Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Cobra9 » So 28. Feb 2016, 10:30

Interessante Infos


Tschetschenische Mörder und Hetzer
Obwohl die mutmasslichen Attentäter identifiziert sind, bleiben viele Fragen offen, vor allem zum Auftraggeber der Bluttat. Nemzows Anhänger werden weiter massiv bedroht.

http://www.nzz.ch/international/europa/ ... 1.18702571
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon DarkLightbringer » So 28. Feb 2016, 13:44

Interessant ist auch ein Artikel des Cousins von Nemzow, ein russischer Soziologe, der seit 2011 in Leipzig lebt:

Mit der Korruption, von der sein ganzes System durchsetzt ist, will Putin die gesamte EU infizieren. So werden denn deutsche Politiker, Journalisten und «Experten» eingekauft und eingespannt. Nach meinen Beobachtungen übernehmen Deutsche, die eng mit russischen Partnern zusammenarbeiten, deren Lebensstil und korrupte Praktiken. Indem der Kreml deutsche Eliten nach seinem Gusto zu formatieren versteht, beginnt er Deutschland selber zu verändern. Stillschweigend wird das demokratische Staats- und Rechtswesen nach dem Modell Russlands untergraben. Dort hat die staatliche Propaganda die Begriffe Liberalismus und Toleranz praktisch zu Schimpfwörtern degradiert.
http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/da ... rn-ld.5785

Kritische Russen in Deutschland können eine wertvolle Hilfe bei der Bewertung der hybriden Kriegsführung sein. Die älteste Tochter des ermordeten Boris Nemzow lebt auch im deutschen Exil.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 29. Feb 2016, 06:04

Darkfire hat geschrieben:(28 Feb 2016, 09:57)

Das wirklich schlimme daran ist, daß die Menschen die sich selbst als Freunde Russlands ausgeben weil sie für das System Putin sind, in Wirklichkeit die wirklichen Gegner eines freien Russlands sind.

Man beschimpft diejenigen welche die Politik eines Putins und Co kritisieren als Antirussen, dabei unterstützen gerade diese Menschen eine Politik in welcher die Menschen in Russland unterdrückt und in Unfreiheit gehalten werden und in der eine wirklich gelenkte staatliche Propaganda die Menschen in eine nationalistische Ecke lenkt.

Dabei wird dieses Land von echten Oligarchen ausgeplündert und echte Faschisten mit einem Personenkult um Putin sind dort an der Macht.

Viele die sich hier als Linke bezeichnen schauen dabei mit offenen Augen zu wie die Linke Opposition unterdrückt, ins Gefängnis geworfen wird, oder diese gleich ermordet werden.

Perfide deswegen weil sie selbst in diesem Land daß sie hier so angreifen, ihre eigene Meinung ohne Angst vor Verfolgung äußern dürfen, ihren Arsch im Warmen haben und auch keine Angst vor Krieg haben müssen.
Sie nützen die Möglichkeiten welche ihnen hier gegeben werden um genau diese Freiheiten zu zerstören.

Man kackt sich aufs eigene Teller und beschwert sich dann, daß das Essen scheiße schmeckt.

Völlig richtig. Nur wird man sich von Rechtspopulisten und -Extremisten kein Engagement für die russische Opposition oder die Freiheit Russlands erwarten dürfen, sie wollen ja auch kein liberales Deutschland.
Bei den Ex-Linken oder verunsicherten Linken dürften Unterwerfungsgesten einerseits etwas mit der Tradition zu tun haben, weil der jetzige russische Staat entfernt an die vormalige Sowjetunion erinnert, zum andern mit dem, was frei nach Nietzsche die "Sklavenmoral" ausmacht - die Ideologie begrenzt sich auf Ressentiments, komplexere Visionen überfordern.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Doktor Schiwago » Mo 29. Feb 2016, 07:32

DarkLightbringer hat geschrieben:(29 Feb 2016, 06:04)
weil der jetzige russische Staat entfernt an die vormalige Sowjetunion erinnert,

Pruuuust, der war gut. :thumbup:
Wenn unser einziger Rohstoff in Deutschland die Kreativität der Menschen ist, warum versuchen dann in den Medien so viele so hartnäckig, sie zu beschädigen? (Roman Herzog)
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 29. Feb 2016, 08:01

Doktor Schiwago hat geschrieben:(29 Feb 2016, 07:32)

Pruuuust, der war gut. :thumbup:

Ist doch so, die Linkspopulisten haben einen ähnlich abgründigen Sinn für Humor wie die Rechtspopulisten.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Cobra9 » Mi 2. Mär 2016, 06:09

Es geht ja Richtung einem Freund von Putin, wenn nicht gar ein guter Freund. Siehe Quelle warum ich das schreibe. Die Spur führt nach Tschetschenien. Das Kadyrow ohne Billigung von Putin irgendwelche Aktionen auf russ. Gebiet erlaubt wäre schon ein sehr negtives Zeichen. Dann hätte Putin über seinen Schützling keine Kontrolle mehr. Die Aussage von Putin über Kadyrow finde ich etwas erschreckend. Hoffen wir mal das war nur Politik, nicht das Putin so tickt. Wobei die Rolle des Kreml woh mal beleuchtet werden sollte.
Dieser Verdacht bekam Ende Februar neue Nahrung. Die Kreml-kritische "Nowaja Gaseta" veröffentlichte die Aufnahme einer Überwachungskamera vom Vortag des Attentats. Darauf zu sehen ist neben einem Mitglied der Dadajew-Gruppe ein Offizier aus Tschetschenien. Der Mann heißt Ruslan G. und ist stellvertretender Kommandeur einer Einheit namens "Bataillon Nord". Auch Dadajew stand Anfang 2015 im Dienst der Truppe. Formal untersteht die Formation Russlands Innenministerium, faktisch ist sie eine Privatarmee von Kadyrow.

Putin hat einmal gesagt, er empfinde für Kadyrow "wie für einen Sohn". Obwohl Menschenrechtler den Despoten der Folter und des Mordes beschuldigen, ließ Putin ihm in Tschetschenien freie Hand.

Nach Informationen der "Nowaja Gaseta" operieren die "Kadyrowzy" allerdings nicht nur im Nordkaukasus, sondern auch in Moskau - und unterlaufen damit das Gewaltmonopol der russischen Bundesbehörden. "Tschetschenien ist die einzige Region, die in der Hauptstadt eigene Bewaffnete unterhält", schreibt das Blatt.

Offiziell seien sie zum Schutz von Politikern abgestellt. Tatsächlich gehe es aber um kriminelle Aufträge. Als Beispiel wird der Fall eines korrupten Gazprom-Managers genannt, der von den Tschetschenen festgesetzt wurde, damit er unterschlagene Gelder mit anderen teile.
http://www.spiegel.de/politik/ausland/e ... 79580.html
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Darkfire » Mi 2. Mär 2016, 09:04

Das ist wieder mal so etwas vor was hier einige verteidiger Putins die Augen verschließen.
Ich frage mich auch wie offensichtlich muss dieses System noch werden bis hier wenigstens ein Hauch von Kritik aufkommt.

Ich muss mit unserem System nicht einverstanden sein und ich kann auch die berechtigte Kritik an diesem System erkennen.
Nur der Versuch unser System zu zerstören um dafür ein System der Marke Putin zu etablieren ist eine verantwortungslose Dummheit.
Unser System mag Krank sein aber es ist noch lange nicht falsch.
Das System Putin mag gesund sein, trotzdem ist es zutiefst falsch und Menschenfeindlich.

Zu glauben Putin sei der nette große Bruder, verkennt total das ein Putin vielleicht Russland liebt dieses aber noch lange nicht bedeutet das er auch für die Menschen dort da ist.

Die welche immer wieder gern Putin mit Russland gleichsetzen, um damit jegliche Kritik am System Putin als Russenhass zu diffamieren verkennen in dem Moment wer der wirkliche Feind des russischen Volkes ist.
Jemand der sein eigenes Volk mit den Medien aufhetzt und kriminelle Strukturen aufzieht, währen die einfachen Menschen zunehmend entrechtet werden ist alles aber kein Prorusse.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Cobra9 » Mi 2. Mär 2016, 09:09

Darkfire hat geschrieben:(02 Mar 2016, 09:04)

Das ist wieder mal so etwas vor was hier einige verteidiger Putins die Augen verschließen.
Ich frage mich auch wie offensichtlich muss dieses System noch werden bis hier wenigstens ein Hauch von Kritik aufkommt.

Ich muss mit unserem System nicht einverstanden sein und ich kann auch die berechtigte Kritik an diesem System erkennen.
Nur der Versuch unser System zu zerstören um dafür ein System der Marke Putin zu etablieren ist eine verantwortungslose Dummheit.
Unser System mag Krank sein aber es ist noch lange nicht falsch.
Das System Putin mag gesund sein, trotzdem ist es zutiefst falsch und Menschenfeindlich.

Zu glauben Putin sei der nette große Bruder, verkennt total das ein Putin vielleicht Russland liebt dieses aber noch lange nicht bedeutet das er auch für die Menschen dort da ist.

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Russland ist nicht Putin, wird aber von Putin und Clique regiert.Es ist ein tolles Land mit wunderbaren Menschen. Führungspersonal aber ist oft ein Problem
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon zollagent » Mi 2. Mär 2016, 09:14

Darkfire hat geschrieben:(02 Mar 2016, 09:04)

Das ist wieder mal so etwas vor was hier einige verteidiger Putins die Augen verschließen.
Ich frage mich auch wie offensichtlich muss dieses System noch werden bis hier wenigstens ein Hauch von Kritik aufkommt.

Ich muss mit unserem System nicht einverstanden sein und ich kann auch die berechtigte Kritik an diesem System erkennen.
Nur der Versuch unser System zu zerstören um dafür ein System der Marke Putin zu etablieren ist eine verantwortungslose Dummheit.
Unser System mag Krank sein aber es ist noch lange nicht falsch.
Das System Putin mag gesund sein, trotzdem ist es zutiefst falsch und Menschenfeindlich.

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Jemand der sein eigenes Volk mit den Medien aufhetzt und kriminelle Strukturen aufzieht, währen die einfachen Menschen zunehmend entrechtet werden ist alles aber kein Prorusse.

Das Ganze speist sich nicht mal wirklich aus Sympathie für Putin oder sein System. Das ist dabei vollkommen zweitrangig. Diesen Leuten ist mit dem Zusammenbruch des Ostblocks die politische Heimat abhanden gekommen und daher ist jeder willkommen, der dem bösen Feind, der an diesem Zusammenbruch "schuld" ist, die Stirn bietet. Denn der Kampf der Systeme ist in ihren Augen längst nicht zu Ende. Die Querfront feiert hier fröhliche Urständ.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon 103 » Mi 2. Mär 2016, 14:17

Darkfire hat geschrieben:Man beschimpft diejenigen welche die Politik eines Putins und Co kritisieren als Antirussen, dabei unterstützen gerade diese Menschen eine Politik in welcher die Menschen in Russland unterdrückt und in Unfreiheit gehalten werden und in der eine wirklich gelenkte staatliche Propaganda die Menschen in eine nationalistische Ecke lenkt.

Wer beschimpft Kritiker Putins als Antirussen? Und wer unterstützt eine Politik der Unterdrückung und Unfreiheit und staatlich gelenkte Propaganda die Menschen in eine nationalistische Ecke stellt?


Darkfire hat geschrieben:Dabei wird dieses Land von echten Oligarchen ausgeplündert und echte Faschisten mit einem Personenkult um Putin sind dort an der Macht.



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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon HugoBettauer » Mi 9. Mär 2016, 08:11

Darkfire hat geschrieben:(02 Mar 2016, 09:04)

Das ist wieder mal so etwas vor was hier einige verteidiger Putins die Augen verschließen.
Ich frage mich auch wie offensichtlich muss dieses System noch werden bis hier wenigstens ein Hauch von Kritik aufkommt.

Wenn du keine Kritik an Russland findest, suchst du vielleicht verkehrt?

Nur der Versuch unser System zu zerstören um dafür ein System der Marke Putin zu etablieren ist eine verantwortungslose Dummheit.

Russlands Wege sind gut für Russland - man kann das nicht einfach kopieren. Deutschland muss seine eigenen Lösungen finden.

Zu glauben Putin sei der nette große Bruder, verkennt total das ein Putin vielleicht Russland liebt dieses aber noch lange nicht bedeutet das er auch für die Menschen dort da ist.

Eine Nation wieder aufzubauen hat immer einen Preis. Wieviele Bandscheibenvorfälle und Chemieunfälle hat das Wirtschaftswunder gekostet? Wieviele sinnlos in Kasernen vergeudeten Lebensjahre war die "Freiheit" wert?

Die welche immer wieder gern Putin mit Russland gleichsetzen, um damit jegliche Kritik am System Putin als Russenhass zu diffamieren verkennen in dem Moment wer der wirkliche Feind des russischen Volkes ist.

Wirkliche Feinde Russlands sind jene, die behaupten, es gäbe keine Kritik an Russland - um dann noch mehr davon loszulassen.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon zollagent » Mi 9. Mär 2016, 09:12

HugoBettauer hat geschrieben:(09 Mar 2016, 08:11)

Wenn du keine Kritik an Russland findest, suchst du vielleicht verkehrt?


Russlands Wege sind gut für Russland - man kann das nicht einfach kopieren. Deutschland muss seine eigenen Lösungen finden.


Eine Nation wieder aufzubauen hat immer einen Preis. Wieviele Bandscheibenvorfälle und Chemieunfälle hat das Wirtschaftswunder gekostet? Wieviele sinnlos in Kasernen vergeudeten Lebensjahre war die "Freiheit" wert?


Wirkliche Feinde Russlands sind jene, die behaupten, es gäbe keine Kritik an Russland - um dann noch mehr davon loszulassen.

Na ja, Bandscheibenvorfälle beim wirtschaftlichen Aufbau mit Morden an oppositionellen Politikern auf eine Stufe stellen zu wollen, das hat schon einen perversen Beigeschmack.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon schokoschendrezki » Do 10. Mär 2016, 10:59

DarkLightbringer hat geschrieben:(29 Feb 2016, 06:04)

Völlig richtig. Nur wird man sich von Rechtspopulisten und -Extremisten kein Engagement für die russische Opposition oder die Freiheit Russlands erwarten dürfen, sie wollen ja auch kein liberales Deutschland.
Bei den Ex-Linken oder verunsicherten Linken dürften Unterwerfungsgesten einerseits etwas mit der Tradition zu tun haben, weil der jetzige russische Staat entfernt an die vormalige Sowjetunion erinnert, zum andern mit dem, was frei nach Nietzsche die "Sklavenmoral" ausmacht - die Ideologie begrenzt sich auf Ressentiments, komplexere Visionen überfordern.

Der jetzige russische Staat erinnert auch nicht im entferntesten an die vormalige Sowjetunion. Er erinnert politisch, ideologisch, kulturell an das russische Zarenreich und sozial-wirtschaftlich an das England des späten 19. Jahrhunderts.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Nomen Nescio » Do 10. Mär 2016, 11:21

HugoBettauer hat geschrieben:(09 Mar 2016, 08:11)

Russlands Wege sind gut für Russland

kleine ergäzung. gilt das auch für putins wege ???
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon DarkLightbringer » Do 10. Mär 2016, 12:01

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Mar 2016, 10:59)

Der jetzige russische Staat erinnert auch nicht im entferntesten an die vormalige Sowjetunion. Er erinnert politisch, ideologisch, kulturell an das russische Zarenreich und sozial-wirtschaftlich an das England des späten 19. Jahrhunderts.

Sieht das ein Diether Dehm auch so?
Das ist eben das Angebot der Querfront an unterwerfungsbereite Linke - das liebgewonnene Ressintement des Antiamerikanismus darf man behalten, der Rest muss weg.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon Cobra9 » Do 10. Mär 2016, 13:11

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Mar 2016, 10:59)

Der jetzige russische Staat erinnert auch nicht im entferntesten an die vormalige Sowjetunion. Er erinnert politisch, ideologisch, kulturell an das russische Zarenreich und sozial-wirtschaftlich an das England des späten 19. Jahrhunderts.


England.....mhmm interessanter Punkt. Hab Dank. Das muss ich mir mal nachlesen.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon schokoschendrezki » Do 10. Mär 2016, 13:19

Schokoschendrezki hat geschrieben:Der jetzige russische Staat erinnert auch nicht im entferntesten an die vormalige Sowjetunion. Er erinnert politisch, ideologisch, kulturell an das russische Zarenreich und sozial-wirtschaftlich an das England des späten 19. Jahrhunderts.

DarkLightbringer hat geschrieben:(10 Mar 2016, 12:01)
Sieht das ein Diether Dehm auch so?
Das ist eben das Angebot der Querfront an unterwerfungsbereite Linke - das liebgewonnene Ressintement des Antiamerikanismus darf man behalten, der Rest muss weg.

Du wirst meine Bemerkung über Russland doch hoffentlich nicht als ein positives oder gar "unterwerfungsbereites" Statement aufgefasst haben ... Schau dir den russischen Film "Leviathan" an: Raubtierkapitalismus und Justiz-Willkür wie in einem Dickens-Roman und am Ende spendet der verbrecherischste Patriarch eine Kirche wie im alten Zarenreich. Auch wenn die Verhältnisse in der Sowjetunion keineswegs eine positive Alternative waren und sind ... sie sind jedenfalls nicht im mindesten mit denen im heutigen Russland zu vergleichen.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon schokoschendrezki » Do 10. Mär 2016, 13:29

Wir waren auf einer Werft mit Zehntausenden Arbeitern. Im Minsker Uhrenwerk. Bei Kamas, einem gigantischen Autohersteller. Die Ingenieure, vor allem junge aktive Frauen, die Arbeiter – alle zusammen schufen ein System, in dem die Menschen an den Entscheidungen ihres Betriebs teilnahmen. Damals entstand eine starke ökologische Bewegung. Und es gab die Hoffnung, dass man aus der Sackgasse des autoritären sowjetischen Systems, in dem es nie einen wirklichen Kommunismus und Sozialismus gegeben hat, wo das System in vielem noch feudal - bürokratisch war, dass man aus dieser Sackgasse einen Weg findet. Nicht zurück zu einem halbfeudalen, halbkapitalistischen Modell, zum Kapitalismus der ursprünglichen Akkumulation, der über uns gekommen ist. Sondern zu einem neuen Typ des Sozialismus. Das war ein reales Projekt, das hätte verwirklicht werden können. Aber es wurde nichts draus.

Dies beschreibt treffend die Sicht junger russischer Linker, die sowohl kritisch auf die Ex-SU als auch kritisch auf die politisch-sozialen Umwälzungen sehen, hinter denen nicht zuletzt auch Nemzow, um den es hier ja geht, während der Jelzin-Zeit als Spitzen-Politiker stand. Und die ein Putin keineswegs zurückzunehmen bereit ist. Eher im Gegenteil. Auch wenn dieser Nemzow für ihn ein politischer Gegner war. Üblicherweise assoziiert man Frühkapitalismus und Proletariatselend mit dem England des 19. Jahrhundert.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon DarkLightbringer » Fr 11. Mär 2016, 09:28

schokoschendrezki hat geschrieben:(10 Mar 2016, 13:19)

Du wirst meine Bemerkung über Russland doch hoffentlich nicht als ein positives oder gar "unterwerfungsbereites" Statement aufgefasst haben ... Schau dir den russischen Film "Leviathan" an: Raubtierkapitalismus und Justiz-Willkür wie in einem Dickens-Roman und am Ende spendet der verbrecherischste Patriarch eine Kirche wie im alten Zarenreich. Auch wenn die Verhältnisse in der Sowjetunion keineswegs eine positive Alternative waren und sind ... sie sind jedenfalls nicht im mindesten mit denen im heutigen Russland zu vergleichen.

Nein, wurde natürlich nicht so aufgefasst.
Es ging aber doch um die Frage, was Linke (seien es ehemalige oder irritierte) dazu bewegt, dem Putinismus zu frönen. Es ging um die möglichen Motive und der frühkapitalistische Ansatz wird es ja wohl nicht sein. Was im Kreml gleich geblieben ist, das ist der Antiamerikanismus, alles andere mag sich verändert haben. Nehmen wir als Beispiel Sarah Wagenknecht - in einem Statement eröffnet sie mit der Bemerkung, der "Mafia-Kapitalismus" in der russischen Gesellschaft der Gegenwart sei natürlich abzulehnen, sodann aber folgt die typische lange Litanei über den Westen im allgemeinen und im besonderen. Das ist das, was ich als "Folklore" bezeichne.
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Re: Oppositionspolitiker Nemzow in Moskau erschossen

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 11. Mär 2016, 10:23

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Mar 2016, 09:28)

Nein, wurde natürlich nicht so aufgefasst.
Es ging aber doch um die Frage, was Linke (seien es ehemalige oder irritierte) dazu bewegt, dem Putinismus zu frönen. Es ging um die möglichen Motive und der frühkapitalistische Ansatz wird es ja wohl nicht sein. Was im Kreml gleich geblieben ist, das ist der Antiamerikanismus, alles andere mag sich verändert haben. Nehmen wir als Beispiel Sarah Wagenknecht - in einem Statement eröffnet sie mit der Bemerkung, der "Mafia-Kapitalismus" in der russischen Gesellschaft der Gegenwart sei natürlich abzulehnen, sodann aber folgt die typische lange Litanei über den Westen im allgemeinen und im besonderen. Das ist das, was ich als "Folklore" bezeichne.

Dazu passend eine recht kluge Analyse:
Im Bann des Chamäleons: Getrieben von antiamerikanischen Ressentiments sammeln sich Rechte und Linke hinter Wladimir Putin.

Und wo steht das? In der Jungle World ("Die linke Wochenzeitung"): http://jungle-world.com/artikel/2015/10/51540.html Haha ..
Mir geht es vor allem um eines: Dem Grau in Grau sowjetischer Gleichmacherei steht heute eine Realität gegenüber, in der ehemalige Ärzte und Professorinnen in Abfallkörben nach Verwertbarem suchen während gleichzeitig Millionärsparties laufen, in denen die Leute für Unsummen aus Brasilien importierte Schmetterlinge aufsteigen lassen. Planetenweit entfernt sind das heutige Russland und die ehemalige Sowjetunion.
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