Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon DarkLightbringer » Fr 11. Mär 2016, 10:48

schokoschendrezki hat geschrieben:(11 Mar 2016, 10:23)

Dazu passend eine recht kluge Analyse:

Und wo steht das? In der Jungle World ("Die linke Wochenzeitung"): http://jungle-world.com/artikel/2015/10/51540.html Haha ..
Mir geht es vor allem um eines: Dem Grau in Grau sowjetischer Gleichmacherei steht heute eine Realität gegenüber, in der ehemalige Ärzte und Professorinnen in Abfallkörben nach Verwertbarem suchen während gleichzeitig Millionärsparties laufen, in denen die Leute für Unsummen aus Brasilien importierte Schmetterlinge aufsteigen lassen. Planetenweit entfernt sind das heutige Russland und die ehemalige Sowjetunion.

Sicherlich gibt es eine Linke außerhalb der Querfront, nicht zuletzt auch in Russland.

Der von dir erwähnte Artikel umschreibt sehr schön, wie der Putinismus Unterwerfungswilligkeit ermuntert:
Das Erfolgsrezept ist simpel. Man bietet jedem, was er haben möchte. »Rechte europäische Nationalisten werden mit einer Anti-EU-Botschaft verführt, die radikale Linke wird mit der Erzählung vom Kampf gegen die US-Hegemonie kooptiert, religiöse Konservative in den USA werden durch den Kampf des Kreml gegen Homosexualität überzeugt«, schreibt Peter Pomerantsev, der selbst für einen russischen Fernsehsender arbeitete, in seinem Buch »Nothing is true and everything is possible«. So entstehe durch Stimmen aus verschiedenen Richtungen eine »kumulative Echokammer« zur Unterstützung der russischen Politik.
http://jungle-world.com/artikel/2015/10/51540.html

Stimme dir ja zu, Putins Russland mag anders sein als es die "Erzählung vom Kampf gegen die US-Hegemonie" will, ändert aber nichts an den Effekten.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon HugoBettauer » Fr 11. Mär 2016, 12:17

Nomen Nescio hat geschrieben:(10 Mar 2016, 11:21)

kleine ergäzung. gilt das auch für putins wege ???

Putin ist der höchste Politiker Russlands und bestimmt als solcher die Wege Russlands maßgeblich mit. Er ist Teil des politischen Systems und sofern Gesundheit und Wahlglück es ihm erlauben, wird das wohl vorerst auch so bleiben.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon zollagent » Fr 11. Mär 2016, 12:55

HugoBettauer hat geschrieben:(11 Mar 2016, 12:17)

Putin ist der höchste Politiker Russlands und bestimmt als solcher die Wege Russlands maßgeblich mit. Er ist Teil des politischen Systems und sofern Gesundheit und Wahlglück es ihm erlauben, wird das wohl vorerst auch so bleiben.

Wobei er am "Wahlglück" ja auch erfolgreich schraubt. :D
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon jan2009 » Fr 11. Mär 2016, 13:05

zollagent hat geschrieben:(11 Mar 2016, 12:55)

Wobei er am "Wahlglück" ja auch erfolgreich schraubt. :D

:)
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Nomen Nescio » Fr 11. Mär 2016, 14:36

HugoBettauer hat geschrieben:(11 Mar 2016, 12:17)

Putin ist der höchste Politiker Russlands und bestimmt als solcher die Wege Russlands maßgeblich mit. Er ist Teil des politischen Systems und sofern Gesundheit und Wahlglück es ihm erlauben, wird das wohl vorerst auch so bleiben.

das ist keine antwort, sondern ein entweichen. du schriebst zuerst »Russlands Wege sind gut für Russland«. ich fragte ob putins wege auch gut für rußland sind, und du weichst aus. genau wie damals in HPF, herr großadmiral.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon HugoBettauer » Fr 11. Mär 2016, 15:12

Großadmiral? Liegt da eine Verwechslung vor, Herr Fahne im Wind?

Wenn du es haarklein brauchst, Russlands Wege sind gut für Russland. Sie werden von Putin maßgeblich mitbestimmt. Putin ist also maßgeblich mit verantwortlich dafür, dass Russland gut vorankommt und nicht schon längst von Deutschland und seinen Spießgesellen besetzt wurde.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon zollagent » Fr 11. Mär 2016, 15:17

HugoBettauer hat geschrieben:(11 Mar 2016, 15:12)

Großadmiral? Liegt da eine Verwechslung vor, Herr Fahne im Wind?

Wenn du es haarklein brauchst, Russlands Wege sind gut für Russland. Sie werden von Putin maßgeblich mitbestimmt. Putin ist also maßgeblich mit verantwortlich dafür, dass Russland gut vorankommt und nicht schon längst von Deutschland und seinen Spießgesellen besetzt wurde.

Mir scheint, da ist eine handfeste Paranoia im Spiel. Wenn ich da den dann fälligen Solidarzuschlag denke......
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Europa2050 » Fr 11. Mär 2016, 23:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Mar 2016, 10:59)

Der jetzige russische Staat erinnert auch nicht im entferntesten an die vormalige Sowjetunion. Er erinnert politisch, ideologisch, kulturell an das russische Zarenreich und sozial-wirtschaftlich an das England des späten 19. Jahrhunderts.


Natürlich hat Russland mit der UdSSR wirtschaftlich (und auch politisch/ideologisch) rein gar nichts zu tun, da gebe ich Dir Recht. Allerdings möchte ich es auch nicht im klassischen Kapitalismus verorten.
Dem würde ich tatsächlich die Welt bis ins 19. Jhd. zuordnen und heute schwerpunktmäßig natürlich die USA (trotz Obamas Versuchen, das zu ändern. Hier gelten in der Reinform:
das "Liberte", der fr. Revolution,
Reichtum kann beliebig (und theoretisch von jedem) angehäuft werden,
Freier Handel und frei konvertierbare Währung, niedere Steuern, kein Sozialstaat
Korruption ist gering
Fleiß, Arbeits- und Bildungsbereitschaft ist hoch, allerdings auch die Gefahr unwiderruflich abgehängt zu werden. -> Hoher Volkswohlstand, ungleich verteilt.
Im Gegenzug dazu der Sozialismus:
Keine Anhäufung von Gütern,
keine Armut
->keine Arbeitsbereitschaft, keine Innovation. Kein freier Handel, keine konvertierbare Währung (UdSSR, DDR, ...)
Dominant das "Egalite" -> Nieder Volkswohlstand, gleich verteilt. Kann nur überleben, solange Motivation aus nicht monetären Gründen erzeugt werden kann.
Drittens die soziale Marktwirtschaft, die kennen wir ja. Anhäufung von Reichtum möglich, gleichzeitig verhältnismäßig hohe Steuern um keinen durch den Rost fallen zu lassen. Hoher Bildungsstand breiter Schichten, Motivation, da für grösstmögliche Bevölkerungsschichten Aufstiegschancen bestehen. Steht aber immer in Kritik, da dem einen schon zu viel Kspitalismus ist, was dem anderen zu viel Sozialismus ist. Hat sich nach zaghaften Bismarkschem Beginn inzwischen im Wesentlichen in Europa durchgesetzt.
Russland ist m.E. Von all dem nichts. Sozialistische Epoche -1991 und kapitalistische 1991-2000 sind durch.
Rusland hat etwas wie eine "nationale Marktwirtschaft". Historische Beispiele sind die Kolonialreiche (dann stimmt ja dein Brittanienvergleich doch wieder) nationalen Diktaturen der Zwischenkriegszeit, aber auch islamische Länder und natürlich der IS.
Putin beschaffte sich durch Enteignung von politisch opponierenden Oligarchen sowie ausländischen Besitz die nötigen Mittel um soziale Standards zu schaffen undgleichzeitig politischen Unterstützern unheimliche Reichtümer zu ermöglichen, sowie dem Militär seine offensiven Möglichkeiten zurück zu geben. Er nutzt wirtschaftliches Potential, um Nachbern zu erpressen (Öl/Gas-Freundschaftspreise)
Nichts anderes als das, was die Kolionalmächtemit ihren Negern, AH mit den Juden (vor allem in der Zeit von 1933-1938, danach kam die Ausbeutung bis zurphysischen Vernichtung, das ist natürlich die Steigerung der Perversion auf unendliches Mass), die islamische Welt mit den Frauen und der IS mit "erbeuteten" Kurden und Jeziden macht.
Gemein ist, dass es ein "Dabeisein" gibt, das reine rassische, politische, religiöse oder geschlechtliche Differenzierung hat. In Russland eben der russische, pro putinistische, heterosexuelle Bürger, der weis, dass alles Übel der Welt wahlweise in der Ukraine, der USA oder der EU sitzt ....
Denkt an 1914, denkt an 1933 ...
... und macht verdammt nochmal nicht die gleichen Fehler ... :mad2:
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Zerberster » Sa 12. Mär 2016, 17:10

Cobra9 hat geschrieben:(02 Mar 2016, 06:09)

Es geht ja Richtung einem Freund von Putin, wenn nicht gar ein guter Freund. Siehe Quelle warum ich das schreibe. Die Spur führt nach Tschetschenien. Das Kadyrow ohne Billigung von Putin irgendwelche Aktionen auf russ. Gebiet erlaubt wäre schon ein sehr negtives Zeichen. Dann hätte Putin über seinen Schützling keine Kontrolle mehr. Die Aussage von Putin über Kadyrow finde ich etwas erschreckend. Hoffen wir mal das war nur Politik, nicht das Putin so tickt. Wobei die Rolle des Kreml woh mal beleuchtet werden sollte.


Putin zahlt also Millionen an ein paar Kadyrowleute, um Nemzow umlegen zu lassen und dann die Justiz und Presse das Ganze auch noch aufdecken zu lassen? Heißt es nicht immer in Bezug auf Russland, dass es dort keine unabhängige Justiz und keine Pressefreiheit gibt? Und wieso gibt es in Russland keinen einzigen FSB-Killer, der Nemzow kostenlos umgelegt hätte? Und wozu überhaupt Nemzow? Der war politisch bereits für den Rest seines Lebens schon tot. Wenn es für das System eine politische Gefahr gab, dann war es nur Nawalny.

Unter den Kadyrowleuten sind nunmal auch viele ehemalige Sakajew-Anhänger. Sakajew war im 1. Tschetschenienkrieg Seperatistenführer und er befindet sich momentan im britischen Exil. Um seine Auslieferung an Russland hinauszuschieben braucht er nur auf Litwinenko, Politkowskaja und jetzt Nemzow zu verweisen. Dann ist sein Leben sicher, weil ihn kein britischer Staatsanwat an Russland ausliefern wird. Und was sind schon ein paar Millionen für Sakajew wenn ihm dafür das russische Gefängnis ersparrt bleibt. Politkowskaja wurde ebenfalls von Tschetschenen ermordet. Bei Litwinenko lässt sich die Sakajew- und Beresowski-Spur auch nicht leugnen.

Was man Russland vorwerfen kann, ist die Tatenlosigkeit. Der Geheimdienst wird sicherlich von den Plänen gewusst haben. Kurz vor dem Mord haben die Amis schließlich u.a. Kasparow gewarnt gehabt. Russland hat also einen seiner Bürger bewusst nicht geschützt auch wenn es ein Volksverräter war. Kann aber auch sein, dass der russische Geheimdienst sich naiverweise auf die Amis verlassen hatte, die wohl für Nemzows Schutz zuständig waren. Wie auch immer, außenstehende werden eh nie erfahren was wirklich passiert ist.


„Einige Duma-Abgeordnete behaupten, Boris Beresowski und Achmed Sakajew steckten hinter der Vergiftung Litwinenkos. >>Beresowskis enge Verbindungen zu tschetschenischen Terroristen [legen nahe], dass sie sowohl die Ermordung Politkowskajas als auch die Vergiftung Litwinenkos organisiert haben könnten<<, sagt der ehemalige FSB-Chef Nikolaj Kowaljow. Am folgenden Tag schreibt Tom Parfitt, der Moskau-Korrespondent des Guardian: >>Der Gedanke, der Kreml habe die Liquidierung von Mr. Litwinenko angeordnet, erscheint höchst unwahrscheinlich. Er war es einfach nicht wert … Beresowskis Position [dagegen] wirkt zunehmend wackelig, ebenso die Position anderer Personen, deren Auslieferung Russland fordert … Sie müssen ihre Behauptungen beweisen, dass sie Vergeltungsmaßnahmen befürchten müssen, wenn sie zurück nach Russland geschickt werden. Der Tod einer liberalen Journalistin und die Vergiftung eines >Feindes des FSB< sollten Richter Timothy Workman zufriedenstellen.<<“
Alex Goldfarb, Marina Litwinenko: Tod eines Dissidenten - Warum Alexander Liwinenko sterben musste, Hamburg 2007, S. 396
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Zerberster » Sa 12. Mär 2016, 17:23

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Mar 2016, 10:59)

Der jetzige russische Staat erinnert auch nicht im entferntesten an die vormalige Sowjetunion. Er erinnert politisch, ideologisch, kulturell an das russische Zarenreich und sozial-wirtschaftlich an das England des späten 19. Jahrhunderts.


Der russische Staat steht politisch, ideologisch und kulturell für das Zarenreich und die Sowjetunion. Sozialwirtschaftlich steht Russland für den rheinischen Kapitalismus, Staatskapitalismus und Korporatismus. Wenn, dann gab es den Manchesterkapitalismus, den du meinst, in Russland in den 90ern. Dir ist offensichtlich nicht bewusst, wie es damals in England aussah.


"Herr Broughton, ein Friedensrichter, erklärte als Vorsitzender einer Versammlung in der Stadthalle von Notingham am 14. Januar 1860, daß in dem mit der Spitzenfabrikation beschäftigten Teile der städtischen Bevölkerung ein der übrigen zivilisierten Welt unbekannter Grad von Leid und Entbehrung herrscht ... Um 2, 3, 4 Uhr morgens werden Kinder von 9 bis 10 Jahren ihren schmutzigen Betten entrissen und gezwungen, für die nackte Lebensnotdurft bis 10, 11, 12 Uhr nachts zu arbeiten, wobei ihre Glieder wegschwinden, ihre Gestalt zusammenschrumpft, ihre Gesichtszüge abstumpfen und ihr menschliches Wesen ganz und gar in einer steinähnlichen Erstarrung erfriert, deren bloßer Anblick schauderhaft ist. "
Karl Marx: Das Kapital Band 1, Hamburg 1872, S. 239f.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Alexyessin » Sa 12. Mär 2016, 17:28

Zerberster hat geschrieben:(12 Mar 2016, 17:23)

Der russische Staat steht politisch, ideologisch und kulturell für das Zarenreich und die Sowjetunion. Sozialwirtschaftlich steht Russland für den rheinischen Kapitalismus, Staatskapitalismus und Korporatismus. Wenn, dann gab es den Manchesterkapitalismus, den du meinst, in Russland in den 90ern. Dir ist offensichtlich nicht bewusst, wie es damals in England aussah.


"Herr Broughton, ein Friedensrichter, erklärte als Vorsitzender einer Versammlung in der Stadthalle von Notingham am 14. Januar 1860, daß in dem mit der Spitzenfabrikation beschäftigten Teile der städtischen Bevölkerung ein der übrigen zivilisierten Welt unbekannter Grad von Leid und Entbehrung herrscht ... Um 2, 3, 4 Uhr morgens werden Kinder von 9 bis 10 Jahren ihren schmutzigen Betten entrissen und gezwungen, für die nackte Lebensnotdurft bis 10, 11, 12 Uhr nachts zu arbeiten, wobei ihre Glieder wegschwinden, ihre Gestalt zusammenschrumpft, ihre Gesichtszüge abstumpfen und ihr menschliches Wesen ganz und gar in einer steinähnlichen Erstarrung erfriert, deren bloßer Anblick schauderhaft ist. "
Karl Marx: Das Kapital Band 1, Hamburg 1872, S. 239f.


Jetzt zitiert er wieder den alten Onkel Charly. Schämst du dich nicht?
Das momentane Russische Wirtschaftssystem ist eine schlechte Mischung aus Staatskapitalismus und Kleptokratie als Mischung der SU und Obrigkeitsrechtslosigkeit aus dem Zarenreich. Ist doch toll, oder?
Der neue Faschismus wird nicht sagen: Ich bin der Faschismus. Er wird sagen: Ich bin kein Nazi, aber...
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Zerberster » Sa 12. Mär 2016, 17:33

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Mar 2016, 13:29)

Dies beschreibt treffend die Sicht junger russischer Linker, die sowohl kritisch auf die Ex-SU als auch kritisch auf die politisch-sozialen Umwälzungen sehen, hinter denen nicht zuletzt auch Nemzow, um den es hier ja geht, während der Jelzin-Zeit als Spitzen-Politiker stand. Und die ein Putin keineswegs zurückzunehmen bereit ist. Eher im Gegenteil. Auch wenn dieser Nemzow für ihn ein politischer Gegner war. Üblicherweise assoziiert man Frühkapitalismus und Proletariatselend mit dem England des 19. Jahrhundert.


Seit Putin ist die Armutsrate um 50% gesunken. In den 90ern haben kaum welche Unternehmen Steuern gezahlt. Seit Putin gab es nach vielen Re-Privatisierungen wieder genug Geld in der Staatskasse. Keiner kann die Unterschiede leugnen. Gäbe es keine Unterschiede wären jetzt die Stalinisten am Ruder.


"Doch nicht nur die Reichen sind in Konsumlaune. Denn das russische Durchschnittseinkommen ist im letzten Jahrzehnt um das Sechzehnfache gestiegen - von etwa 39 Euro pro Monat unter Boris Jelzin auf 620 Euro unter Präsident Wladimir Putin. Nachdem die Regierung im Jahr 2004 den Grundsatzbeschluss fasste, die Energiesteuern anzuheben und die Abgaben auf alle anderen Produkte, Waren und Dienstleistungen zu senken, befindet sich das Land gemäß dem neuesten Bericht des UN-Entwicklungsprogramms in der mittleren Einkommensgruppe der Länder. "Russland erfreut sich im europäischen Rahmen besonders niedriger Einkommens- und Körperschaftssteuern," urteilt Clemens Grafe, Chefökonom von Goldman Sachs in Moskau. Es sei ein Irrglaube, dass Russland allein auf die Energierohstoffe setze, urteilt der Wissenschaftler, denn der Staat benutze seine unverhofften Öl- und Gasmehreinnahmen dazu, die Realwirtschaft mit massiven Subventionen anzukurbeln. Russland, laut Euromonitor International bereits der elftgrößte Verbrauchermarkt der Welt, klettert in der Rangliste weiter nach oben. Angesichts sehr geringer Schulden ist der Löwenanteil der russischen Einkommen für die Bürger verfügbar. Und seit der Einführung von Kundenkrediten im Jahr 2001 gehen die Kunden in Russland noch lieber shoppen. Abzahlungskredite haben in diesem Jahr um 43 Prozent zugelegt, was nach Angaben der Zentralbank sogar zu einer Überhitzung der Konjunktur führen könnte."
http://russland-heute.de/wirtschaft/201 ... 21517.html
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Zerberster » Sa 12. Mär 2016, 17:38

Alexyessin hat geschrieben:(12 Mar 2016, 17:28)

Jetzt zitiert er wieder den alten Onkel Charly. Schämst du dich nicht?
Das momentane Russische Wirtschaftssystem ist eine schlechte Mischung aus Staatskapitalismus und Kleptokratie als Mischung der SU und Obrigkeitsrechtslosigkeit aus dem Zarenreich. Ist doch toll, oder?


Was willst du überhaupt? Ich kann auch Bakunin und Nietzsche zitieren. Hitler und Stalin auch, falls du willst. Denkst wohl ich bin so beschränkt wie ihr Liberalen. Was toll für die Russen ist, kann einer, der ein Sklave seiner sexuellen Orientierung ist, nicht beurteilen.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Alexyessin » Sa 12. Mär 2016, 18:23

Zerberster hat geschrieben:(12 Mar 2016, 17:38)

Was willst du überhaupt? Ich kann auch Bakunin und Nietzsche zitieren. Hitler und Stalin auch, falls du willst. Denkst wohl ich bin so beschränkt wie ihr Liberalen. Was toll für die Russen ist, kann einer, der ein Sklave seiner sexuellen Orientierung ist, nicht beurteilen.


Du schreibst wirr. Was genau möchtest du uns sagen?
Was toll für die Russen ist oder nicht können wir ja hier diskutieren. Von welcher sexuellen Orientierung sprichst du?
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Zerberster » Sa 12. Mär 2016, 18:35

Alexyessin hat geschrieben:(12 Mar 2016, 18:23)

Du schreibst wirr. Was genau möchtest du uns sagen?
Was toll für die Russen ist oder nicht können wir ja hier diskutieren. Von welcher sexuellen Orientierung sprichst du?


Von deiner Homosexualität, von was sonst. Schreibst ja selbst mannchmal davon.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Alexyessin » Sa 12. Mär 2016, 18:39

Zerberster hat geschrieben:(12 Mar 2016, 18:35)

Von deiner Homosexualität, von was sonst. Schreibst ja selbst mannchmal davon.


Interessant, aber leider falsch. Selbst wenn ich homosexuell wäre, was ich nicht bin und daher auch keine Beiträge diesbezüglich von mir zu lesen sind, was hat das Thema damit zu tun?
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Zerberster » Sa 12. Mär 2016, 21:10

Alexyessin hat geschrieben:(12 Mar 2016, 18:39)

Interessant, aber leider falsch. Selbst wenn ich homosexuell wäre, was ich nicht bin und daher auch keine Beiträge diesbezüglich von mir zu lesen sind, was hat das Thema damit zu tun?


Dann ist halt bi, trans oder etwas anderes in die Richtung. Bist doch einer aus der münchner LGBT-Szene? Hast zumindest mal geschrieben, dass du dort bei so ner Demo mitmachst.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Alexyessin » Sa 12. Mär 2016, 21:51

Zerberster hat geschrieben:(12 Mar 2016, 21:10)

Dann ist halt bi, trans oder etwas anderes in die Richtung. Bist doch einer aus der münchner LGBT-Szene? Hast zumindest mal geschrieben, dass du dort bei so ner Demo mitmachst.


Immer noch falsch. Weiß nicht mal, was du mit LGBT-Szene meinst. Aber du kannst gerne ein wenig nachfragen. Hat zwar weder was mit dem Thema noch meinen Fragen zu tun, aber wenn du meinst, das du mit dieser Art der Diskussionsführung etwas erreichen kannst, bitte. Du hast mal einen kleinen Freischein bezüglich ad personam ( ohne Beleidigung versteht sich ).
Ich bin Vater von zwei gesunden Buben und hab mit München außer dem Fußball nicht viel am Hut. Wenn ich mich in der Stadt mal bei einer "Szene" blicken lasse, dann ist es die Kleinkunst in Pasing oder Schwabing.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Schnitter » Sa 12. Mär 2016, 21:54

Zerberster hat geschrieben:(12 Mar 2016, 21:10)

Dann ist halt bi, trans oder etwas anderes in die Richtung. Bist doch einer aus der münchner LGBT-Szene? Hast zumindest mal geschrieben, dass du dort bei so ner Demo mitmachst.


Selber schwul aber Angst vor Putins Gestapo ? :D
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Cobra9 » So 13. Mär 2016, 12:40

Zerberster hat geschrieben:(12 Mar 2016, 17:10)

Putin zahlt also Millionen an ein paar Kadyrowleute, um Nemzow umlegen zu lassen und dann die Justiz und Presse das Ganze auch noch aufdecken zu lassen? Heißt es nicht immer in Bezug auf Russland, dass es dort keine unabhängige Justiz und keine Pressefreiheit gibt? Und wieso gibt es in Russland keinen einzigen FSB-Killer, der Nemzow kostenlos umgelegt hätte? Und wozu überhaupt Nemzow? Der war politisch bereits für den Rest seines Lebens schon tot. Wenn es für das System eine politische Gefahr gab, dann war es nur Nawalny.

Unter den Kadyrowleuten sind nunmal auch viele ehemalige Sakajew-Anhänger. Sakajew war im 1. Tschetschenienkrieg Seperatistenführer und er befindet sich momentan im britischen Exil. Um seine Auslieferung an Russland hinauszuschieben braucht er nur auf Litwinenko, Politkowskaja und jetzt Nemzow zu verweisen. Dann ist sein Leben sicher, weil ihn kein britischer Staatsanwat an Russland ausliefern wird. Und was sind schon ein paar Millionen für Sakajew wenn ihm dafür das russische Gefängnis ersparrt bleibt. Politkowskaja wurde ebenfalls von Tschetschenen ermordet. Bei Litwinenko lässt sich die Sakajew- und Beresowski-Spur auch nicht leugnen.

Was man Russland vorwerfen kann, ist die Tatenlosigkeit. Der Geheimdienst wird sicherlich von den Plänen gewusst haben. Kurz vor dem Mord haben die Amis schließlich u.a. Kasparow gewarnt gehabt. Russland hat also einen seiner Bürger bewusst nicht geschützt auch wenn es ein Volksverräter war. Kann aber auch sein, dass der russische Geheimdienst sich naiverweise auf die Amis verlassen hatte, die wohl für Nemzows Schutz zuständig waren. Wie auch immer, außenstehende werden eh nie erfahren was wirklich passiert ist.


„Einige Duma-Abgeordnete behaupten, Boris Beresowski und Achmed Sakajew steckten hinter der Vergiftung Litwinenkos. >>Beresowskis enge Verbindungen zu tschetschenischen Terroristen [legen nahe], dass sie sowohl die Ermordung Politkowskajas als auch die Vergiftung Litwinenkos organisiert haben könnten<<, sagt der ehemalige FSB-Chef Nikolaj Kowaljow. Am folgenden Tag schreibt Tom Parfitt, der Moskau-Korrespondent des Guardian: >>Der Gedanke, der Kreml habe die Liquidierung von Mr. Litwinenko angeordnet, erscheint höchst unwahrscheinlich. Er war es einfach nicht wert … Beresowskis Position [dagegen] wirkt zunehmend wackelig, ebenso die Position anderer Personen, deren Auslieferung Russland fordert … Sie müssen ihre Behauptungen beweisen, dass sie Vergeltungsmaßnahmen befürchten müssen, wenn sie zurück nach Russland geschickt werden. Der Tod einer liberalen Journalistin und die Vergiftung eines >Feindes des FSB< sollten Richter Timothy Workman zufriedenstellen.<<“
Alex Goldfarb, Marina Litwinenko: Tod eines Dissidenten - Warum Alexander Liwinenko sterben musste, Hamburg 2007, S. 396



Na zeig mir mal wo Ich schrieb das Putin an Leute irgendwelche Millionen zahlte. Bitte belegen :)
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