 2017, 21:41

Grundsätzlich ist jedes Land, jede Regierung in der Lage, sich außerhalb der (von Menschenhand) gemachten Regeln und Gesetze zu begeben. Das macht deren Verhalten aber nicht moralischer oder ethischer.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 13. Mär 2017, 22:58

Jekyll hat geschrieben:(13 Mar 2017, 21:41)

Grundsätzlich ist jedes Land, jede Regierung in der Lage, sich außerhalb der (von Menschenhand) gemachten Regeln und Gesetze zu begeben. Das macht deren Verhalten aber nicht moralischer oder ethischer.

warte mal, ich dachte, du meinst es ironisch. offenbar nicht.
jedes land hat das recht diplomaten nicht akzeptieren zu wollen. waren sie das schon, dann werden sie persona non grata und müssen innerhalb einer bestimmten termin das land verlassen. ich dachte, daß du das wußtest.
daß sie deshlab daqs flugzeug landungsrechte verweigerten ist LEGITIM. strikt gemäß den regeln. dasselbe gilt für die familienminsterin. sie kam nicht eingeladen in meinem land und wurde in rotterdam angehalten. da wollte sie zum konsulat gehen. das wurde ihr verweigert, denn sie war nicht mit erlaubnis unserer regierung in NL. sie beharrte aber dabei. schließlich wurde sie gezwungen nach dem land von herkunft zu gehen, i.c. deutschland.

übrigens war dies eine zielbewußte provokation seitens die türken. das hörte unser korrespondenr in ankara. viel deutlicher ist aber, daß es liebst drei kolonnen gab die aus D kamen. dies um verwirrung zu stiften. da das konsulat in rotterdam komplett abgeriegelt war, wurde sie trotz verwirrung doch angehalten.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Di 14. Mär 2017, 00:07

es wird noch fremder. die lage in rotterdam war soo brisant, das der bürgermeister die polizei erlaubnis gegeben hatte von feuerwaffen gebrauch zu machen.

die familienminister war mit zwölf bewaffneten sicherheitsleuten in rotterdam arriviert. es dauerte eine lange zeit, bevor sie sich entwaffnen ließen. denn waffen bei uns ohne erlaubnis ist sowieso tabu.

die erste maßnahme von demirel: alle kontakte auf regierungsniveasu und höher werden verboten. unser botschafter, der zufälloig im haag ist, darf also nicht dort zurückkehren. bis jetzt ist (noch) nicht rede von wirtschaftlichen maßnahmen.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon elmore » Di 14. Mär 2017, 03:22

Wasteland hat geschrieben:(10 Mar 2017, 06:55)

Es geht dabei nicht grundsätzlich um türkischen Nationalismus, sondern um die Welle der nationalreligiösen Euphorie, die mit Erdogan zustande gekommen ist. Und die gibt es zweifelsohne.
Der Artikel deutet ja an, dass dahinter eine Überidentifikation von Menschen steht, die eigentlich gar nicht diese strahlenden Vertreter ihrer Nation sind, sondern hin- und hergerissen sind und nirgendwo richtig dazugehören.


Möglicherweise trifft das tatsächlich zu. Aber unverständlich bleibt es andererseits auch. Wie Plasbergs TV-Debatte neuerlich zeigte.

Und hier die Meinung von jemanden, der das absolut nicht nachvollziehen kann, wie man einerseits die Freiheiten und Rechte, besonders auch das der freien und unbedrohten Meinungsäusserung
hierzulande wie selbstverständlich beansprucht und andererseits den Entzug und die Abschaffung durch Erdogans Regierung in der Türkei befürwortet.

https://www.welt.de/debatte/kommentare/article162767906/Dieses-Appeasement-macht-mich-fassungslos.html

Zitat aus dem verlinkten Welt-Artikel von Ali Ertan Toprak:
"Und was ist nun? Wir erleben eine beispiellose Appeasement-Politik der Bundesregierung gegenüber Erdogan und seiner hier installierten Gegengesellschaft. Während mittlerweile Deutschenfeindlichkeit offen gezeigt wird,
stilisieren sich auch noch die, die immer enthemmter ihre Verachtung uns gegenüber zeigen, zum Opfer."
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Cobra9 » Di 14. Mär 2017, 03:30

Moderation findet statt. Also benehmen wir uns
Anton Tschechow

Keine Literatur kann in puncto Zynismus das wirkliche Leben übertreffen.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon elmore » Di 14. Mär 2017, 04:07

Jekyll hat geschrieben:(13 Mar 2017, 21:20)

Wir leben in einer Welt, die von Regeln und Gesetzen bestimmt wird. Was in der Natur die Naturgesetze sind, sind in der Welt der Menschen die Paragraphen. Den Netherländern muss klargemacht werden, dass sie nicht außerhalb der Gesetze stehen, weder von Menschen gemachten noch von der Natur aufdiktierten. Diplomaten einfach mal so am Betreten der Botschaft zu hindern, geht gar nicht. Doch...vielleicht in einer Bananenrepublik, aber nicht in der EU.


Dazu muss man sagen, dass jede Regierung, sowohl die Niederländische, auch die Deutsche und auch die Türkische, das Recht hat, Personen, Politiker, Diplomaten etc. jederzeit zur "unerwünschten Person zu erklären"
und jenen damit die Einreise in das Zielgastland nicht zu gestatten. Botschaften und Konsulate sind im übrigen kein exterritoriales Staatsgebiet. So ist etwa ein Konsulat oder die Botschaft der Türkei in D oder NL kein
türkisches Staatsgebiet. Siehe hierzu auch die von fast jedem Land der Erde anerkannten Vereinbarungen des "Wiener Übereinkommens zu diplomatischen Beziehungen" (1961) sowie des "Wiener Übereinkommens zu konsularischen Beziehungen" (1963).
Mir ist nicht bekannt, dass die Türkei oder gar die Niederlande, diese beiden Übereinkommen nicht anerkennen würden.

Der türkischen Familienministerin wurde bereits vor ihrer Einreise in NL -mit einer offiziellen Mitteilung an die türkische Regierung durch die Niederländische Regierung - die Einreise als "nicht erwünscht" erklärt.
Wenn ein Politiker oder Diplomat dieses Hoheitsrecht der Regierung des Gastlandes missachtet, wie das die türkische Familienministerin und auch deren Aussenminister praktizierte, verstößt nicht
NL gegen geltende Gesetze und Rechte. Sondern die Türkei missachtete dieses Hoheitsrecht der Niederlande.

Ein Recht, dass sie ohne weiteres allerdings im Gegenzug dafür benutzte, um dem aktuellen niederländischen Botschafter und wohl auch anderen Diplomaten der Niederlande
die Einreise als unerwünscht zu verweigern. Und damit selbstredend auch der Zutritt zum Konsulat bzw. der niederländischen Botschaft in Ankara nicht möglich ist.

Weder die niederländische, auch nicht die türkische Regierung in ihrer Gegenmaßnahme verstießen dabei gegen international gültige Rechtskonventionen oder missachteten
die eigenen nationalen Hoheitsrechte im Sinne einer Bananenrepublik. Ob dies alles diplomatisch geschickt oder politisch sinnvoll und zielführend ist, sei dahingestellt.
Es wäre nicht das erstemal in neueren Zeit, dass diplomatische Konflikte sogar zum Abbruch der dipl. Beziehungen führten, um dann irgendwann doch wieder aufgenommen
zu werden…

Man kann das alles auch einschlägig nachlesen.

Hinsichtlich der Hoheitsrechte hat sich im übrigen Deutschlands Regierung bisher nicht dazu entschließen können, bestimmten türkischen Ministern oder Amtsträgern
Wahlkampfauftritte zu verweigern, indem man diese Personen oder ihre, abseits der üblichen diplomatischen Gepflogenheiten und ausgeübten rein parteipolitischen
Auftritte für unerwünscht erklärt und entsprechend auch die Einreise verweigern könnte.

Ich verweise hier auch ausdrücklich auf das jüngste Urteil des BVG genau zu dieser Thematik. Einen Rechtsanspruch türkischer Politiker auf Wahlkampfauftritte gibt es juristisch,
nach den Gesetzen unseres Landes nicht. Die Möglichkeit liegt alleine im politischen Ermessen der Bundesregierung, ob man dies erlauben will oder nicht.

Das Verhalten der Türkei ist alleine schon deshalb lächerlich und nichts als verkrampftes, manchmal schon verzweifeltes Wahlkampfgetöse, weil ausgerechnet Erdogans Türkei
Politikern aus einem anderen EU-Land, Bulgarien, Wahlkampfauftritte in der Türkei versagte. O-Ton Erdogan: "Was willst du hier in der Türkei. Mach deinen Wahlkampf gefälligst zuhause".

Der Unterschied ist wohl der, dass die Bulgarische Regierung oder Minister daraufhin die Türkei nicht als Nazi-Nachfahren oder Hochburg des Faschismus bezeichneten. ;)
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon watisdatdenn? » Di 14. Mär 2017, 07:25

Die Holländer sind selber schuld, dass sie so viele Türken in ihrem Land zulassen.
Wir deutsche genauso.
Hausgemachte Probleme..

Wären die Türken in der Türkei, gäbe es die Probleme und Spannungen nicht.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Jekyll » Di 14. Mär 2017, 07:54

watisdatdenn? hat geschrieben:(14 Mar 2017, 07:25)

Die Holländer sind selber schuld, dass sie so viele Türken in ihrem Land zulassen.
Wir deutsche genauso.
Hausgemachte Probleme..

Wären die Türken in der Türkei, gäbe es die Probleme und Spannungen nicht.
Wieso redest du jetzt über "Schuld"-Fragen? Ist man bereits "schuldig", wenn Menschen in einer bestimmten Anzahl in einem Land leben? Wenn ja - bis welcher Zahl wäre man denn als "Unschuldiger" zu gelten?
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Alter Stubentiger » Di 14. Mär 2017, 08:13

Nomen Nescio hat geschrieben:(14 Mar 2017, 00:07)

es wird noch fremder. die lage in rotterdam war soo brisant, das der bürgermeister die polizei erlaubnis gegeben hatte von feuerwaffen gebrauch zu machen.

die familienminister war mit zwölf bewaffneten sicherheitsleuten in rotterdam arriviert. es dauerte eine lange zeit, bevor sie sich entwaffnen ließen. denn waffen bei uns ohne erlaubnis ist sowieso tabu.

die erste maßnahme von demirel: alle kontakte auf regierungsniveasu und höher werden verboten. unser botschafter, der zufälloig im haag ist, darf also nicht dort zurückkehren. bis jetzt ist (noch) nicht rede von wirtschaftlichen maßnahmen.


Daran erkennst du aber auch die Panik der Türken rund um Erdogan und seine AKP. Es werden auf Teufel komm raus Feindbilder aus dem Nichts erschaffen damit die Türken sich nur möglichst bedroht fühlen und sich um den einen Führer scharren der sich heldenhaft der Bedrohung durch das dämonische Ausland entgegenhält. Kurden und Gülen sind wohl nicht bedrohlich genug. Aber die Nazis aus den Niederlanden sind gar schröcklich. Erdogan erlöse dein Volk.........geh in Rente.

Bei all den Nationalisten und neuen Heilsbringern die um einen herum immer schrillere Töne anschlagen ist man geneigt an den Vorabend des ersten Weltkriegs zu denken.
Niemand hat vor eine Mauer zu errichten (Walter Ulbricht)
...und die Mauer wird noch in 50 oder 100 Jahren stehen (Erich Honecker)
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Wasteland » Di 14. Mär 2017, 17:44

elmore hat geschrieben:(14 Mar 2017, 03:22)

Möglicherweise trifft das tatsächlich zu. Aber unverständlich bleibt es andererseits auch. Wie Plasbergs TV-Debatte neuerlich zeigte.

Und hier die Meinung von jemanden, der das absolut nicht nachvollziehen kann, wie man einerseits die Freiheiten und Rechte, besonders auch das der freien und unbedrohten Meinungsäusserung
hierzulande wie selbstverständlich beansprucht und andererseits den Entzug und die Abschaffung durch Erdogans Regierung in der Türkei befürwortet.


Leider machen sich viele Medien überhaupt keine Mühe zu erklären wie es dazu kommen konnte. Viele Türken vertreten die Ansicht, dass die Türkei seit Atatürk keinen einzigen fähigen Politiker mehr hatte und alle entweder korrupt oder inkompetent waren oder meistens auch beides. Erdogan ist zwar auch korrupt, aber er macht seine Arbeit, das erkennen sogar die meisten seiner Gegner neidlos an.
Der Müll wird abgeholt, der Strom fliesst ohne Unterbrechungen, Wasser auch, die Autobahnen haben europäisches Niveau, die U-Bahn in Istanbul expandiert, es gibt neue Bosporus-Tunnel und Brücken, einen grossen Flughafen, die Alltagskorruption wurde energisch bekämpft, der allgemeine Wohlstand ist merklich angestiegen. Das sagen sogar seine Gegner, denn das ist einfach eine nüchterne Tatsache.
Das Erdogan durch die Hintertür seine autoritäre, islamisch eingefärbte Herrschaft implementieren will ist die andere Seite der Medaille. Aber vielen seiner Anhänger ist das egal, weil sie denken das er gut für die Türkei ist, einige glauben nicht daran und sind blind dafür und viele sind offen dafür, weil sie selber so ticken (damit meine ich seine Anhänger, immerhin hat die Hälfte der Wähler ihn nicht gewählt).
Eine fähige Alternative zu Erdogan gibt es in der Türkei nicht im Moment. Viele Türken würden sich freuen wenn die CHP jemanden vorweisen könnte der akzeptabel wäre, aber die sind vollkommen hängengeblieben und haben nichts vorzuweisen ausser das sie alles scheisse finden und Atatürk sowas wie Gott ist. Das reicht halt nicht mehr.
Hinzu kommt, dass Erdogan ein sehr guter Rhetoriker ist und die Türkei bis vor kurzem noch ein Schwellenland war in dem das tägliche Brot mehr Bedeutung hat als individuelle Freiheiten. Wenn man Hunger hat und das Wasser vom Brunnen holt und jemand das ändert, ist es einem erstmal Wurst wieviele freie Zeitungen es gibt, bei uns ist das nicht anders. Das alles spielt ihm in die Karten.
Unter den Deutsch-Türken gibt es dann die Gruppe der Frustrierten, die recht gross ist und die ihren Mangel an Selbstwertgefühl mit fanatischem türkischem Nationalismus überkompensieren.
Dann kommt eine gerade zu herablassende, arrogante Haltung gewisser Teile der deutschen Bevölkerung ihnen gegenüber, die das dann eben bis ins unermessliche verstärkt. Ja, die gibt es.
Beide Seiten könnten den Kreislauf durchbrechen wenn man sich mal Zeit nehmen würde die Beweggründe des anderen zu verstehen. Dafür ist aber oft kein Interesse da, auf beiden Seiten.
Und so geht das Schmierentheater eben weiter und Erdogan wird erfolgreich zündeln können.

elmore hat geschrieben:(14 Mar 2017, 03:22)
Zitat aus dem verlinkten Welt-Artikel von Ali Ertan Toprak:
"Und was ist nun? Wir erleben eine beispiellose Appeasement-Politik der Bundesregierung gegenüber Erdogan und seiner hier installierten Gegengesellschaft. Während mittlerweile Deutschenfeindlichkeit offen gezeigt wird,
stilisieren sich auch noch die, die immer enthemmter ihre Verachtung uns gegenüber zeigen, zum Opfer."



Ich bin auch gegen Appeasement-Politik gegenüber Erdogan. Aber vermutlich ist seine Strategie gerade Krawall zu stiften, um Werbung für das Referendum zu machen, da er sich ja gerne als der starke Mann verkauft. Wenn er sich jetzt mit ganz Europa anlegt, ist das vielleicht sogar gut für seine Umfragewerte.
Darauf jetzt einzugehen könnte ihm in die Karten spielen. Abgesehen davon ist Merkel nicht gerade die Person der man zutraut Tacheles zu reden. Etwas das ich an ihr auch nicht leiden kann, wie so vieles.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon watisdatdenn? » Di 14. Mär 2017, 18:05

Jekyll hat geschrieben:(14 Mar 2017, 07:54)
Wieso redest du jetzt über "Schuld"-Fragen? Ist man bereits "schuldig", wenn Menschen in einer bestimmten Anzahl in einem Land leben? Wenn ja - bis welcher Zahl wäre man denn als "Unschuldiger" zu gelten?

Nicht falsch verstehen. Die türken wurden hier eingeladen und es wurde versäumt sie wieder hinauszubeten.
Das ist natürlich nicht die schuld der türken sondern der verantwortlichen deutschen Politiker. (cdu)
Die Misere haben wir jetzt und schon seit Jahrzehnten.
Sie äußert sich aktuell in der offensichtlich gespaltenen Loyalität der Türken außerhalb der Türkei. (wobei wir mit türken noch Glück haben im Vergleich zu Arabern)
Die Situation sollte man versuchen zu bereinigen.
Es kann nicht angehen, dass es hier eine potentiell feindliche und ganz klar undemokratisch gesinnte fünfte Kolonne erdogans gibt.

Man sollte die deutschtürken vor die Wahl stellen: Deutsch assimilierten oder türkisch in die Türkei (dafür haben sie ja ein eigenes land).
Wir brauchen keine Spaltung in Deutschland.
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon elmore » Di 14. Mär 2017, 18:31

Wasteland hat geschrieben:(14 Mar 2017, 17:44)

Leider machen sich viele Medien überhaupt keine Mühe zu erklären wie es dazu kommen konnte. Viele Türken vertreten die Ansicht, dass die Türkei seit Atatürk keinen einzigen fähigen Politiker mehr hatte und alle entweder korrupt oder inkompetent waren oder meistens auch beides. Erdogan ist zwar auch korrupt, aber er macht seine Arbeit, das erkennen sogar die meisten seiner Gegner neidlos an.
Der Müll wird abgeholt, der Strom fliesst ohne Unterbrechungen, Wasser auch, die Autobahnen haben europäisches Niveau, die U-Bahn in Istanbul expandiert, es gibt neue Bosporus-Tunnel und Brücken, einen grossen Flughafen, die Alltagskorruption wurde energisch bekämpft, der allgemeine Wohlstand ist merklich angestiegen. Das sagen sogar seine Gegner, denn das ist einfach eine nüchterne Tatsache.
Das Erdogan durch die Hintertür seine autoritäre, islamisch eingefärbte Herrschaft implementieren will ist die andere Seite der Medaille. Aber vielen seiner Anhänger ist das egal, weil sie denken das er gut für die Türkei ist, einige glauben nicht daran und sind blind dafür und viele sind offen dafür, weil sie selber so ticken (damit meine ich seine Anhänger, immerhin hat die Hälfte der Wähler ihn nicht gewählt).
Eine fähige Alternative zu Erdogan gibt es in der Türkei nicht im Moment. Viele Türken würden sich freuen wenn die CHP jemanden vorweisen könnte der akzeptabel wäre, aber die sind vollkommen hängengeblieben und haben nichts vorzuweisen ausser das sie alles scheisse finden und Atatürk sowas wie Gott ist. Das reicht halt nicht mehr.
Hinzu kommt, dass Erdogan ein sehr guter Rhetoriker ist und die Türkei bis vor kurzem noch ein Schwellenland war in dem das tägliche Brot mehr Bedeutung hat als individuelle Freiheiten. Wenn man Hunger hat und das Wasser vom Brunnen holt und jemand das ändert, ist es einem erstmal Wurst wieviele freie Zeitungen es gibt, bei uns ist das nicht anders. Das alles spielt ihm in die Karten.
Unter den Deutsch-Türken gibt es dann die Gruppe der Frustrierten, die recht gross ist und die ihren Mangel an Selbstwertgefühl mit fanatischem türkischem Nationalismus überkompensieren.
Dann kommt eine gerade zu herablassende, arrogante Haltung gewisser Teile der deutschen Bevölkerung ihnen gegenüber, die das dann eben bis ins unermessliche verstärkt. Ja, die gibt es.
Beide Seiten könnten den Kreislauf durchbrechen wenn man sich mal Zeit nehmen würde die Beweggründe des anderen zu verstehen. Dafür ist aber oft kein Interesse da, auf beiden Seiten.
Und so geht das Schmierentheater eben weiter und Erdogan wird erfolgreich zündeln können.




Ich bin auch gegen Appeasement-Politik gegenüber Erdogan. Aber vermutlich ist seine Strategie gerade Krawall zu stiften, um Werbung für das Referendum zu machen, da er sich ja gerne als der starke Mann verkauft. Wenn er sich jetzt mit ganz Europa anlegt, ist das vielleicht sogar gut für seine Umfragewerte.
Darauf jetzt einzugehen könnte ihm in die Karten spielen. Abgesehen davon ist Merkel nicht gerade die Person der man zutraut Tacheles zu reden. Etwas das ich an ihr auch nicht leiden kann, wie so vieles.


Sehr guter Beitrag in meinen Augen, der viele Dinge richtig sieht und zuordnet. Danke! - Ich bin im übrigen - speziell hinsichtlich der türkischen Zuwanderung und dem pol. Verhalten von Deutschlands dazu - nicht der so positiv - fast schon assimilierten Integrationshaltung - des Herrn Toprak anhängig. So, wie er diese in seinem Beitrag, den ich verlinkte, anklingen ließ. So einfach war und ist es in meinen Augen auch wieder nicht (gewesen), alles nur auf den Willen oder die absichtliche Weigerungshaltung der Zuwanderer herunterzubrechen und schon sei dann alles gut, wenn man (als Türke oder Türkin) auch wirklich woll(t)e.

Und ob die tatsächlich sehr moderate, zurückhaltende Haltung, die man als Appeasement darstellt, Erdogans Ziele besser bekämpft als eine klare und deutliche Haltung, die natürlich auch der Gefahr diplomatischer Krisen und weiterer emotionaler
Eskalation unterliegt, ist leider offen. Jüngste, zwar nicht veröffentlichte türkische Umfragen sollen zeigen, dass sich Erdogan offenbar trotz seines "starken-Mann-Kurses" und der emotionalen Ansprache an "seine" türkische Bevölkerung, vor allem
auch im eigenen Land offenbar eine weitaus größere, vorsichtig schweigende, aber ablehnende Haltung gegenüber sieht, die mit NEIN stimmen will. Ihm also durchaus in diesem Vorhaben einer fast unbegrenzten politischen Machtfülle
misstraut oder es für das Land als nicht gut ansieht. Selbst innerhalb seiner AKP sind wohl weit mehr Menschen klammheimlich dagegen, so zumindest eine - auch in der Türkei - geheim gehaltene Umfrage jenes (türk.) Meinungsforschers,
der die Wahlergebnisse der letzten Wahl so präzise wie kein anderer voraussagte und Recht behielt.

Möglicherweise ein Grund dafür, dass Erdogans Kurs deswegen so stark auf Zoff mit dem Ausland und dortigen, martialischen Wahlkampf fokussiert ist, weil er nur so auch die Vorbehalte im eigenen Land durch heftige Gegenreaktionen
seitens der EU, besonders aber gegen D, provozieren will, und dem eigenen Volk damit zeigen sollen, wie sehr nur ER für sein Volk und Land kämpft, gegen all jene politischen Verräter und Volksfeinde der Türkei. Im In- und Ausland.

Aber offenbar scheinen seine wüsten diplomatischen und wahltaktischen Ausfälle und Tiraden doch mehr Türkinnen und Türken zum Fremdschämen und zu einer eher ablehnenden Haltung zu bringen.
Unabhängig davon, dass er tatsächlich große wirtschaftliche Erfolge vorzuweisen hat. Erfolge, die ihn letztlich auch zum politisch starken Mann werden ließen. Die Türkei hatte ja erstaunliche BIP-Wachstumsraten,
im letzten Jahrzehnt. Aber vielleicht spüren die Menschen in der Türkei, dass Erdogan all das, was er vornerum mit den Händen aufbaute, jetzt rückwärtsgewandt mit dem Arsch wieder einreißt.

Wäre schön, wenn ihm seine eigene Bevölkerung im Land in der Anhäufung einer unerträglichen Machtfülle eine Grenze zöge. Wählen als Präsidenten, der das Land voranbringt, können sie ihn ja trotzdem.
Solange sich tatsächlich auch keine Alternative auftut. Das Problem haben wir ja in D auch. Wer könnte den das Land politisch führen, ausser Merkel als Kanzlerin. Bisher gab es da parteiübergreifend
keine andere Möglichkeit. Vielleicht kann Schulz das Vakuum füllen. Schaunmermal …
Ein Fröschlein sitzt auf dem Kopf von Erdogan.
"Fröschlein, wie geht es dir?" - "Bis auf das Geschwür an meinem Arsch ganz gut", erwiderte dieses.
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Nomen Nescio
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Re: Eure Meinung über die Türkei

Beitragvon Nomen Nescio » Di 14. Mär 2017, 19:38

vorgestern hörte ich zwei tmädel türkischer herkunft. um die 22 jahr. eine davob erzählte das sie absolut nicht mit erdogan einverstanden war. er lügt viel sagte sie. ihre freundin (A) ist pro-erdogan, dennoch ist die band zwischen den beiden sehr stark. sie respektiert die andere meinung ihrer freundin.
beide sind sehr empört über was nachher geschah. A bekam eine mail von einem unbekannten. der schrieb daß er ihre worte weitergeleitet hatte an den türkischen behörden. sie würde bei ihrer nächsten besuch an der türkei wohl merken was die folgen von ihrer bemerkungen waren.

erdogan schwafelte jetzt »NL hat 8.000 muslimsin stebrenica ermordet«. brennendes öl auf seinem haupt. :mad2:

ich hörte soeben daß im assoziationsvertrag zwischen der türkei und EU explizit stehen soll, daß türken nicht zu integrieren brauchen. ist/war das euch bekannt?
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«

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