Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 11613
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon Nomen Nescio » Di 13. Mär 2018, 07:59

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:34)

Es gibt ja keine Sowjetunion mehr, mit der man irgendwelche Verträge haben könnte.

da rußland die erbe der SU ist, soll bei allen verträgen mit dem begriff SU der automatisch ersetzt werden durch rußland.

das erklärte jelzin mal als es sich handelte um die atomwaffen der SU. er kann das gut öfter gesagt haben.
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 08:19

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(12 Mar 2018, 22:36)

Solange es fett Fördergelder gab. Für Polen ist die EU nur ein Buffet zur Selbstbedienung. Sobald es da Pflichten gibt, ist der Spaß vorbei.

Junge. Du hast absolut keine Ahnung. Polen selbst ist weit, weit mehr ein "Buffet zur Selbstbedienung" für deutsche Unternehmen zur Ansiedlung von Produktionsstätten als es die EU Fördergelder für Infrastrukturprojekte für Polen sind. Denn selbst diese dienen nicht zuletzt auch dem Betrieb solcher Produktionsstätten. Mittlerweile kehrt sich dieser Trend bereits auch um. Polnische Firmen treten als Investoren in Deutschland auf und retten u.a. deutsche Unternehmen, die vor der Pleite stehen durch Aufkauf. Gibts etliche Beispiele.

Bei der Zukunfstbranche Softwareentwicklung steht Polen summa summarum in den Rankings weltweit auf Platz Drei. Beim wichtigsten Zweig, Java-Entwicklung, weltweit auf Platz Eins. Auch wenn die politischen Entwicklungen der allerjüngsten Zeit kaum in krasserem Gegensatz zu diesen Fakten stehen könnten.

Und sämtliche mir bekannten Kommentare zum politischen Programm der neuen GroKo weisen darauf hin, dass die gegenwärtige ökonomische Stellung Deutschlands innerhalb von Europa nicht im mindesten für die Zukunft gesichert bleiben wird. Auch wenn das jetzt nicht unmittelbar zum Thema gehört. Aber Kooperationsbereitschaft mit ökonomischen Aufstiegskandidaten wie Polen ist von daher dringend angesagt für Deutschland.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20067
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 08:39

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Mar 2018, 08:19)

Junge. Du hast absolut keine Ahnung. Polen selbst ist weit, weit mehr ein "Buffet zur Selbstbedienung" für deutsche Unternehmen zur Ansiedlung von Produktionsstätten als es die EU Fördergelder für Infrastrukturprojekte für Polen sind. Denn selbst diese dienen nicht zuletzt auch dem Betrieb solcher Produktionsstätten. Mittlerweile kehrt sich dieser Trend bereits auch um. Polnische Firmen treten als Investoren in Deutschland auf und retten u.a. deutsche Unternehmen, die vor der Pleite stehen durch Aufkauf. Gibts etliche Beispiele.

Bei der Zukunfstbranche Softwareentwicklung steht Polen summa summarum in den Rankings weltweit auf Platz Drei. Beim wichtigsten Zweig, Java-Entwicklung, weltweit auf Platz Eins. Auch wenn die politischen Entwicklungen der allerjüngsten Zeit kaum in krasserem Gegensatz zu diesen Fakten stehen könnten.

Und sämtliche mir bekannten Kommentare zum politischen Programm der neuen GroKo weisen darauf hin, dass die gegenwärtige ökonomische Stellung Deutschlands innerhalb von Europa nicht im mindesten für die Zukunft gesichert bleiben wird. Auch wenn das jetzt nicht unmittelbar zum Thema gehört. Aber Kooperationsbereitschaft mit ökonomischen Aufstiegskandidaten wie Polen ist von daher dringend angesagt für Deutschland.


Das sehen polnische Statistiker offenbar anders. Die stellen Polens Provinzen mit einem Index dar, der den Abstand zum EU-Mittel beschreibt. Die Region um Warschau liegt knapp darüber, alle anderen deutlich bis sehr deutlich darunter. Das bedeutet, daß es in Polen viel zu tun gibt, daß man vieles aufbauen kann. Und genau das tun Unternehmen, die sich schneller entwickeln möchten als der heimische Markt das hergibt. Daß darunter viele deutsche Unternehmen sind... wen wundert das bei einem Nachbarn mit hochentwickelter Wirtschaft?

Natürlich ist es grob verzerrend, "die Polen" durch die Bank als Schmarotzer der europäischen Einigung zu sehen. Daß sie ihren Nutzen davon haben, das ist eine gute Nebenwirkung. Ansonsten sind Polen so europäisch gesonnen wie wir auch. Wo dort einige Flaggen hängen oder Wappen angeschraubt sind: Der Sternenkranz ist immer dabei. Nationale Macken haben die natürlich auch, so wie wohl jedes europäische Volk. Ich fühle mich dort sehr wohl, habe sehr freundliche und hilfsbereite Nachbarn, werde in Ämtern freundlich bemüht bedient... so wie das überall sein sollte.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 09:23

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 08:39)

Das sehen polnische Statistiker offenbar anders. Die stellen Polens Provinzen mit einem Index dar, der den Abstand zum EU-Mittel beschreibt. Die Region um Warschau liegt knapp darüber, alle anderen deutlich bis sehr deutlich darunter. Das bedeutet, daß es in Polen viel zu tun gibt, daß man vieles aufbauen kann. Und genau das tun Unternehmen, die sich schneller entwickeln möchten als der heimische Markt das hergibt. Daß darunter viele deutsche Unternehmen sind... wen wundert das bei einem Nachbarn mit hochentwickelter Wirtschaft?

Natürlich ist es grob verzerrend, "die Polen" durch die Bank als Schmarotzer der europäischen Einigung zu sehen. Daß sie ihren Nutzen davon haben, das ist eine gute Nebenwirkung. Ansonsten sind Polen so europäisch gesonnen wie wir auch. Wo dort einige Flaggen hängen oder Wappen angeschraubt sind: Der Sternenkranz ist immer dabei. Nationale Macken haben die natürlich auch, so wie wohl jedes europäische Volk. Ich fühle mich dort sehr wohl, habe sehr freundliche und hilfsbereite Nachbarn, werde in Ämtern freundlich bemüht bedient... so wie das überall sein sollte.

Ja. Die Defizite betreffen soziale Infrastruktur, Einkommensverhältnisse, Verkehr, Bildungseinrichtungen usw. Das ist schon richtig. Das dürfte allerdings ein rein "innerpolnisches" Problem sein. In den abgelegenen Provinzen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt dürfte es teilweise noch ärger aussehen. Deshalb kommt dennoch niemand auf die Idee, diese in Hinsicht auf Kooperation, Handel als irrelevant anzusehen.

Das enorme Potenzial Polens in Hinsicht auf Softwareentwicklung betrifft ohnehin immer nur eine ziemlich kleine Gemeinschaft von Leuten mit ausgeprägt urbanem Lebensstil in einigen wenigen Metropolen. Deshalb ist es wirtschaftlich aber dennoch nicht irrelevant.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20067
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 09:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Mar 2018, 09:23)

Ja. Die Defizite betreffen soziale Infrastruktur, Einkommensverhältnisse, Verkehr, Bildungseinrichtungen usw. Das ist schon richtig. Das dürfte allerdings ein rein "innerpolnisches" Problem sein. In den abgelegenen Provinzen der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt dürfte es teilweise noch ärger aussehen. Deshalb kommt dennoch niemand auf die Idee, diese in Hinsicht auf Kooperation, Handel als irrelevant anzusehen.

Das enorme Potenzial Polens in Hinsicht auf Softwareentwicklung betrifft ohnehin immer nur eine ziemlich kleine Gemeinschaft von Leuten mit ausgeprägt urbanem Lebensstil in einigen wenigen Metropolen. Deshalb ist es wirtschaftlich aber dennoch nicht irrelevant.


Und nun einmal Balsam auf die schmerzenden europäischen Wunden: In den zurückhängenden Regionen Polens erkennen führende Politiker ehrlich und freundlich an, daß der EU-Strukturfonds für ihre Region ein Segen ist, um ihre Infrastruktur entwickeln zu können. Allgemein wünscht man sich Investitionen und Investoren. Wer in Deutschland Lust hat, sich darauf ein zu lassen: Nix wie hin; da gibt es noch viel Luft nach oben!
Audi
Beiträge: 3476
Registriert: Di 22. Mär 2016, 11:57

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon Audi » Di 13. Mär 2018, 09:57

H2O hat geschrieben:(12 Mar 2018, 23:09)

Habe gegoogelt: Finnland war aus freien Stücken neutral. Kann also Verteidigungsbündnisse schließen. Na, das will wirklich etwas heißen, daß Finnland mit Schweden über einen NATO-Beitritt auch nur nachdenkt!

Das Volk will das aber nicht. Und das mehrheitlich
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20067
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 11:02

Audi hat geschrieben:(13 Mar 2018, 09:57)

Das Volk will das aber nicht. Und das mehrheitlich

Da kann ja jeder kommen!
Audi
Beiträge: 3476
Registriert: Di 22. Mär 2016, 11:57

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon Audi » Di 13. Mär 2018, 11:12

Es gab eine Umfrage. Die Mehrheit war gegen einen NATO Beitritt
Benutzeravatar
Nomen Nescio
Beiträge: 11613
Registriert: So 1. Feb 2015, 19:29

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon Nomen Nescio » Di 13. Mär 2018, 12:31

Audi hat geschrieben:(13 Mar 2018, 11:12)

Es gab eine Umfrage. Die Mehrheit war gegen einen NATO Beitritt

interessant. es gab eine umfrage, aber WANN?

bei der krim gab es damals doch auch eine umfrage?
nathan über mich: »er ist der unlinkste Nicht-Rechte den ich je kennengelernt habe. Ein Phänomen!«
blues über mich: »du bist ein klassischer Liberaler und das ist auch gut so.«
Audi
Beiträge: 3476
Registriert: Di 22. Mär 2016, 11:57

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon Audi » Di 13. Mär 2018, 12:38

Nomen Nescio hat geschrieben:(13 Mar 2018, 12:31)

interessant. es gab eine umfrage, aber WANN?

bei der krim gab es damals doch auch eine umfrage?

Doch die Mehrheit der Finnen denkt anders. In der jüngsten Umfrage sprachen sich nur 21 Prozent für einen NATO-Beitritt aus, 51 dagegen, und 28 Prozent demonstrierten den Inbegriff der Neutralität: Sie hatten dazu keine Meinung.

dw.com/de/finnlands-neue-nato-debatte/a-40907997
Benutzeravatar
frems
Beiträge: 43887
Registriert: Sa 4. Apr 2009, 13:43
Benutzertitel: Hochenergetisch
Wohnort: Hamburg, Europa

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon frems » Di 13. Mär 2018, 12:59

Nomen Nescio hat geschrieben:(13 Mar 2018, 12:31)

interessant. es gab eine umfrage, aber WANN?

bei der krim gab es damals doch auch eine umfrage?

In Schweden steigt dank Putin die Zustimmung nach und nach: https://i.imgur.com/IWm4gaW.png
Labskaus!

Ob Mailand oder Madrid -- Hauptsache Europa.
Benutzeravatar
DarkLightbringer
Beiträge: 32355
Registriert: Mo 19. Dez 2011, 16:49
Benutzertitel: Vive la Liberté !

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon DarkLightbringer » Di 13. Mär 2018, 14:52

Auch in der Ukraine soll die Stimmung zugunsten der NATO gestiegen sein, seit den "Gebietsforderungen".
>>We’ll always have Paris<<
[Humphrey Bogart als Rick Blaine in >Casablanca<, 1942]
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 15:47

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 09:49)

Und nun einmal Balsam auf die schmerzenden europäischen Wunden: In den zurückhängenden Regionen Polens erkennen führende Politiker ehrlich und freundlich an, daß der EU-Strukturfonds für ihre Region ein Segen ist, um ihre Infrastruktur entwickeln zu können. Allgemein wünscht man sich Investitionen und Investoren. Wer in Deutschland Lust hat, sich darauf ein zu lassen: Nix wie hin; da gibt es noch viel Luft nach oben!

Es sind vor allem die zirka 14 Sonderwirtschaftszonen in Polen, die Investoren anlocken sollen und es auch tun. Mit vergünstigten Bedingungen natürlich. Und es geht dabei (schon jetzt) um viele Milliarden Euros. Da kann man mit Fug und Recht von Polen als eine Art "Buffet" für westeuropäische Unternehmen sprechen. Der Nachteil für Polen ist, dass solche SWZs sich häufig nicht besonders nachhaltig auf die umgebenden Regionen auswirken.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20067
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 15:54

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Mar 2018, 15:47)

Es sind vor allem die zirka 14 Sonderwirtschaftszonen in Polen, die Investoren anlocken sollen und es auch tun. Mit vergünstigten Bedingungen natürlich. Und es geht dabei (schon jetzt) um viele Milliarden Euros. Da kann man mit Fug und Recht von Polen als eine Art "Buffet" für westeuropäische Unternehmen sprechen. Der Nachteil für Polen ist, dass solche SWZs sich häufig nicht besonders nachhaltig auf die umgebenden Regionen auswirken.


Erwartet man dann nicht auch etwas zu viel? Schon die Infrastruktur (Straßen, Energieversorgung, Krankenhäuser, Polizei...) strahlt doch auch zum Vorteil benachbarter Gebiete aus. Das sorgt sicher für neidische Blicke, aber mehr Möglichkeiten bieten sich dann ja auch. Von diesen Sonderwirtschaftszonen habe ich noch nie gehört. Vielleicht finde ich mit Google dazu etwas.

Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 19:42

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 15:54)

Erwartet man dann nicht auch etwas zu viel? Schon die Infrastruktur (Straßen, Energieversorgung, Krankenhäuser, Polizei...) strahlt doch auch zum Vorteil benachbarter Gebiete aus. Das sorgt sicher für neidische Blicke, aber mehr Möglichkeiten bieten sich dann ja auch. Von diesen Sonderwirtschaftszonen habe ich noch nie gehört. Vielleicht finde ich mit Google dazu etwas.



Na sicher doch. Und man hat, wenn man nicht gerade dort arbeitet, kaum etwas in so einer SWZ verloren. Der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Supermacht hat auch irgendwann mit Sonderwirtschaftszonen begonnen.

Wirtschaftlich noch bedeutsamer als die polnischen SWZs dürfte das sogenannte "Automobilcluster Mitteleuropa" sein, das sich in etwa vom Dreiländereck Polen/Tschechien/Slowakei Richtung Süden bis nach Nordwestungarn erstreckt. Eines der weltweit (oder vielleicht sogar das weltweit?) bedeutsamste Zentrum der Automobilindustrie. Anders als in den SWZs geht es dort inzwischen nicht mehr um reine Produktionsstätten mit Billiglöhnen und Steuervergünstigungen, sondern Technologie und Entwicklung werden zunehmend dorthin verlagert. (Siehe Softwareentwicklungskompetenz-Ranking: Polen, Ungarn, China, Russland - aber auch die Schweiz - liegen in fast allen Sparten auf Weltspitzenniveau). Ich weiß nicht: Verschläft man da in Westeuropa möglicherweise was? Oder auch: Ist man zu sehr auf die tatsächlich ja äußerst besorgniserregende politische und kulturelle Entwicklung in der Region fixiert?
Zuletzt geändert von schokoschendrezki am Di 13. Mär 2018, 20:10, insgesamt 1-mal geändert.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20067
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 20:01

Verschlafen vielleicht nicht; ich vermute, daß die Forschungsarbeiten an neuen Erzeugnissen weiterhin in den Inlandswerken voran getrieben werden. Aber auch unser Land ist zu klein, um die volle Kette vom Geistesblitz bis zum ausgelieferten Erzeugnis mit genügend vielen gut ausgebildeten Fachleuten zu bestücken. Wir können die ja nicht alle in Deutschland unterbringen, und nicht jeder Fachmann möchte seine Familie verlassen.

Ich vermute weiterhin, daß es immer noch als Auszeichnung verstanden wird, wenn ein Fachmann gebeten wird, in der Forschung im Hauptwerk mit zu arbeiten. Wobei die Forschungsabteilung sicher kein Riesenwerk ist. Dann ist ein Umzug nach Deutschland fällig.

Die Firma APPLE verfährt aus meiner Sicht genau nach diesem Muster.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 20:17

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 20:01)

Verschlafen vielleicht nicht; ich vermute, daß die Forschungsarbeiten an neuen Erzeugnissen weiterhin in den Inlandswerken voran getrieben werden. Aber auch unser Land ist zu klein, um die volle Kette vom Geistesblitz bis zum ausgelieferten Erzeugnis mit genügend vielen gut ausgebildeten Fachleuten zu bestücken. Wir können die ja nicht alle in Deutschland unterbringen, und nicht jeder Fachmann möchte seine Familie verlassen.

Ich vermute weiterhin, daß es immer noch als Auszeichnung verstanden wird, wenn ein Fachmann gebeten wird, in der Forschung im Hauptwerk mit zu arbeiten. Wobei die Forschungsabteilung sicher kein Riesenwerk ist. Dann ist ein Umzug nach Deutschland fällig.

Die Firma APPLE verfährt aus meiner Sicht genau nach diesem Muster.


Die Firma Apple vielleicht. Bei der Firma Audi befindet sich die allervorderste Front der Entwicklung und Forschung mittlerweile in Ungarn. Siehe brandaktuelle Meldung (Ende Februar) hier:
https://www.automobil-produktion.de/hersteller/wirtschaft/audi-plant-neues-entwicklungszentrum-in-gyoer-357.html
Der Übergang zu Elektromobilität bei Audi wird sich auch entwicklungsmäßig im ungarischen Győr abspielen. Nicht mehr in Deutschland.
Audi wird am Produktionsstandort Györ für 25 Millionen US-Dollar ein neues Entwicklungszentrum eröffnen. In diesem Jahr startet in Ungarn die Motorenproduktion von Audis erstem vollelektrischem Fahrzeug.

Ich weiß es doch selbst. Entwicklungskapazitäten werden sich dort herausbilden, wo es Softwareentwicklungskompetenz und vor allem entsprechende und auch bezahlbare Arbeitskräfte gibt. Und das ist, wie schon gerschrieben, neben Ostasien und der ziemlichen Ausnahme Schweiz vor allem Ostmitteleuropa, Russland, Ukraine, Baltikum.


Während gleichzeitig ganze Regionen in Ostungarn Richtung Grenze zur Ukraine in Armut und sozialen Problemen versinken. Und BUdapest wiederum ebenso prosperiert. So widersprüchlich ist die Situation selbst in einem flächenmäßig sehr kleinen Land wie Ungarn. Und so sozial fraktioniert sind die Gesellschaften inzwischen.

Ich hatte meinen oberen Beitrag auch noch mal ergänzt. Alle Welt oder zumindest Europa starrt auf die tatsächlich ja fatale politische Entwicklung in Osteuropa. Mit gewisser Berechtigung. Man vergisst dabei, dass - ob man das nun gut findet oder nicht - die Welt sich eher um Handel und Produktion und ums Mammon dreht als um Nationalhymnen, Fremdenangst, Kultur, Gendergerechtigkeit, Naturkost und Geschichtsaufarbeitung. Die Verantwortlichen bei Audi, Renault oder Bosch haben kaum Interesse für solche Fragen. Und absolut kein Problem mit Politikern wie Orbán.

Was in der Slowakei momentan abgeht: Das ist wahrlich ein anderes Thema, Und einen eigenen Thread wert (wenns den nicht schon gibt).
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
H2O
Moderator
Beiträge: 20067
Registriert: So 13. Sep 2015, 12:49

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon H2O » Di 13. Mär 2018, 21:20

Ja, davon ist aus zu gehen: Nicht jedes Unternehmen wird so klug geführt wie APPLE.

Aber wenn wir uns denn die deutsche Automobilwirtschaft heraus picken... ok, AUDI baut also tüchtig aus in Ungarn. Seit Jahrzehnten gibt es schon SKODA, die Urheimat der VW-Familie, wenn ich gut genug aufgepaßt habe. Die forschen und entwickeln bestimmt auch. Und in Wolfsburg werden sicher auch nicht nur Softies sitzen, die den Testbetrieb optimieren. Ingolstadt als reiner Fertigungsbetrieb... mag ich gar nicht glauben. Porsche in Stuttgart/Weissach... da dürfte auch automobile Musik spielen. Und wir reden nur von einem der großen deutschen Konzerne auf diesem Gebiet.

Wir müssen uns anstrengen... gar keine Frage. Aber vor lauter Angst in die Hosen pinkeln müssen wir sicher auch nicht. Wir sollten froh sein, daß mit Hilfe deutschen Kapitals und mit deutschem know-how unsere östlichen Nachbarn allmählich aus den bedrückenden Verhältnissen der sowjetischen Zeit heraus wachsen. Es hat doch gar keinen Sinn, daß diese Menschen sich alle in Deutschland versammeln!

In der Rzeczpospolita online hat sich heute Prof Dr Jan Czekaj von der Uni Krakau zur Wirkung von Auslandskapital in Polen und Europa ausgelassen... das Hohe Lied der Globalisierung angestimmt. Sehr eindrucksvoll, wie sehr saudämliches nationalistisches Neidgewäsch von wirtschaftlicher Überfremdung sich von belastbaren Tatsachen unterscheidet. Die Menschen in "ausländischen" Unternehmen verdienen in Polen 66% mehr als in polnischen Unternehmen gleicher Größenklasse.
In Ungarn wird das vermutlich nicht so viel anders sein.
.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 22:35

H2O hat geschrieben:(13 Mar 2018, 21:20)
Wir müssen uns anstrengen... gar keine Frage. Aber vor lauter Angst in die Hosen pinkeln müssen wir sicher auch nicht. Wir sollten froh sein, daß mit Hilfe deutschen Kapitals und mit deutschem know-how unsere östlichen Nachbarn allmählich aus den bedrückenden Verhältnissen der sowjetischen Zeit heraus wachsen. Es hat doch gar keinen Sinn, daß diese Menschen sich alle in Deutschland versammeln!

Mal abgesehen davon, dass ich nicht weiß, was da "wir " sein soll ... Menschen, die in Deutschland leben und einen deutschen PA haben?? .. na klar. Von vor Angst in die Hose pinkeln kann gar keine Rede sein. Deutschland steht aktuell wirtschaftlich exzellent da. Gegenüber Süd- und Südwesteuropa vielleicht noch mehr als gegenüber Ostmitteleuropa. Aber Vorsicht: Zum einen: Der demographische Faktor wirkt. Und: Softwareentwicklungskompetenz als ganz essenzielle Zukunftsorienthiertheit in Osteuropa hat absolut nix mit deutschem Kapital oder deutschem Know How zu tun. Sondern wohl eher mit dem gerade-Nicht-Fluch der Ressourcenknappheit im exsowjetischen Raum. Ich weiß, wovon ich rede. Und dann: Soziale Zufriedenheiit (in Westeuropa) wirkt eben auch innovationshemmend und damit kommen Verschiebungen im wirtschaftlichen Machtgefüge zustande.

Und dann: Die Firma Apple mag raffiniert bzw. raffsüchtig und gewinnorientiert geführt werden .., was soll "klug" in diesem Zusammenhang schon bedeuten ... sie reiht sich natürlich ein. Ohne irgendeinen Sonderstatus. Es macht für mich keinen Unterschied, ob man meint, sich zu Apple, dem FC Sankt Pauli, dem aktuellen Papst oder Ajatollah oder irgendeiner Girl-Band meint, bekennen zu müssen ... es ist in jedem Fall ein Stück Aufgabe von Selbstsouveränität.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11478
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Janes: Georgien und Ukraine wollen EU und NATO beitreten

Beitragvon schokoschendrezki » Di 13. Mär 2018, 23:06

Aber ich merk' es doch selbst: Wie sehr wir uns vom eigentlichen und politisch hochrelevanten Threadthema entfernen. MUsste grad vor wenigen Stunden daran denken, als ich - wegen des für Berlin - schier unglaublichen Angebots an frischem, geräuchertem, lebendem, getrockneten Fisch im russischen Supermarkt um die Ecke war und wie schon mehrfach fassungslos vor einem Regal von georgischen Weinen der Marke "Stalin" stand. Mit dutzendfachem Abbild des Dikators. Nicht etwa über Russland nach Deutschland exportiert. Sondern direkt von einer georgischen Exportfirma von einer EU-Imprtfirma bezogen. Georgien? Wirklich? Und die Ukraine? Der völlig undurchsichtige Fall Saakaschwili bildet für mich momentan das Bindeglied zwischen Georgien und Ukraine. Wirklich?
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

Zurück zu „33. Osteuropa - GUS - Kaukasus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste