Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforderung

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King Kong 2006
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Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforderung

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 09:49

Das Kaspische Meer ist der größte See der Erde. Seine Anrainer sind Russland, Kasachstan, Turmenistan, Iran und Aserbaidschan.

In dieser Region gibt es erhebliche Energieressourcen, weshalb es immer im Blickpunkt regionaler und seit jüngster Zeit überregionaler Akteure war und ist. Wem gehören sie und wie werden sie wohin abgeführt? Zudem ist die Region immer noch Brennpunkt ethnischer, religiöser und geostrategischer Krisen und Entwicklungen.

Reserven und Produktion

In und um das Kaspische Meer lagern enorme Mengen an Erdöl und Erdgas. Geologen vermuten 50 Milliarden Barrel Erdöl auf dem Grund und an den Küsten des Kaspischen Meeres. Optimistische Schätzungen gehen von bis zu 100 Milliarden Barrel aus. Die Erdgasreserven in den Vereinigten Staaten werden auf 7,71 Billionen m³ und die des größten Erdgasfeldes der Welt, dem North Field-South Pars (Qatar und Iran) auf 33,4 Billionen m³ geschätzt. Im turkmenischen Teil des Meeres liegen mehr als 7,5 Billionen m³ Gas.[9]

https://de.wikipedia.org/wiki/Erdölförderung_am_Kaspischen_Meer


Der völkerrechtliche Status ist nicht gänzlich geklärt.

Völkerrechtlicher Status

Der internationale Status des Kaspischen Meeres ist bis heute nicht endgültig geklärt. Deshalb wurde von den Anrainerstaaten, Aserbaidschan, Iran, Kasachstan, Russland und Turkmenistan 1992 die Kooperationsgemeinschaft Kaspischer Staaten gegründet. Ziel ist ein Abkommen zum Schutze und zur Nutzung des Kaspischen Meeres.

Vor diesem Schritt gab es nur zwei gültige Verträge aus den Jahren 1921 und 1940 zwischen dem Iran und der Sowjetunion zur Regelung der Schifffahrt und der Fischerei. In ihnen wurde das Kaspische Meer als Binnengewässer mit dem Recht der gemeinsamen Nutzung definiert.

Die neuen Anrainer Aserbaidschan, Kasachstan und Turkmenistan sehen darin für sich eine Benachteiligung und möchten, dass das Kaspische Meer als internationales Gewässer behandelt wird. Hintergrund dieser Forderungen sind vor allem die Förderrechte für Erdöl und Erdgas.

Käme es zu jenem Status, den Russland und der Iran favorisieren, würde es zu einer Aufteilung der Bodenschätze unter den Anrainern zu gleichen Teilen kommen. Käme jedoch – entsprechend der überwiegenden Meinung der Völkerrechtler – das internationale Seerechtsabkommen von 1994 zur Geltung, hätte jeder Anrainer das alleinige Recht der Ausbeutung seiner Zone. Unterstützung finden die drei neuen Anrainerstaaten durch die westlichen Staaten und deren Mineralölkonzerne, die keine Beteiligung Russlands oder des Irans möchten. Die Staaten konnten sich bis heute nicht einigen, bei der Erschließung neuer Erdölfelder sind sich die neuen Staaten mittlerweile auch nicht mehr einig.

https://de.wikipedia.org/wiki/Kaspisches_Meer


In dieser Frage sind sich Moskau und Teheran relativ nahe. Zumal sie in der Region sicherheitspolitisch zusammenarbeiten um das Einsickern von salafistisch-wahabitschen Islamisten zu verhindern. Muslimische Kämpfer aus der Kaukasusregion sind bei dem IS und in Afghanistan vertreten. Symbolhaft für diese Zusammenarbeit sind die militärischen Besuche und Manöver zwischen Russland und dem Iran in den jeweiligen Häfen des anderen im Kaspischen Meer.

Iran, Russia stage joint naval exercise

Drill in Caspian Sea comes during 3-day visit by Russian warships to northern Iranian port
http://www.timesofisrael.com/iran-russi ... excercise/


Zwischen allen Anrainerstaaten wurde eine Sicherheitsabkommen unterzeichnet, in dem Punkte wie organisierte Kriminalität, Menschenhandel, Terrorismus, Waffenhandel uvm. behandelt wurden. Auch sollen darin Klauseln enthalten sein, die untersagen, daß von einem Territorium eines der unterzeichneten Staaten eine "Agression" (auch durch Dritte) gegenüber den Anderen gestartet werden soll. Da sind wir beim nächsten Punkt. :)

Die NATO bietet sich schon einmal an, eine der vielen geplanten Transportrouten für die Energiereserven, hier Erdgas, zu schützen.

NATO: We'll Help Protect Trans-Caspian Pipeline

August 4, 2015

NATO could get involved in protecting a potential trans-Caspian gas pipeline, which Russia strongly opposes, an alliance official has said.

http://www.eurasianet.org/node/74516


Die Sicherheit Europas wird ja noch weiter weg, am Hindukusch, verteidigt. Warum nicht auch schon näher beim Kaspischen Meer? Das würde natürlich bedeuten, daß die NATO dort vertreten ist. Moskau voran, sicher gefolgt von Teheran sind nicht begeistert. Die Region beinhaltet viele Chancen für die Anrainer und darüberhinaus und viel Sprengkraft.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon HugoBettauer » Mo 17. Aug 2015, 11:36

Warum sollte man den Russen ihr Meer wegnehmen? Was haben wir davon?
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon BATA » Mo 17. Aug 2015, 12:12

Das Mittelmeer bietet auch hervorragende Chancen die Sicherheit Russlands und des Irans zu verbessern. EU und USA wären auch nicht so begeistert.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 12:24

SoleSurvivor » Mo 17. Aug 2015, 12:36 hat geschrieben:Warum sollte man den Russen ihr Meer wegnehmen? Was haben wir davon?


So, wie ich es verstehe, geht es speziell bei der Frage der fossilen Energie, also Erdöl und Erdgas darum, daß wie in meinem Eingangspost angerissen, je nach Einteilung der Hoheitsrechte im Kaspischen Meer Staaten wie Kasachstan, aber vor allen Dingen Aserbaidschan und Turkmenistan sehr viel davon zugesprochen bekommen. Die USA voran würden das aus geostrategischen Gründen favorisieren. Auch könnte das Kaspische Meer als Transit (Unterwasserpipeline) zwischen der innerasiatischen Landmasse und Europa fungieren. Sonst geht es nur über China, oder über Russland, oder über den Iran. Der Iran arbeitet unter Hochdruck an Projekten die Rohstoffe über sein Gebiet abtransportieren zu können. Indien favorisiert das. Russland weniger. Je nachdem ob die USA und sich Iran annähern können, könnte dieser auch die Alternative zu Russland sein.

Kurzum es ist im "Interesse" soviel wie es geht den Russen "wegzunehmen", um souveräner an die Rohstoffe am und um das Kaspische Meer zu kommen. Sowie Innerasiens.

Great Game
https://upload.wikimedia.org/wikipedia/ ... itical.jpg

Ansonsten könnte müßte man auf russische Befindlichkeiten Rücksicht nehmen, wenn diese ihre fast Monopolstellung für die Region behalten können. Das was Russland sukzessiv in Osteuropa, im Baltikum, im Falle der Ukraine verloren hat, setzte sich im Kaukasus fort (Georgien, Abchasien) und in der Region Kaspisches Meer.

Natürlich kann man sich die Frage stellen, ob dahinter ein sinistrer Plan steckt, der nur darauf abgestimmt ist Russland fertig zu machen. Das Auseinanderbrechen der Sowjetunion/GUS ist kein künstlicher Prozess, auch wenn viele daran herumwerkeln. Sondern vermutlich eher eine natürliche Entwicklung. Was man aber sicher sagen kann ist, daß es aus Sicht der USA nicht schaden kann, wenn Gegner kleiner werden. Gilt auch für das Kaspische Meer und Russland.

Caspian Sea Could Be Key To Russian Control Of Eurasian Energy Markets
http://oilprice.com/Energy/Energy-Gener ... rkets.html


Aus russischer Sicht muß man die USA von dort fernhalten und den Iran nicht als Alternativroute entstehen lassen. Geostrategisch aus Sicht der USA und teilweise Europas, wäre es im Interesse, daß sich die Region von den Transportwegen diversifiziert. Das wird aber alles nicht ohne Funkensprühen möglich sein.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 12:32

BATA » Mo 17. Aug 2015, 13:12 hat geschrieben:Das Mittelmeer bietet auch hervorragende Chancen die Sicherheit Russlands und des Irans zu verbessern. EU und USA wären auch nicht so begeistert.


Im kleinen Rahmen demonstriert Russland das auch. Und in ganz kleinen Rahmen auch der Iran. Siehe die russische Marinebasis im syrischen Tartus und iranische Kriegsschiffe durch den Suez vor einiger Zeit in Richtung Syrien. Das hat aber praktisch keine strategische Bedeutung.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon BATA » Mo 17. Aug 2015, 12:49

Kurzum es ist im "Interesse" soviel wie es geht den Russen "wegzunehmen", um souveräner an die Rohstoffe am und um das Kaspische Meer zu kommen. Sowie Innerasiens.


Napoleon wollte den Russen was wegnehmen. Ergebnis: Russische Militärparade in Paris.
Hitler wollte den Russen was wegnehmen. Ergebnis: Russische Militärparade in Berlin.

brauchen wir eine russische Militärparade in Washington?
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon HugoBettauer » Mo 17. Aug 2015, 13:03

King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 12:24 hat geschrieben:Kurzum es ist im "Interesse" soviel wie es geht den Russen "wegzunehmen", um souveräner an die Rohstoffe am und um das Kaspische Meer zu kommen. Sowie Innerasiens.


Ich sehe da die Möglichkeit, der Welt jede Menge Ärger zu bescheren ohne dass wir hinterher mehr Rohstoffe hätten als wenn wir sie Russland belassen. Lohnt sich für uns nicht. Wenn die Amerikaner einen weiteren Teil der Welt ins Chaos stürzen wollen, können sie das ja diesmal ohne uns machen.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 13:05

BATA » Mo 17. Aug 2015, 13:49 hat geschrieben:
Napoleon wollte den Russen was wegnehmen. Ergebnis: Russische Militärparade in Paris.
Hitler wollte den Russen was wegnehmen. Ergebnis: Russische Militärparade in Berlin.

brauchen wir eine russische Militärparade in Washington?


Nun ja, das Problem was Napoleon und Hitler hatten war, daß sie es direkt und persönlich versucht haben. Und ihrer beider Schicksale mit dem bezwingen des asiatischen Barbaren zum Wohle der europäischen Kultur, wie sie meinten, verknüpften. Die USA - ohne diese mit den beiden in der Form zu vergleichen - haben andere Instrumente. Die gehen sicher nicht mit Heeresgruppen am Boden wie Napoleon und Hitler an die Sache. :D

Das würde auch nicht gute gehen, auch wenn es zu bezweifeln wäre, daß es eine russische Parade in Washington gäbe.

Heutezutage ist man asymmetrisch erfolgreicher als in einem nationalstaatlichen-, oder Volkskrieg. Russland, bzw. die Einflußzone der ehemaligen Sowjetunion baut sukzessiv ab. Die USA müssen nicht viel tun.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 13:08

SoleSurvivor » Mo 17. Aug 2015, 14:03 hat geschrieben:
Ich sehe da die Möglichkeit, der Welt jede Menge Ärger zu bescheren ohne dass wir hinterher mehr Rohstoffe hätten als wenn wir sie Russland belassen. Lohnt sich für uns nicht. Wenn die Amerikaner einen weiteren Teil der Welt ins Chaos stürzen wollen, können sie das ja diesmal ohne uns machen.


Das ist das klassische Dilemma Europas. Zu Zeiten des Irakkriegs anno 2003 mündete dies in die rethorische Formulierung des "alten" und "neuen Europas" unter Bush. "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns."
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon HugoBettauer » Mo 17. Aug 2015, 13:15

King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 13:08 hat geschrieben:
Das ist das klassische Dilemma Europas. Zu Zeiten des Irakkriegs anno 2003 mündete dies in die rethorische Formulierung des "alten" und "neuen Europas" unter Bush. "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns."

Ein Resourcenkrieg, in dem für uns keine Landgewinne anstehen, ist nicht in unserem Interesse. Es ist allemal billiger, einen Aufschlag auf die Preise dafür zu zahlen, dass die Dinge stabil bleiben als den Preis fürs zerschlagen und wiederaufbauen und das jahrzehntelange pampern der übriggebliebenen "Siegerfraktion" zu zahlen.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 13:23

SoleSurvivor » Mo 17. Aug 2015, 14:15 hat geschrieben:Ein Resourcenkrieg, in dem für uns keine Landgewinne anstehen, ist nicht in unserem Interesse. Es ist allemal billiger, einen Aufschlag auf die Preise dafür zu zahlen, dass die Dinge stabil bleiben als den Preis fürs zerschlagen und wiederaufbauen und das jahrzehntelange pampern der übriggebliebenen "Siegerfraktion" zu zahlen.


Das zerschlagen und dann mal gucken, was passiert (wird auf jeden Fall besser sein, als vorher - so die Annahme) ist die klassische Neocon-Strategie. Alternativ wäre eine "Transformation" durch diplomatischen und wirtschaftlichen Druck möglich. Auf jedenfall ist diese Region ein heißes Eisen, das durch wirtschaftliche Unruhe schnell zu einem Pulverfaß werden kann. Mit Exportgarantie. Und da es direkter Hinterhof Russlands und Irans ist, bleiben diese da nicht relaxt. Leider ist die Region wirtschaftlich zu bedeutsam, als das die Industrienationen das ignorieren könnten. Dennoch scheint es so zu sein, daß bis dato die USA sich der Taktik bedienen, wie du sie beschrieben hast und eher indirekt Russland durch Aserbaidschan voran ausbooten wollen. Sprichwörtlich.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon HugoBettauer » Mo 17. Aug 2015, 13:28

King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 13:23 hat geschrieben:
Das zerschlagen und dann mal gucken, was passiert (wird auf jeden Fall besser sein, als vorher - so die Annahme) ist die klassische Neocon-Strategie. Alternativ wäre eine "Transformation" durch diplomatischen und wirtschaftlichen Druck möglich. Auf jedenfall ist diese Region ein heißes Eisen, das durch wirtschaftliche Unruhe schnell zu einem Pulverfaß werden kann. Mit Exportgarantie. Und da es direkter Hinterhof Russlands und Irans ist, bleiben diese da nicht relaxt. Leider ist die Region wirtschaftlich zu bedeutsam, als das die Industrienationen das ignorieren könnten.

Wir wollen die Rohstoffe. Uns kann es egal sein, von wem wir sie kaufen - solange wir dazu nicht teure und langwierige Quasikriege führen müssen, denn das versaut jede Bilanz. Den Amerikanern nota bene ist die vorübergehende Verhinderung von Öl- und Gasexporten aus diesen Regionen kein schwerwiegendes Problem, weshalb sie sich für die Schwierigkeit, dort hinterher auch noch Geschäfte zu machen, nur nachrangig interessieren. Von der Schwierigkeit, dort nachher noch irgendwie ein Leben zu bestreiten, schweigen wir mal lieber.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon BATA » Mo 17. Aug 2015, 17:05

King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 14:05 hat geschrieben:Die USA - ohne diese mit den beiden in der Form zu vergleichen - haben andere Instrumente. Die gehen sicher nicht mit Heeresgruppen am Boden wie Napoleon und Hitler an die Sache. :D


Sondern die USA würden die Russen genauso ineffektiv bekämpfen wie sie die IS erfolglos versuchen zu bekämpfen?

Heutezutage ist man asymmetrisch erfolgreicher als in einem nationalstaatlichen-, oder Volkskrieg. Russland, bzw. die Einflußzone der ehemaligen Sowjetunion baut sukzessiv ab. Die USA müssen nicht viel tun.


Die USA müssen vor allem erstmal eine saubere Unterhose besorgen.

http://www.thedailybeast.com/articles/2 ... putin.html


Das würde auch nicht gute gehen, auch wenn es zu bezweifeln wäre, daß es eine russische Parade in Washington gäbe.


kleiner Vorgeschmack: Russische Siegesparade in Washington
https://www.youtube.com/watch?v=PX6AVsbW4iI
Zuletzt geändert von BATA am Mo 17. Aug 2015, 17:06, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon palulu » Mo 17. Aug 2015, 17:27

Russland wird nichts unternehmen, was Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan in die Arme des Westen treiben würde oder ihrer Stellvertreterin, der Türkei. Die Punkte, die Du aufgezählt hast, stellen zudem keine Besonderheit zwischen Iran und Russland dar. In diesen Bereichen würden alle Anrainer zusammenarbeiten, was bereits geschieht. Aserbaidschan befolgt eine pro-westliche Politik mir dezidierter Rücksichtnahme auf russische Interessen in gewissen Bereichen, was in hiesigen Medien gerne vergessen wird.

An der Gesamtsituation wird sich nichts verändern in den nächsten Jahren, m.E.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Mo 17. Aug 2015, 18:15

Der Nord-Süd Korridor (NSTC) ist ein Transportweg, der Entlang des Kaspischen Meeres quasi als Zentrum führt und viele Staaten umfasst. Nicht nur, daß er sprichwörtlich die Staaten miteinander verbindet, da es vonnöten macht die Transportwege, zu Lande (auch Eisenbahn) und zu Wasser (Häfen) miteinander zu vernetzen und auszubauen, auch wird viel Geld eingespart.

North–South Transport Corridor

The International North–South Transport Corridor is the ship, rail, and road route for moving freight between India, Russia, Iran, Europe and Central Asia. The route primarily involves moving freight from India, Iran, Azerbaijan and Russia via ship, rail and road.[1] The objective of the corridor is to increase trade connectivity between major cities such as Mumbai, Moscow, Tehran, Baku, Bandar Abbas, Astrakhan, Bandar Anzali and etc.[2] Dry runs of two routes were conducted in 2014, the first was Mumbai to Baku via Bandar Abbas and the second was Mumbai to Astrakhan via Bandar Abbas, Tehran and Bandar Anzali. The objective of the study was to identify and address key bottlenecks.[3][4] The results showed transport costs were reduced by "$2,500 per 15 tons of cargo".[5] Other routes under consideration include via Armenia, Kazakhstan and Turkmenistan.

Objectives

Mumbai is the Southern hub on the NSTC

Bandar Abbas is a major port on the NSTC

Moscow is the Northern hub on the NSTC

The primary objective of the NSTC project is to reduce costs in terms of time and money over the traditional route currently being used.[6][7][8][9] Analysts predict by having improved transport connectivity between Russia, Central Asia, Iran and India their respective bilateral trade volumes will increase.[10][11][12][13] A study conducted by the Federation of Freight Forwarders’ Associations in India found the route is, "30% cheaper and 40% shorter than the current traditional route".[14][15] Analysts predict the corridor is likely to increase trade connectivity between major cities such as Mumbai, Moscow, Tehran, Baku, Bandar Abbas, Astrakhan, Bandar Anzali and etc.[16]

History

Russia, Iran and India signed the agreement for the NSTC project on the 16th of May 2002.[17][18] All three countries are founding member states on the project. Other important member states include Azerbaijan, Armenia, Kazakhstan and Belarus with other states having varying levels of involvement.[19] Azerbaijan and Armenia are heavily involved in the project with both countries currently building new train lines and roads to complete missing links in the NSTC.[20] Turkmenistan currently is not a formal member but is likely to have road connectivity to the corridor.[21] Prime Minister Modi during a state visit to Turkmenistan formally invited it to become a member state on the project, "I also proposed that Turkmenistan becomes a member of the International North South Transport Corridor."[22]

https://en.wikipedia.org/wiki/North–South_Transport_Corridor
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon von Grimm » Mo 17. Aug 2015, 18:44

palulu » Mo 17. Aug 2015, 18:27 hat geschrieben:Russland wird nichts unternehmen, was Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan in die Arme des Westen treiben würde oder ihrer Stellvertreterin, der Türkei. Die Punkte, die Du aufgezählt hast, stellen zudem keine Besonderheit zwischen Iran und Russland dar. In diesen Bereichen würden alle Anrainer zusammenarbeiten, was bereits geschieht. Aserbaidschan befolgt eine pro-westliche Politik mir dezidierter Rücksichtnahme auf russische Interessen in gewissen Bereichen, was in hiesigen Medien gerne vergessen wird.

An der Gesamtsituation wird sich nichts verändern in den nächsten Jahren, m.E.


Danke Palulu.
Die Anrainer werden sich einigen.
Eine Einmischung von Außen wird man nicht akzeptieren.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » Do 20. Aug 2015, 17:48

Russische Außenpolitik in der Region.

Eine neu konfigurierte und angepasste S-300 Version wird geliefert.

Russia & Iran reach agreement on S-300 air defense systems delivery – deputy foreign minister

https://www.rt.com/news/312804-russia-i ... -delivery/


Die kleine russische Flotille, ist nach dem Iran noch in Aserbaidschan angekommen.

Russian navy fleet docks at Azerbaijani coasts

In Baku, commanders and personnel of the warships will visit national leader Heydar Aliyev`s grave at the Alley of Honors, and pay respect to Azerbaijani shahids at the Alley of Martyrs.
The Russian delegation will also meet commanders of the Azerbaijani Naval Forces, management of Sabail District Executive Authority and Baku Sea Port. They will also view educational process at the Higher Military Naval School.

Russia is the main trade partner of Azerbaijan in the CIS. It also ranks first among the countries importing from Azerbaijan.

Prior to visit to Azerbaijan, Russian navy fleet has docked at the northern Iranian port city of Anzali in a bid to boost friendly maritime ties between the two countries.

http://www.azernews.az/azerbaijan/86764.html
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon HugoBettauer » So 23. Aug 2015, 08:02

King Kong 2006 » Do 20. Aug 2015, 17:48 hat geschrieben:Russische Außenpolitik in der Region.

Eine neu konfigurierte und angepasste S-300 Version wird geliefert.



Die kleine russische Flotille, ist nach dem Iran noch in Aserbaidschan angekommen.


Wie kann das sein, wenn man doch allenthalben hört, Russland habe gar keine Wirtschaft, das seien nur Indianer mit Öl?
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon Tom Bombadil » So 23. Aug 2015, 09:01

Da wird von den Russen schon die nächste "Heim ins Reich"-Aktion vorbereitet.
The tree of liberty must be refreshed from time to time with the blood of patriots and tyrants. It is its natural manure.
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Re: Anrainer des Kaspischen Meeres - Chance und Herausforder

Beitragvon King Kong 2006 » So 23. Aug 2015, 14:31

SoleSurvivor » So 23. Aug 2015, 09:02 hat geschrieben:Wie kann das sein, wenn man doch allenthalben hört, Russland habe gar keine Wirtschaft, das seien nur Indianer mit Öl?


Ich finde schon, daß Russland auch einen Industrie- und Dienstleistungssektor hat. Die Frage lautet nur immer, wie konkurrenzfähig das alles ist.

@Tom Bombadil

Wenn du an Aserbaidschan denkst, glaube ich schon, daß dieses Land für Russland praktisch weg ist. Was Russland sehr gut kann, ist mit Abhängigkeiten spielen. Im Transportwesen, bei den Pipelines. Da müssen Staaten im Kaukasus und Zentralasien Russland immer auf der Rechnung haben. Sie haben nur gewisse Möglichkeiten beim Zugang zu den Weltmeeren oder über Land zu weiter entfernten Gebieten. Und da versucht Russland natürlich eine Art Monopolstellung für diese zu erreichen.
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