Blick nach Russland Sammelstrang

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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Di 29. Mai 2018, 13:00

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 May 2018, 13:48)

Ich hatte mir übrigens kürzlich bei einer Wartezeit auf einem Bahnhof, da mein Digitalzeugs grad keinen Strom hatte, einfach mal eine Ausgabe des COMPACT-Magazins von Chefredakteur Jürgen Elsässer gekauft, um mir einen schnappschussartigen Eindruck zu machen. Mal abgesehen davon, dass es anstelle einer als "Ethnopluralismus" getarnten neurechten Ideologie völlig offenen unverhüllten Rassismus gab ("Wer abends in Deutschland ins Bett geht, wacht mit dem Morgenmagazin auf einem anderen Kontinent wieder auf. Nur noch Moderatoren aus Afrika, Nahost und Asien. Schwarze Haare, braune Haut. Blondinen mit blauen Augen, das war früher. Als wir noch nicht fremd im eigenen Land waren.") ... hat mich eines denn doch überrascht: Dass anstelle einer "gewissen Russlandaffinität" schlicht und einfach massiv und gefühlt in fast jedem Beitrag reine Kremlpropaganda und Putinhuldigung zu lesen war.


Schade eigentlich. Manchmal hatte der Autor ganz gute Stories. Langer her
Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.
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SirToby
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon SirToby » Di 29. Mai 2018, 17:53

schokoschendrezki hat geschrieben:(29 May 2018, 13:48)

Ich hatte mir übrigens kürzlich bei einer Wartezeit auf einem Bahnhof, da mein Digitalzeugs grad keinen Strom hatte, einfach mal eine Ausgabe des COMPACT-Magazins von Chefredakteur Jürgen Elsässer gekauft, um mir einen schnappschussartigen Eindruck zu machen. Mal abgesehen davon, dass es anstelle einer als "Ethnopluralismus" getarnten neurechten Ideologie völlig offenen unverhüllten Rassismus gab ("Wer abends in Deutschland ins Bett geht, wacht mit dem Morgenmagazin auf einem anderen Kontinent wieder auf. Nur noch Moderatoren aus Afrika, Nahost und Asien. Schwarze Haare, braune Haut. Blondinen mit blauen Augen, das war früher. Als wir noch nicht fremd im eigenen Land waren.") ... hat mich eines denn doch überrascht: Dass anstelle einer "gewissen Russlandaffinität" schlicht und einfach massiv und gefühlt in fast jedem Beitrag reine Kremlpropaganda und Putinhuldigung zu lesen war.


Wundert Sie das wirklich? Elsässer hat während des kalten Kriegs Kremlpropaganda gemacht, und jetzt halt wieder...
Daniel Patrick Moynihan: "Sie haben ein Recht auf ihre eigene Meinung! Sie haben kein Recht auf ihre eigenen Fakten!"
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 30. Mai 2018, 07:51

SirToby hat geschrieben:(29 May 2018, 18:53)

Wundert Sie das wirklich? Elsässer hat während des kalten Kriegs Kremlpropaganda gemacht, und jetzt halt wieder...

Wenn es mal so einfach wäre ... Radikaler als eine Wandlung von einer Leitfigur der Antideutschen zu einem Ultranationalisten gehts kaum noch. Ist auch nicht mit der einfachen Gleichung extrem ist eben extrem zu lösen.

Aber mit Bezug auf Russland: Wie alle Nationalismen wird auch der deutsche pro-russische Nationalismus mit dem Widerspruch fertig werden müssen, dass er dann Ausschlussmythen erstellen muss. In "Mein Kampf" hatte Hitler noch die Japaner als "nicht kulturschöpferische Rasse" gebrandmarkt. Im 2. WK wurden sie dann zu "Ehrenariern" ernannt. Den Querfront-Nationalismus vom Typ Elsässer kann man u.a. auch durch seinen Opportunismus entlarven. Er stellt sich als ehrlich, ehrenhaft, identitär usw. dar, laviert aber eigentlich immer je nach machttaktischen Gegebenheiten.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mi 30. Mai 2018, 08:16

Vorweg: Wenn dieser kleine Exkurs in die deutsche Politik den Rahmen sprengt, bitte ausgliedern und nicht einfach entsorgen.

schokoschendrezki hat geschrieben:(30 May 2018, 08:51)

Wenn es mal so einfach wäre ... Radikaler als eine Wandlung von einer Leitfigur der Antideutschen zu einem Ultranationalisten gehts kaum noch. Ist auch nicht mit der einfachen Gleichung extrem ist eben extrem zu lösen.

Das nicht, aber es zeigt ein ähnliches Problem der Zuspitzung der Antinationalen Ende der 80er/Anfang der 90er zu den sogenannten Antideutschen, wie es auch schon der sowjetische Internationalismus sich ins Haus holte: Wer die Nation und den Nationalismus zum Bezugspunkt macht, der kommt dem Nationalismus nicht aus.

Konkret lassen sich bei Elsässer zwei Handlungsstränge erkennen:

1) Die ursprünglich undifferenzierte Sorge um "die einfachen Leute" (Bahro sprach von Underdog-Klientelismus) kauft sich typisch sozialdemokratische, auf die bestehende Nation und Ordnung bezogene Handlungsalternativen, Abwägungen und Problemfelder ein. http://www.umweltdebatte.de/klientel-bahro.htm
Daraus wird dann in der krisenhaften Zuspitzung die Mobilisierung der Volksgemeinschaft nicht nur gegen "die da oben" sondern auch "die da draußen".

Zweierlei Ausprägungen:
* Die da oben wollen die da draußen unsere Jobs machen lassen, schaffen unsere gute deutsche Arbeit ins Ausland für Einsparungen. Das dürfen die nicht, der Ausländer kann das nicht, wir haben ein Recht auf unsere deutschen Arbeitsplätze hier in Deutschland.(dominant ca 1995-2005)
* Die da oben wollen die da draußen für ihre Zwecke reinlassen, wollen uns verdrängen, verdünnen, ersetzen, zerstören unsere Kultur. Der Ausländer darf nicht rein, er ist nicht wie wir, er bringt rückschrittliche Kultur und Gewalt mit (vor allem 2005-heute)

2) Die Völkersolidarität, bevorzugt natürlich mit irgendwann ehemals progressiv, sozialistisch oder sonst wie angemalten Handlungssubjekten, hat ebenfalls Kollektive als Bezugspunkt, nicht Individuen und deren Schicksal. Wer so eingestellt ist, konnte im sowjetischen Tun bei aller Kritik an Macht- und Blockinteressen anerkennenswertes finden und hatte auch am eigenen Land, Verbündeten und USA genug zu kritisieren. Dass es dabei stellenweise etwas arg unkritisch gegenüber den unterlegenen Volkssubjekten und deren Repräsentanten, Diktaturen und Terrorgruppen vorwiegend, zuging, ist nicht spezifisch für Elsässer oder für Linke. Sowas haben wir heute mit der kritiklosen Tibetverhätschelung auch - Wir wollen hier nicht China aus der Kritik nehmen, es geht genau nur um den Blick auf die unterlegene Seite. Jedoch hat Elsässer diesen Fehler weitergesponnen zu einem Imperativ, jedes noch so unerhörte Mittel der Auseinandersetzung zu ergreifen, um nur nicht zu unterliegen. Für Europa denkt der dabei eine graduelle Interessengemeinsamkeit gegen den Orient schlechthin, jedoch klar auf Deutschlands Wohlstand bezogen. Da muss der einzelne Einwohner, der eben nicht holzschnittartig deutsch oder nichtdeutsch ist, mit allerlei Geboten, Verboten und Einordnungsbemühungen leben, wenn er nicht ausgeschlossen sein will. Das ist schon ziemlich hässlich, aber auch nicht so weit von manchem weg, das dümmere CSU-Denker an schlechten Tagen ausrufen oder aufschreiben.

Elsässer ist ein gutes schlechtes Beispiel und ein lehrbuchhaftes Anschauungsobjekt. Leider, denn das zeigt, dass er so singulär nicht ist.

Aber mit Bezug auf Russland: Wie alle Nationalismen wird auch der deutsche pro-russische Nationalismus mit dem Widerspruch fertig werden müssen, dass er dann Ausschlussmythen erstellen muss.

Das ist für den Nationalismus der Russen in Deutschland oder der Deutschen mit Sympathie für russischen Nationalismus kein ernstes Problem. Es gibt genug Gegnerbilder, die sich anbieten für solches.

In "Mein Kampf" hatte Hitler noch die Japaner als "nicht kulturschöpferische Rasse" gebrandmarkt. Im 2. WK wurden sie dann zu "Ehrenariern" ernannt. Den Querfront-Nationalismus vom Typ Elsässer kann man u.a. auch durch seinen Opportunismus entlarven. Er stellt sich als ehrlich, ehrenhaft, identitär usw. dar, laviert aber eigentlich immer je nach machttaktischen Gegebenheiten.

Es ist ein operativer Nationalismus des Tagesgeschäftes, der sich von Lehrbuchweisheiten emanzipiert. Damit kriegst du Elsässer nicht zu fassen, denn seine Fans interessieren sich nur mittelbar für tiefere Theorien. Sie interessieren sich für eine Welterklärung, in der sie gegenüber dem heute zu zornigen und unerhörten Handlungen und Forderungen berechtigt sind, in der die Außenwelt an dem nagt, das sie als ihr gutes, wohlverdientes Anrecht begreifen wollen. Ob sowas die Geschichte sauber abdeckt oder ob der operative Nationalismus des Elsässer vor 10 Jahren abwich, ist aus dieser Perspektive vollkommen gleichgültig. Das sind dann eben weitere Verrate der Außenwelt an unserer Gutmütigkeit, weitere Enttäuschungen, die unser Ausländer-Raus und unsere alternative Weltpolitik leider unumgänglich machen. Du kannst eine aktive Religion nicht durch Schrift-Exegese begreifen und so ist es auch mit Elsässers Wechselwirkung mit dem deutschen Protestklientel.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon schokoschendrezki » Mi 30. Mai 2018, 13:54

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(30 May 2018, 09:16)
Zweierlei Ausprägungen:
* Die da oben wollen die da draußen unsere Jobs machen lassen, schaffen unsere gute deutsche Arbeit ins Ausland für Einsparungen. Das dürfen die nicht, der Ausländer kann das nicht, wir haben ein Recht auf unsere deutschen Arbeitsplätze hier in Deutschland.(dominant ca 1995-2005)
* Die da oben wollen die da draußen für ihre Zwecke reinlassen, wollen uns verdrängen, verdünnen, ersetzen, zerstören unsere Kultur. Der Ausländer darf nicht rein, er ist nicht wie wir, er bringt rückschrittliche Kultur und Gewalt mit (vor allem 2005-heute)

Prägnant formuliert. Alle Achtung.

Einer der Artikel in Compact 05/18 (und wahrscheinlich inzwischen auch online verfügbar) ist mit "Widerstand! Was tun?" überschrieben und beinhaltet ein Gespräch Elsässers mit Götz Kubitschek. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Anspielung auf Lenins wichtigste Pulbikation "Что делать?" (Was tun?") bewusst gewählt wurde. In beidem geht es um das strategische und taktische Bündnis-Schmieden. Bei Lenin sollte durch ein Bündnis der Arbeiterklasse mit dem Bildungsbürgertum eine "Avantgarde des Proletariats" entstehen. Als Keimzelle einer "Partei neuen Typs". Bei Elsässer/Kubitschek gehts um ein Bündnis "Bosbach bis Bachmann" und Personen wie die (im Artikel abgebildete) Vera Lengsfeld sollen das "Bildungsbürgertum" dabei sein.

Und selbstverständlich ist der Syrien-Konflikt Thema in der Ausgabe. Gleich im Editorial: Putin befiehlt seinen Truppen in Syrien "Zurückhaltung". Und bewahrt die Welt vor einem Dritten Weltkrieg. Klar. Und natürlich ist auch die Skripal-Affäre und die Fußball-WM in Russland Thema.

Zu Skripal übrigens noch eine ziemlich absurde Randgeschichte. Maria Sacharowa, die Sprecherin des russischen Außenministeriums, konterte Vorwürfe gegen Russland in diesem Fall mit dem Gegenargument, schon die Ermordung des Wunderheilers und Zarenvertrauten Rasputin sei im Auftrag des britischen Außenministeriums erfolgt. Nun wurde gerade wieder die Autobiographie des damaligen britischen Gesandten George Buchanan veröffentlicht und besprochen. Hätte sie dort mal nachlesen sollen. http://www.deutschlandfunk.de/george-william-buchanan-meine-mission-in-russland.1310.de.html?dram:article_id=418742
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon unity in diversity » Di 5. Jun 2018, 14:55

https://www.idowa.de/inhalt.oesterreich ... b1000.html
Stammgast Putin in Östereich.
Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird von den Ereignissen überrollt.
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
Den Falschen und den Unsrigen.
Aus den USA
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » So 24. Jun 2018, 06:35

Die so unabhängige Justiz in Russland im Blickpunkt

https://www.lto.de/recht/hintergruende/ ... exekutive/


Es gibt keinen Brain Drain ?


https://ostexperte.de/brain-drain-russland/



Russlands Zentralbank dämpft Wachstumshoffnungen

https://ostexperte.de/russland-wirtschaft-juni-2018/
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Mo 25. Jun 2018, 14:47

Während der WM bricht Putin seine Versprechen.

Weiterhin eine negative Entwicklung bei den Löhnen, mehr Abgaben für die Rente.......ja Russland gehts gut

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... Preis.html
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Mo 25. Jun 2018, 14:55

Cobra9 hat geschrieben:(25 Jun 2018, 15:47)

Während der WM bricht Putin seine Versprechen.

Weiterhin eine negative Entwicklung bei den Löhnen, mehr Abgaben für die Rente.......ja Russland gehts gut

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... Preis.html

So lange die Tafel im Kreml sich biegt vor guten Sachen, hat Putin wenig Anlaß, da mal nachzufragen. Russland ist groß und der Zar ist weit, das gilt offenbar noch immer.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Everythingchanges » Mo 25. Jun 2018, 19:59

Cobra9 hat geschrieben:(25 Jun 2018, 15:47)

Während der WM bricht Putin seine Versprechen.

Weiterhin eine negative Entwicklung bei den Löhnen, mehr Abgaben für die Rente.......ja Russland gehts gut

https://www.welt.de/wirtschaft/article1 ... Preis.html


"Die Realeinkommen sind – zum ersten Mal in Putins Amtszeit – seit der Krim-Annexion im März 2014 bis zum Vorjahr vier Jahre in Folge gesunken. "
Seit dem steigen die wieder. Und zwar gar nicht mal so wenig https://tradingeconomics.com/russia/wage-growth

Interessant wird sein, ob Die Regierung die Rentenaltererhöhung "ruhig" durch bekommt.
Das wäre ein sehr großer Schritt in Richtung Anpassung an eine nachhaltige Struktur.
Dabei spielen aber einige Punkte zusammen. Einerseits brauchen die Russen Fachpersonal und die wachsen bei einer Arbeitslosenquote unter 5% nicht auf den Bäumen und andererseits steigt die Bezugsdauer der Rentner wegen der steigenden Lebenserwartung und natürlich sinken bleiben die Ausgaben für die Rente so stabil.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » Di 26. Jun 2018, 09:21

Everythingchanges hat geschrieben:(25 Jun 2018, 20:59)

"Die Realeinkommen sind – zum ersten Mal in Putins Amtszeit – seit der Krim-Annexion im März 2014 bis zum Vorjahr vier Jahre in Folge gesunken. "
Seit dem steigen die wieder. Und zwar gar nicht mal so wenig https://tradingeconomics.com/russia/wage-growth

Interessant wird sein, ob Die Regierung die Rentenaltererhöhung "ruhig" durch bekommt.
Das wäre ein sehr großer Schritt in Richtung Anpassung an eine nachhaltige Struktur.
Dabei spielen aber einige Punkte zusammen. Einerseits brauchen die Russen Fachpersonal und die wachsen bei einer Arbeitslosenquote unter 5% nicht auf den Bäumen und andererseits steigt die Bezugsdauer der Rentner wegen der steigenden Lebenserwartung und natürlich sinken bleiben die Ausgaben für die Rente so stabil.

Steigende Lebenserwartung in Russland? Nun, sie steigt tatsächlich langsam an. Auf eine Schwelle, bei der im Westen erst der Rentenbezug beginnt.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Di 26. Jun 2018, 09:34

Everythingchanges hat geschrieben:(25 Jun 2018, 20:59)

"Die Realeinkommen sind – zum ersten Mal in Putins Amtszeit – seit der Krim-Annexion im März 2014 bis zum Vorjahr vier Jahre in Folge gesunken. "
Seit dem steigen die wieder. Und zwar gar nicht mal so wenig https://tradingeconomics.com/russia/wage-growth

Interessant wird sein, ob Die Regierung die Rentenaltererhöhung "ruhig" durch bekommt.
Das wäre ein sehr großer Schritt in Richtung Anpassung an eine nachhaltige Struktur.
Dabei spielen aber einige Punkte zusammen. Einerseits brauchen die Russen Fachpersonal und die wachsen bei einer Arbeitslosenquote unter 5% nicht auf den Bäumen und andererseits steigt die Bezugsdauer der Rentner wegen der steigenden Lebenserwartung und natürlich sinken bleiben die Ausgaben für die Rente so stabil.


Sorry aber seit 2014 stagnieren viele Bereiche in Russland. Die Wirtschaft hat Putin bis heute nicht fit gemacht für Wettbewerb. Das rächt sich langfristig.
Russland tut auch wenig um was zu ändern.

Die Sanktionen seit Putins Krim-Annexion 2014 praktisch zum Alltag in Russland. Seitdem hat Russland der Welt immer wieder neue Gründe geliefert, die Sanktionen nicht nur beizubehalten, sondern sogar auszubauen. Von der opportunistischen Einmischung im Nahen Osten, über die Beeinflussung der Präsidentschaftswahlen in den USA,, Ukraine bis heute, Mh17..um nur einige Beispiele zu nennen. Das hat Folgen.

Dutzende Staaten haben eine klare und kompromisslose Haltung. Sie haben ihre Zusammenarbeit mit Russland massiv zurückgefahren und deutlich gemacht es reicht.

Internationale Finanzpolitik, Energiepolitik und Rüstungspolitik funktionieren auch ohne Russland als Partner. Wenn es sein muss, auch dauerhaft. Anzeichen für eine drastische Kursänderung gibt es jedenfalls nicht. Eher das Russland isoliert wird.


Russlands schleichende Katastrophe nimmt ihren Lauf und daran ändern Zahlenspielchen nix. Russland muss immer mehr Geld in seine Wirtschaft pumpen. Der Argrar Sektor schluckt viel Geld.

Putin lacht über die Sanktionen. Bitte soll Er.
Stimmt schon die Sanktionen des Westens können dem Kreml kurzfristig nur wenig anhaben. Doch je länger sie dauern, desto brutaler werden sie Russland treffen.


Warum in meinen Worten erklärt.Weil viele der unsichtbaren Sanktionen erst langsam ihre Wirkung entfalten und damit eine langfristige Bedrohung für die noch immer sowjetisch geprägte Wirtschaft darstellen.
Irgendwann für Putin auch.


Kurzfristig betrachtet ,sagen wir über die nächsten sechs Jahre ,werden die Sanktionen dem System Putin weiterhin als lästig und störend erscheinen. Gleichzeitig stellen sie keine ernsthafte Bedrohung für sein Machtgefüge dar. Wehe dem wo es realistisch sieht.

Der damaligen Minister für wirtschaftliche Entwicklungsarbeit, Alexej Uljukajew, widerspricht damals Putin, als dieser Sanktionen nur bis Ende 2018 voraussagte. Das bestätigen Menschen, die bei dem Treffen dabei waren. Uljukajew sitzt heute im Gefängnis.


Putin spielt auf Zeit und da ist Unruhe nicht gut. Interessant ist das der Kreml keine positive Entwicklung zeigt und relativ machtlos agiert.



Putin macht deutlich, dass der Kreml kein ernsthaftes Interesse daran zu haben scheint, weiteren Sanktionen aus dem Weg zu gehen. Der Kreml hat zu keinem Zeitpunkt eine Strategie entwickelt, um die Auswirkungen der Sanktionen auf die russische Wirtschaft und die Bevölkerung in irgendeiner Form abzufedern. Stattdessen müht sich eine Ad-hoc-Gruppe von Finanz- und Wirtschaftsexperten aus Putins engstem Zirkel nach jedem neuen Schlag ab, den sofortigen Niedergang der russischen Wirtschaft irgendwie zu verhindern. Selbst Kudrin muss helfen.

Aber was nehme so wahr ?


Die langfristigen Auswirkungen auf die russische Wirtschaft sind dramatisch realistisch. Die Verschlechterung nahezu aller relevanten Wirtschaftsfelder, die künstlich von dem Mantel der internationalen Bedrohungen verdeckt werden, ist die eigentliche Gefahr. Ich erkenne hier keine echte Verbesserung.
Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Everythingchanges » Di 26. Jun 2018, 10:41

zollagent hat geschrieben:(26 Jun 2018, 10:21)

Steigende Lebenserwartung in Russland? Nun, sie steigt tatsächlich langsam an. Auf eine Schwelle, bei der im Westen erst der Rentenbezug beginnt.


Auch der längste Weg beginnt mit dem ersten Schritt. ;)

Die Ziele sind bezüglich Lebenserwartung hochtrabend und ob das klappt, sehe ich eher skeptisch, aber eines ist sicher.
In westlichen Gefilden wurden Reformen ala spätere Rente in Sachen Stabilisierung des Rentensystems auch gegen Proteste umgesetzt.
Warum sollte so was dann in Russland der falsche Weg sein?
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Everythingchanges » Di 26. Jun 2018, 11:13

Cobra9 hat geschrieben:(26 Jun 2018, 10:34)

1.
Sorry aber seit 2014 stagnieren viele Bereiche in Russland. Die Wirtschaft hat Putin bis heute nicht fit gemacht für Wettbewerb. Das rächt sich langfristig.
Russland tut auch wenig um was zu ändern.

Die Sanktionen seit Putins Krim-Annexion 2014 praktisch zum Alltag in Russland. Seitdem hat Russland der Welt immer wieder neue Gründe geliefert, die Sanktionen nicht nur beizubehalten, sondern sogar auszubauen. Von der opportunistischen Einmischung im Nahen Osten, über die Beeinflussung der Präsidentschaftswahlen in den USA,, Ukraine bis heute, Mh17..um nur einige Beispiele zu nennen. Das hat Folgen.

2.
Dutzende Staaten haben eine klare und kompromisslose Haltung. Sie haben ihre Zusammenarbeit mit Russland massiv zurückgefahren und deutlich gemacht es reicht.

Internationale Finanzpolitik, Energiepolitik und Rüstungspolitik funktionieren auch ohne Russland als Partner. Wenn es sein muss, auch dauerhaft. Anzeichen für eine drastische Kursänderung gibt es jedenfalls nicht. Eher das Russland isoliert wird.

3.
Russlands schleichende Katastrophe nimmt ihren Lauf und daran ändern Zahlenspielchen nix. Russland muss immer mehr Geld in seine Wirtschaft pumpen. Der Argrar Sektor schluckt viel Geld.

Putin lacht über die Sanktionen. Bitte soll Er.
Stimmt schon die Sanktionen des Westens können dem Kreml kurzfristig nur wenig anhaben. Doch je länger sie dauern, desto brutaler werden sie Russland treffen.

4.
Warum in meinen Worten erklärt.Weil viele der unsichtbaren Sanktionen erst langsam ihre Wirkung entfalten und damit eine langfristige Bedrohung für die noch immer sowjetisch geprägte Wirtschaft darstellen.
Irgendwann für Putin auch.


Kurzfristig betrachtet ,sagen wir über die nächsten sechs Jahre ,werden die Sanktionen dem System Putin weiterhin als lästig und störend erscheinen. Gleichzeitig stellen sie keine ernsthafte Bedrohung für sein Machtgefüge dar. Wehe dem wo es realistisch sieht.

5.
Der damaligen Minister für wirtschaftliche Entwicklungsarbeit, Alexej Uljukajew, widerspricht damals Putin, als dieser Sanktionen nur bis Ende 2018 voraussagte. Das bestätigen Menschen, die bei dem Treffen dabei waren. Uljukajew sitzt heute im Gefängnis.


Putin spielt auf Zeit und da ist Unruhe nicht gut. Interessant ist das der Kreml keine positive Entwicklung zeigt und relativ machtlos agiert.

6.
Putin macht deutlich, dass der Kreml kein ernsthaftes Interesse daran zu haben scheint, weiteren Sanktionen aus dem Weg zu gehen. Der Kreml hat zu keinem Zeitpunkt eine Strategie entwickelt, um die Auswirkungen der Sanktionen auf die russische Wirtschaft und die Bevölkerung in irgendeiner Form abzufedern. Stattdessen müht sich eine Ad-hoc-Gruppe von Finanz- und Wirtschaftsexperten aus Putins engstem Zirkel nach jedem neuen Schlag ab, den sofortigen Niedergang der russischen Wirtschaft irgendwie zu verhindern. Selbst Kudrin muss helfen.

Aber was nehme so wahr ?

7.
Die langfristigen Auswirkungen auf die russische Wirtschaft sind dramatisch realistisch. Die Verschlechterung nahezu aller relevanten Wirtschaftsfelder, die künstlich von dem Mantel der internationalen Bedrohungen verdeckt werden, ist die eigentliche Gefahr. Ich erkenne hier keine echte Verbesserung.


1.
Die haben stagniert oder sind zurückgegangen.
Seitdem die Krise (sprich Wirtschaftsschrumpfung) zu Ende ging, deuten die Parameter ist sehr vielen Bereichen nach oben.
Und das trotz dieser Sanktionen.

2.
Und die weichen diese Haltung aktuell ohne Lösung wieder auf bzw. haben keine Problem damit ihre Haltungen auf anderen gebieten quasi ohne Belastung ala Krim und Co so zu gestalten, dass mehr Handel usw ermöglicht wird. Sicher gibt es Felder, wo man Russland nicht braucht, aber das liegt vor allem daran, dass Russland da nie ein großes Licht war.
Internationaler Kapitalmarkt oder Klima sind Paradebeispiele dafür. Und Rüstung wird man gerade in der EU immer mit Blick auf Russland betreiben.
Seit Steinmeier es aufgebracht hat, versucht man ja sowas wie eine europ. Rüstungskontrolle (also inkl. Russland) ins Leben zu rufen. Das wird imo nur durch Fragen von NATO bzw. Verträgen zw. Russland und USA überlagert.

3.
Das ist ebenfalls ein Sydrom, dass alle Welt betrifft.

Die Zentralbanken der westlichen Welt haben die Welt auf Gelddroge gesetzt und die Staaten werden das weiter tun, wenn die Zentralbanken ihren Stimulus zurückfahren.
Der große Unterschied besteht in der Wirkung dieser Gelder.
Wenn Russland aktuell einen Rubel ins System pumpt, kommt mehr als ein Rubel Wirtschaftskraft dabei raus. (In Dtl. funktioniert das imo auch und auch hier steigen die Subventionen an)
Aber in den meisten Staaten liegen die BIP-Steigerungen unter der Neuverschuldung, was darauf hinweist, dass die Staatsausgaben nicht für nachhaltige Wirtschaftskraft sorgen.

4.
Das ist durchaus möglich. Die Zeit wird es zeigen.
MMn ist es umso leichter sich an Sanktionen anzupassen, je länger deren Wirkhorizont sein soll.


5.
Ich hatte diese Prognose von anderen schon mit Ende 2016 bis Mitte 2017 irgendwo gelesen. Passte nicht, aber ein Grund ist dabei auch, dass die Russen ihre Sanktionen auch als Förderung heimischer Unternehmen verstehen und daher eine Lobby diese nicht loswerden will.
Ist eben das Surfen auf einer Klinge. Das gilt natürlich auch für die Russen.

6.
Die fahren eine Lokalisierungskampane nach der nächsten.
Die Strategien brauchen natürlich ihre Zeit, aber die sitzen bestimmt nicht einfach rum um warten ob die irgendwann plötzlich zusammenbrechen.
Es gibt ein paar Symbole, die das verdeutlichen, aber die Entwicklung dauert sicher länger als 2-3 Jahre.

7.
Welche Felder haben sich denn verschlechtert, seit die Krise überwunden wurde?
Das läuft dort in den meisten Bereichen wie nach (Wirtschafts)Bilderbuch.
Der Staat liefert den Stimulus für Schlüsselbranchen und Export und dann steigen die Löhne, dann der Konsum und stabilisiert das Wachstum.

Man kann gerne darüber diskutieren, ob es mit einem Wachstum von 1,x% nicht ein wenig knapp ist (würde ich sogar zustimmen), aber "Verschlechterung nahezu aller relevanten Wirtschaftsfelder"?
Es gibt da sogar sowas: https://www.roedl.de/themen/doing-busin ... g-russland
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Cobra9 » Fr 29. Jun 2018, 20:51

1.
Die haben stagniert oder sind zurückgegangen.
Seitdem die Krise (sprich Wirtschaftsschrumpfung) zu Ende ging, deuten die Parameter ist sehr vielen Bereichen nach oben.
Und das trotz dieser Sanktionen.



Möp falsch. Landwirtschaft ist gewachsen, finanziert durch Rentengelder. Tolles Wachstum real. Die Russische Wirtschaft ist nach vor veraltet.

Während Putins erster Regierungszeit (2000-2008) erlebte Russland ein starkes Wirtschaftswachstum und eine drastische Verbesserung der Lebensqualität. Das lag zwar nicht an der Wirtschaftspolitik von Putin, sondern an den hohen Ölpreisen - jedoch schreiben viele in Russland die Erfolge dem Präsidenten zu.

Es war aber der Ölpreis.


Es gibt keine Gründe, von einem langfristigen Wirtschaftswachstum zu sprechen, obwohl es einige makroökonomische Gründe gibt, die zu einer Verbesserung der Wirtschaftslage in Russland führen. Beispielsweise der höhere Ölpreis, die gesunde Politik der Zentralbank und der damit verbundene Rückgang der Inflation. Dennoch sind die fundamentalen Probleme des Landes nicht gelöst. Ohne starke rechtsstaatliche Institutionen, Verminderung der Korruption und stabile und planbare Zukunftsaussichten sind die russischen Unternehmen nicht bereit, Investitionen vorzunehmen. Russland befindet sich nach wie vor in einer langfristigen Stagnation, die jedoch kurzfristige Verbesserungen der Wirtschaftslage nicht ausschließt.


Für Entwicklung fehlt das Geld

Für eines der größten Hemmnisse der Entwicklung hält Wirtschaftsanalytiker Michail Chasin die "absolut schaurige Demonetarisierung" der Wirtschaft. "Es herrscht ein Defizit an Geld, die Zinssätze für Kredite sind hoch."

Die Sanktionen haben Banken und Unternehmen vom billigen Geld im Ausland abgeschnitten, erklärt die Politikwissenschaftlerin Jewgenija Albats. Dadurch sei eine "Bankrott-Kette" in Gang gesetzt worden. Unternehmen müssten sich überteuertes Geld bei den Inlandsbanken leihen und könnten es später nicht zurückzahlen. Als Folge gingen die Unternehmen und die Banken in Konkurs. Für die letzteren hält dieser Trend seit langem an: Seit 2008 ist die Anzahl der Banken in Russland um die Hälfte geschrumpft.

https://www.tagesschau.de/ausland/russl ... t-107.html

2.
Und die weichen diese Haltung aktuell ohne Lösung wieder auf bzw. haben keine Problem damit ihre Haltungen auf anderen gebieten quasi ohne Belastung ala Krim und Co so zu gestalten, dass mehr Handel usw ermöglicht wird. Sicher gibt es Felder, wo man Russland nicht braucht, aber das liegt vor allem daran, dass Russland da nie ein großes Licht war.
Internationaler Kapitalmarkt oder Klima sind Paradebeispiele dafür. Und Rüstung wird man gerade in der EU immer mit Blick auf Russland betreiben.
Seit Steinmeier es aufgebracht hat, versucht man ja sowas wie eine europ. Rüstungskontrolle (also inkl. Russland) ins Leben zu rufen. Das wird imo nur durch Fragen von NATO bzw. Verträgen zw. Russland und USA überlagert.


Russland ist kein elementares Element für wirtschaftliche Belange und das die russ. Wirtschaft nur bei der Energie wichtig ist belegen Zahlen.

Russland muss ja Benzin Importe zulassen weil man selbst keine Kapazitäten hat :p Running Gag



3.
Das ist ebenfalls ein Sydrom, dass alle Welt betrifft.

Die Zentralbanken der westlichen Welt haben die Welt auf Gelddroge gesetzt und die Staaten werden das weiter tun, wenn die Zentralbanken ihren Stimulus zurückfahren.
Der große Unterschied besteht in der Wirkung dieser Gelder.
Wenn Russland aktuell einen Rubel ins System pumpt, kommt mehr als ein Rubel Wirtschaftskraft dabei raus. (In Dtl. funktioniert das imo auch und auch hier steigen die Subventionen an)
Aber in den meisten Staaten liegen die BIP-Steigerungen unter der Neuverschuldung, was darauf hinweist, dass die Staatsausgaben nicht für nachhaltige Wirtschaftskraft sorgen.


Falsch. Russland hat zuviel Ausgaben und ist in einer Abhängigkeit vom Ölpreis gefangen. Danach richtet sich alles. Das Russland hier Probleme hat ist erkennbar.

Holländische Krankheit nennt man es

http://m.spiegel.de/wirtschaft/unterneh ... 98313.html


5.
Ich hatte diese Prognose von anderen schon mit Ende 2016 bis Mitte 2017 irgendwo gelesen. Passte nicht, aber ein Grund ist dabei auch, dass die Russen ihre Sanktionen auch als Förderung heimischer Unternehmen verstehen und daher eine Lobby diese nicht loswerden will.
Ist eben das Surfen auf einer Klinge. Das gilt natürlich auch für die Russen.

6.
Die fahren eine Lokalisierungskampane nach der nächsten.
Die Strategien brauchen natürlich ihre Zeit, aber die sitzen bestimmt nicht einfach rum um warten ob die irgendwann plötzlich zusammenbrechen.
Es gibt ein paar Symbole, die das verdeutlichen, aber die Entwicklung dauert sicher länger als 2-3 Jahre.

7.
Welche Felder haben sich denn verschlechtert, seit die Krise überwunden wurde?
Das läuft dort in den meisten Bereichen wie nach (Wirtschafts)Bilderbuch.
Der Staat liefert den Stimulus für Schlüsselbranchen und Export und dann steigen die Löhne, dann der Konsum und stabilisiert das Wachstum.

Man kann gerne darüber diskutieren, ob es mit einem Wachstum von 1,x% nicht ein wenig knapp ist (würde ich sogar zustimmen), aber "Verschlechterung nahezu aller relevanten Wirtschaftsfelder"?
Es gibt da sogar sowas: https://www.roedl.de/themen/doing-busin ... g-russland

[/quote]


Heil Putin ist angekommen.Aber die Probleme sind real

Entweder Russland kriegt die Kurve bei neuen Quellen oder hat Probleme
http://www.google.de/search?q=erd%C3%B6 ... rt=10&sa=N
https://de.rbth.com/wirtschaft/2017/03/ ... hen_731129
Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon unity in diversity » So 1. Jul 2018, 13:38

Diktator Trump trifft sich am 16. Juli mit seinem zweitwichtigsten Klassenfeind in Helsinki:
https://www.deutschlandfunk.de/usa-und- ... _id=897859
Für jedes Problem gibt es zwei Lösungsansätze:
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Ivan Iljin - und warum man ihn kennen sollte.

Beitragvon Europa2050 » So 1. Jul 2018, 13:39

Ivan Iljin ist erstmal ein historischer russischer Philosoph

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Iwan_Al ... tsch_Iljin

Er bewunderte Mussolini, den er als „genügend männliches“ Vorbild für den kommenden russischen Erlöser sah und dankte „Hitler, dem Führer, der Europa mit der Verhinderung weiterer Revolutionen nach russischem Modell gedient habe“.

An sonsten das Übliche:
- ein Erlöser, der das russische Volk von allem Übel befreie
- Juden und Homosexuelle untergraben das Volk, im dekadenten Westen haben sie‘s schon geschafft
- 1917 hat dem russischen Volk der passende Führer gefehlt, deshalb konnte der dekadente Westen die UdSSR installieren
- alles Gute kommt aus der Gemeinschaft, alles Schlechte vom Individuum
- der Staat ist der wirksame Organismus, die Menschen sind nur abhängige Körperteile

... und so weiter.

Wäre jetzt nicht weiter schlimm, ein 20er/30er-Jahre-Faschist wie ihn fast jedes Volk damals kannte, der nach dem Scheitern des Faschismus 1954 relativ unbekannt in der Schweiz starb. Weder im Westen, noch in der UdSSR interessierte sich jemand für ihn, aber ...
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
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Ivan Iljins Comeback

Beitragvon Europa2050 » So 1. Jul 2018, 13:56

... plötzlich wurde er wieder entdeckt und machte posthum Karriere, wie kein anderer der damaligen faschistischen Vordenker.

Nikita Michalkow, ein Bewunderer Iljins sorgte dafür, dass Iljin 2005 von einem einfachen Grab in der Schweiz in eine orthodoxe Grabstätte für NKWD-Opfer umgebettet wurde, mit allem Pomp und der russischen Nationalhymne, gespielt von einer Militärkapelle.
Und 2009, als Putin selbst Blumen an sein Grab brachte war Iljin entgültig rehabilitiert.
Doch nicht nur sein Andenken erfuhr Rehabilitation. Auch seine Werke:
Am 23.01.12 erläuterte Putin in einem Artikel sein positives Verständnis von Iljins Staatsverständnis und benannte Iljin als größten historischen Denker Russlands...

Deswegen macht es durchaus Sinn, sich mit Iljin zu beschäftigen, wenn man „Russlandversteher“ werden will.

Auch wenn man vor dem Lesen nicht zu viel gegessen haben sollte, es könnte nochmal vorbei kommen ...
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon zollagent » So 1. Jul 2018, 15:10

unity in diversity hat geschrieben:(01 Jul 2018, 14:38)

Diktator Trump trifft sich am 16. Juli mit seinem zweitwichtigsten Klassenfeind in Helsinki:
https://www.deutschlandfunk.de/usa-und- ... _id=897859

NOCH ist er kein Diktator. Er wäre es sicher gern, hat sich ja auch schon so geäußert, aber nicht alle Wünsche gehen in Erfüllung.
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Re: Blick nach Russland Sammelstrang

Beitragvon Sole.survivor@web.de » So 1. Jul 2018, 21:00

unity in diversity hat geschrieben:(05 Jun 2018, 15:55)

https://www.idowa.de/inhalt.oesterreich ... b1000.html
Stammgast Putin in Östereich.
Wer die Zeichen der Zeit nicht erkennt, wird von den Ereignissen überrollt.

Kurz nach dem Rechten schauen ist in Österreich nie verkehrt. Österreich und Russland sind in der Iranfrage auf einer Linie, auch was Migration betrifft, gibt es da viel Einigkeit. Freilich erfüllt Österreich seine EU-Aufgaben als Mitglied, das ist und bleibt Grundlage für die Gespräche.
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