Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Moderator: Moderatoren Forum 3

Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3728
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 08:07

Ich habe mal einen neues Thema aufgemacht, da es mir - insbesondere nach der gestrigen Nacht in Minsk - eine Diskussion wert scheint, wie Belarus sich in der Krise verhält - und weniger mit Waffenlieferungen zu tun hat. Kann das politisch völlig unbedeutende Belarus' das Zünglein an der Waage sein, das den Frieden ermöglichen hilft?

Teeernte » Do 12. Feb 2015, 02:07 hat geschrieben:
Westliche Kritiker bezeichnen das Land häufig als „letzte Diktatur Europas“........

Wenn Europa/US sich in der Ukraine mit Waffengewalt durchsetzen will - ist Weißrussland ...so arm es auch ist - als Basis für grüne Männlein ....ernst zunehmen....

Belarus und Lukaschenko sind ein ganz besonderer Fall und nicht mit einfachen "NATO vs Russland" - Kategorien zu erfassen.
Lukaschenko mag innenpolitisch ein fürchterlicher Despot sein, außenpolitisch kann er gut als "Alter Hase" durchgehen.
Innenpolitisch greift er neben der üblichen Repressionen die Motive des Maidan auf und gibt seinem Volk nationale Gefühle, eine Besinnung auf dieZeit vor 1795 findet z.Zt. In Belarus wie in der Ukraine statt. Nur eben von oben gesteuert.
Gleichzeitig meidet Lukaschenko natürlich den Westen wie der Teufel das Weihwasser, erstens ist seine Reguerungsform zu EU "inkompatibel", zweitens weiß er, das Putin sein Land noch eher zerdrücken könnte als die Ukraine.
Geschickt, wie er sich nun als Vermittler profiliert - damit erhöht er die Chancen für sein und Belarus' politisches Überleben gewaltig.
Nicht zu übersehen, dass er in der nahen Vergangenheit Poroschenko mit Worten und Taten in einer Art Solidarität versichert hat, die schon erstaunt...
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
Rautenberger
Beiträge: 1815
Registriert: Do 8. Mai 2014, 21:48

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Rautenberger » Do 12. Feb 2015, 14:21

Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 08:07 hat geschrieben:Geschickt, wie er sich nun als Vermittler profiliert - damit erhöht er die Chancen für sein und Belarus' politisches Überleben gewaltig.


Das halte ich für ziemlich übertrieben. Merkel und Hollande sind zähneknirschend nach Minsk gereist. Danach ist alles beim alten. Was Weißrussland höchstens ein bisschen aus der Schusslinie bringt, ist der wildgewordene Putin - weniger Lukaschenkos angebliches Geschick. Lukaschenkos Zeit wird irgendwann ablaufen. Seine Überlebenschancen haben sich nicht verbessert. Eher schon verschlechtert, weil es Russland - von dem Weißrussland total abhängig ist - wirtschaftlich schlecht geht.
Сильному обществу вожди не нужны!
Eine starke Gesellschaft braucht keine Führer!
Это - радость со слезами на глазах...
Kanzlerqualle

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Kanzlerqualle » Do 12. Feb 2015, 14:31

Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 08:07 hat geschrieben:Ich habe mal einen neues Thema aufgemacht, da es mir - insbesondere nach der gestrigen Nacht in Minsk - eine Diskussion wert scheint, wie Belarus sich in der Krise verhält - und weniger mit Waffenlieferungen zu tun hat. Kann das politisch völlig unbedeutende Belarus' das Zünglein an der Waage sein, das den Frieden ermöglichen hilft?


Geschickt, wie er sich nun als Vermittler profiliert ...

.. du kannst dich zu 111% darauf verlassen , daß Putin den Aljaksandr vorher angerufen hat und mit ihm schon ein entsprechendes Telefonat geführt hat ...
Benutzeravatar
Tantris
Beiträge: 37991
Registriert: So 22. Jun 2008, 08:13
Benutzertitel: Sihanoukville

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Tantris » Do 12. Feb 2015, 14:39

Kanzlerqualle » Do 12. Feb 2015, 15:31 hat geschrieben:.. du kannst dich zu 111% darauf verlassen , daß Putin den Aljaksandr vorher angerufen hat und mit ihm schon ein entsprechendes Telefonat geführt hat ...


Stimmt. Mit merkel aber auch. Sie hat den besten draht zu putin und geht deswegen "voran".

Ein D in der fuehrungsrolle, dass frieden stiftet... hm... davon koennen russen nur träumen...
Benutzeravatar
gallerie
Beiträge: 12936
Registriert: Sa 7. Jun 2008, 09:10

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon gallerie » Do 12. Feb 2015, 14:47

Kanzlerqualle » Do 12. Feb 2015, 20:31 hat geschrieben:.. du kannst dich zu 111% darauf verlassen , daß Putin den Aljaksandr vorher angerufen hat und mit ihm schon ein entsprechendes Telefonat geführt hat ...

....Quatsch!
Der Kamerad ist ein Ueberlebenskuenstler, der wird sich wede von Putin noch von irgend einer urkrainischen Regierung etwas vorfueheren machen wollen. Im gewissen Sinne ist der Bauer sogar Vorbild. Nirgends ist Osten ist die Korruption so besiegt worden wie in Belarus.
Benutzeravatar
Tantris
Beiträge: 37991
Registriert: So 22. Jun 2008, 08:13
Benutzertitel: Sihanoukville

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Tantris » Do 12. Feb 2015, 14:51

gallerie » Do 12. Feb 2015, 15:47 hat geschrieben:....Quatsch!
Der Kamerad ist ein Ueberlebenskuenstler, der wird sich wede von Putin noch von irgend einer urkrainischen Regierung etwas vorfueheren machen wollen. Im gewissen Sinne ist der Bauer sogar Vorbild. Nirgends ist Osten ist die Korruption so besiegt worden wie in Belarus.


Auch der uebergang zum kapitalismus verlief wesentlich weniger kriminell als in russ. richtig sympaathisch ist mir europas letzter diktator aber trotzdem nicht...
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3728
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 15:29

Tantris » Do 12. Feb 2015, 14:51 hat geschrieben:
Auch der uebergang zum kapitalismus verlief wesentlich weniger kriminell als in russ. richtig sympaathisch ist mir europas letzter diktator aber trotzdem nicht...


Dass er innenpolitisch nicht sauber ist, ist klar, deswegen werden die westlichen Regierungschefs ihn zu Recht nie als ihresgleichen betrachten. Und das er sakrisch aufpassen muss, den großen Bruder nicht zu sehr zu ärgern, ist auch klar.

Dennoch scheint mir Belarus inzwischen einen Kurs moskaukritischer Neutralität zu fahren, den ich noch vor einem Jahr für unmöglich gehalten hätte, insbesondere da es sich ja um ein Gründungsmitglied der Eurasischen Union handelt.

Zudem spielt Lukaschenko selbst seit einigen Jahren die nationale belarusische Karte und nicht mehr die grossrussische wie vorher, verwendet seither in Reden teilweise auch die belarusische Sprache. Deswegen meine Vermutung eines "Maidan von oben".

Und sollte der Waffenstillstand in der Ukraine funktionieren, kann sich Lukaschenko genau wie Merkel davon eine Scheibe abschneiden. Wird er dies nutzen, um sein Land aus der selbstgewählten Isolation zu führen?
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
Cobra9
Vorstand
Beiträge: 23007
Registriert: Mo 10. Okt 2011, 10:28

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Cobra9 » Do 12. Feb 2015, 16:55

Also ich finde die aktuelle Rolle von Weissrussland clever. Das war gar nicht dumm. Gut er ist ein Diktator aber was soll man jetzt ändern ?
Leben ist das was passiert, während du beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.
Benutzeravatar
Cooper
Beiträge: 348
Registriert: Fr 6. Feb 2015, 12:07

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Cooper » Do 12. Feb 2015, 17:04

Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 15:29 hat geschrieben:Und sollte der Waffenstillstand in der Ukraine funktionieren, kann sich Lukaschenko genau wie Merkel davon eine Scheibe abschneiden. Wird er dies nutzen, um sein Land aus der selbstgewählten Isolation zu führen?

Saß der denn mit am Tisch? Ich dachte, der hat nur seine Bude zur Verfügung gestellt.
Benutzeravatar
Rautenberger
Beiträge: 1815
Registriert: Do 8. Mai 2014, 21:48

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Rautenberger » Do 12. Feb 2015, 17:25

Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 15:29 hat geschrieben:
Dass er innenpolitisch nicht sauber ist, ist klar, deswegen werden die westlichen Regierungschefs ihn zu Recht nie als ihresgleichen betrachten. Und das er sakrisch aufpassen muss, den großen Bruder nicht zu sehr zu ärgern, ist auch klar.

Dennoch scheint mir Belarus inzwischen einen Kurs moskaukritischer Neutralität zu fahren, den ich noch vor einem Jahr für unmöglich gehalten hätte, insbesondere da es sich ja um ein Gründungsmitglied der Eurasischen Union handelt.


Das ist überhaupt nichts Neues. Lukaschenka balanciert seit Jahren zwischen Ost und West und bellt gelegentlich in Richtung Moskau. Das stört den Kreml nicht allzu sehr, denn er weiß, dass das Lukaschenka-Regime abhängig von Russland ist.

Zudem spielt Lukaschenko selbst seit einigen Jahren die nationale belarusische Karte und nicht mehr die grossrussische wie vorher, verwendet seither in Reden teilweise auch die belarusische Sprache. Deswegen meine Vermutung eines "Maidan von oben".


Nie im Leben! Luka ist doch nicht lebensmüde! Wenn er sein Land demokratisiert, muss er damit rechnen für seine Verbrechen vor Gericht gestellt zu werden. Außerdem schätze ich ihn so ein, dass er überhaupt nicht die Einsicht hat, dass es nötig wäre, in Weißrussland etwas zu ändern.

Und sollte der Waffenstillstand in der Ukraine funktionieren, kann sich Lukaschenko genau wie Merkel davon eine Scheibe abschneiden. Wird er dies nutzen, um sein Land aus der selbstgewählten Isolation zu führen?


Kann er ja kaum. Er ist erstmal nichts weiter als der Gastgeber der Konferenz. Schöne Fotos für den ansonsten in Europa isolierten Diktator - das war's dann auch schon.
Сильному обществу вожди не нужны!
Eine starke Gesellschaft braucht keine Führer!
Это - радость со слезами на глазах...
happySchland
Beiträge: 1501
Registriert: Mi 29. Jan 2014, 16:57

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon happySchland » Do 12. Feb 2015, 21:34

Europa2050 » Do 12. Feb 2015, 15:29 hat geschrieben:Und sollte der Waffenstillstand in der Ukraine funktionieren, kann sich Lukaschenko genau wie Merkel davon eine Scheibe abschneiden. Wird er dies nutzen, um sein Land aus der selbstgewählten Isolation zu führen?

Cooper » Do 12. Feb 2015, 17:04 hat geschrieben:Saß der denn mit am Tisch? Ich dachte, der hat nur seine Bude zur Verfügung gestellt.

Nüchtern betrachtet haben Sie Recht und nüchtern betrachtet, war Minsk bereits in den vorherigen Verhandlungen Verhandlungsort. Ist also keine große Sache.

Aber Weißrussland oder vielmehr Minsk ist der Ort an dem dann Frieden geschlossen wurde. Es mag sich dabei eigentlich nur um eine Fußnote handeln doch hat das Symbolwirkung nach innen und außen. In diesem Land, mit seiner Diktatur und seiner außenpolitischen Isolation das in keiner Weise Konfliktpartei ist, wurde der Ukraine-Konflikt gelöst und nur das bleibt hängen. Alleine schon das dieser Ort gewählt wurde, spricht für Weißrussland.
Es hat sich offensichtlich niemand an der Diktatur gestört.
Nach innen können die Medien Lukaschenko zu dem Mann machen, der die Friedensverhandlungen erst ermöglicht hat. Nach außen sichert sich Weißrussland vor zukünftiger Kritik ab und ist zugleich medial bei uns präsent.

Wie es Cobra9 gesagt hat: clever

Etwas zumindest ähnliches hat Putin versucht indem er der erste europäische Regierungschef war, der einen konkreten Friedensplan vorgelegt hat. Ironischerweise wird ein großer Teil davon jetzt fast 1 zu 1 übernommen. Nach innen wurde er der Mann der den Frieden bringt, nach außen wurde es für den Westen schwieriger verbal gegen Putin zu schießen... also bis die Waffenruhe gebrochen wurde, versteht sich. Man stelle sich nur vor der alte Friedensplan wäre aufgegangen. Man würde ganz anders von Putin/Russland schreiben.
Zuletzt geändert von happySchland am Do 12. Feb 2015, 21:34, insgesamt 1-mal geändert.
Bitte keine Wörter in den Mund legen und beim Thema bleiben.
Vielen Dank!
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3728
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Europa2050 » Mo 20. Apr 2015, 13:03

Rautenberger » Do 12. Feb 2015, 17:25 hat geschrieben:
Das ist überhaupt nichts Neues. Lukaschenka balanciert seit Jahren zwischen Ost und West und bellt gelegentlich in Richtung Moskau. Das stört den Kreml nicht allzu sehr, denn er weiß, dass das Lukaschenka-Regime abhängig von Russland ist.


Er bellt mal wieder und fährt dem Putin im wahrsten Sinne des Wortes "in die Parade".
http://www.bbc.com/news/world-europe-32363766 (4. Absatz).

Dafür fährt er aber am 7. und 8.5. nach Russland wegen Eurasischer Union und GUS und kondoliert auch am Grab des unbekannten Soldaten. Klingt wie Anerkennung der sowjetischen Leistung im WKII, aber keine Vereinnahmung durch Putin.

Seit Minsk II war es ja eher ruhig um Belarus. Lukaschenko musste wohl mal wieder zeigen, dass er auch noch da ist und immer noch nicht der Gouverneur der Russischen Nordwestprovinz.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3728
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Europa2050 » Fr 24. Apr 2015, 11:05

Lukaschenko setzt noch einen drauf:

Er bestätigt bei einem Besuch in Tiflis ausdrücklich, dass er (und damit natürlich auch ganz Belarus ;) )Georgien in den Grenzen vor der Russischen Invasion sieht, mahnt bessere Beziehungen zwischen Russland und Georgien an und sieht beim Handel zwischen dem EAU Mitglied Belarus und EU-Assoziiertem Georgien lösbare Probleme im Handel, den man zudem verstärken will.

Meine Quelle ist leider belarusisch, da die deutsche "Lügenpresse" News, die putinistischen Position zuwiderlaufen, ja unterdrückt :) und RT darüber auch nicht berichtet hat.

Aber Google kann helfen ...

http://news.tut.by/politics/445117.html
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
schokoschendrezki
Beiträge: 11809
Registriert: Mi 15. Sep 2010, 15:17
Benutzertitel: wurzelloser Kosmopolit
Wohnort: Berlin
Kontaktdaten:

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 24. Apr 2015, 11:35

Ein mindestens so guter Balancierer zwischen West und Ost und ein mindestens so rabiater Autokrat wie Lukaschenko ist der Präsident Kasachstans Nasarbajew. Beide haben das Problem, dass ihre Zeit altersbedingt sich dem Ende nähert. Kasachstan dürfte allerdings mit seinen Rohstoffen die ungleich bessere Ausgangslage haben. Ist aber vielleicht auch ein Thema für sich.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt
Doktor Schiwago

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Doktor Schiwago » Sa 9. Mai 2015, 23:05

Europa2050 » Mo 20. Apr 2015, 14:03 hat geschrieben:
Er bellt mal wieder und fährt dem Putin im wahrsten Sinne des Wortes "in die Parade".
http://www.bbc.com/news/world-europe-32363766 (4. Absatz).

Dafür fährt er aber am 7. und 8.5. nach Russland wegen Eurasischer Union und GUS und kondoliert auch am Grab des unbekannten Soldaten. Klingt wie Anerkennung der sowjetischen Leistung im WKII,

Kunststück, die weißrussische Leistung war ein Teil der sowjetischen.
Doktor Schiwago

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Doktor Schiwago » Sa 9. Mai 2015, 23:08

Europa2050 » Fr 24. Apr 2015, 12:05 hat geschrieben:Lukaschenko setzt noch einen drauf:

Er bestätigt bei einem Besuch in Tiflis ausdrücklich, dass er (und damit natürlich auch ganz Belarus ;) )Georgien in den Grenzen vor der Russischen Invasion sieht, mahnt bessere Beziehungen zwischen Russland und Georgien an und sieht beim Handel zwischen dem EAU Mitglied Belarus und EU-Assoziiertem Georgien lösbare Probleme im Handel, den man zudem verstärken will.

Meine Quelle ist leider belarusisch,

Deine Quelle ist nicht "belarusisch", sondern russisch. :D
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3728
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Europa2050 » Mi 13. Mai 2015, 15:23

Doktor Schiwago » Sa 9. Mai 2015, 23:08 hat geschrieben:Deine Quelle ist nicht "belarusisch", sondern russisch. :D


Das ist zwar Haarspalterei, aber wenn es Dir wichtig ist, ja es ist richtig, das die einen (BLR) die anderen (RU) zitieren. Meine Aussage war eher, dass ich nicht mit einer deutsch- oder englischsprachigen Quelle dienen kann, was ja prinzipiell verlangt ist.

Zur Zeit ist's aber mal wieder eher ruhig im Staate Belarus. Wahrscheinlich ist Eishockeyfan Lukaschenko zur Zeit zu sehr mit der WM in Tschechien beschäftigt und weiss nicht ob er sich mehr über den Sieg gegen die USA freuen oder die Klatsche gegen Russland ärgern soll ...
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.
Benutzeravatar
BelarussischerBub
Beiträge: 65
Registriert: Mi 27. Mai 2015, 22:11

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon BelarussischerBub » Mi 27. Mai 2015, 23:12

Für mich kommt das eigentlich eher so rüber, dass Lukaschenko in erster Linie nicht genervt werden will. Durch Minsk I, Minsk II und das Herumgetrete auf dem Imadge von Putin hat er nun auch im Ausland wieder eine akzeptable Position eingenommen, mehr will er doch gar nicht. Solange in Belarus alles gut läuft und niemand eine Invasion startet, fühlt er sich wohl, ihm fehlt es schließlich an nichts. Dass er Russland zwischendurch auch den einen oder anderen Tritt verpasst ist irgendwie auch klar, wenn Belarus mit in die Krise hineingezogen wird, weil der Rubel wegen der Politik Putins fällt (natürlich ist es aber kein Problem, dass der Belarussische Rubel wegen seiner eigenen Poltik fällt, aber das ist ja etwas völlig anderes *hust*). Belarus zieht aus der Krise allerdings auch Vorteile, ist damit wohl das einzige Land, dem es so geht. Das funktioniert ganz einfach: Wenn wegen den Gegensanktionen keine deutschen Äpfel mehr nach Russland geliefert werden dürfen, werden sie stattdessen nach Belarus geliefert und als belarussische weiter an Russland verkauft, in großer Auflage ist das ein rentables Geschäft. Aber mal ehrlich, hier glaubt doch wohl niemand wirklich, dass Lukaschenko später als Friedensstifter dastehen will? Das nimmt ihm doch niemand ab, egal, wie die Darstellung ausfällt. Er kann sich doch nur dadurch an der Macht halten, dass sein Selbstlob realistisch und glaubwürdig bleibt. Ich bin ein großer Fan seiner Innenpolitik und er selbst ist ein noch größerer - warum sich also in die Ukraine-Krise einmischen? Belarus ist schließlich seit 25 Jahren formell unabhängig, den meisten Belarussen beginnt das langsam zu dämmern. Innen erfolgreich und nach außen in alle Richtungen neutral, das ist doch das Konzept, mit dem Belarus funktioniert, der Mann ist viel zu stolz, als dass er sich von Putin so massiv beeinflussen lassen würde oder von sonst irgendwem. Solange alle Krisen und Kriege außerhalb unserer Grenzen bleiben, lassen wir sie Krisen und Kriege sein, kriechen sie langsam nach innen, beginnen wir zu treten... So soll es sein, so soll es bleiben!
Sturer Antikapitalist. Weil ich sehe, wie viel besser es funktioniert. Belarus, der lebende Beweis für die Überlegenheit der Planwirtschaft. Seht es euch bitte selbst an. Wir sind unermesslich stolz darauf.
Benutzeravatar
zollagent
Beiträge: 55045
Registriert: Mo 8. Aug 2011, 11:21

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon zollagent » Do 28. Mai 2015, 07:53

BelarussischerBub » Mi 27. Mai 2015, 23:12 hat geschrieben:Für mich kommt das eigentlich eher so rüber, dass Lukaschenko in erster Linie nicht genervt werden will. Durch Minsk I, Minsk II und das Herumgetrete auf dem Imadge von Putin hat er nun auch im Ausland wieder eine akzeptable Position eingenommen, mehr will er doch gar nicht. Solange in Belarus alles gut läuft und niemand eine Invasion startet, fühlt er sich wohl, ihm fehlt es schließlich an nichts. Dass er Russland zwischendurch auch den einen oder anderen Tritt verpasst ist irgendwie auch klar, wenn Belarus mit in die Krise hineingezogen wird, weil der Rubel wegen der Politik Putins fällt (natürlich ist es aber kein Problem, dass der Belarussische Rubel wegen seiner eigenen Poltik fällt, aber das ist ja etwas völlig anderes *hust*). Belarus zieht aus der Krise allerdings auch Vorteile, ist damit wohl das einzige Land, dem es so geht. Das funktioniert ganz einfach: Wenn wegen den Gegensanktionen keine deutschen Äpfel mehr nach Russland geliefert werden dürfen, werden sie stattdessen nach Belarus geliefert und als belarussische weiter an Russland verkauft, in großer Auflage ist das ein rentables Geschäft. Aber mal ehrlich, hier glaubt doch wohl niemand wirklich, dass Lukaschenko später als Friedensstifter dastehen will? Das nimmt ihm doch niemand ab, egal, wie die Darstellung ausfällt. Er kann sich doch nur dadurch an der Macht halten, dass sein Selbstlob realistisch und glaubwürdig bleibt. Ich bin ein großer Fan seiner Innenpolitik und er selbst ist ein noch größerer - warum sich also in die Ukraine-Krise einmischen? Belarus ist schließlich seit 25 Jahren formell unabhängig, den meisten Belarussen beginnt das langsam zu dämmern. Innen erfolgreich und nach außen in alle Richtungen neutral, das ist doch das Konzept, mit dem Belarus funktioniert, der Mann ist viel zu stolz, als dass er sich von Putin so massiv beeinflussen lassen würde oder von sonst irgendwem. Solange alle Krisen und Kriege außerhalb unserer Grenzen bleiben, lassen wir sie Krisen und Kriege sein, kriechen sie langsam nach innen, beginnen wir zu treten... So soll es sein, so soll es bleiben!

Ein Diktator wird nie eine akzeptable Position einnehmen. Man wird sich mit ihm arrangieren, das aber ist auch schon alles.
Wer an Absurditäten glaubt, wird Abscheulichkeiten begehen. (Voltaire)
Benutzeravatar
Europa2050
Beiträge: 3728
Registriert: Di 4. Mär 2014, 08:38
Benutzertitel: Kein Platz für Nationalismus

Re: Belarus' und Lukaschenkos Verhalten in der Ukraine-Krise

Beitragvon Europa2050 » Do 28. Mai 2015, 14:20

zollagent » Do 28. Mai 2015, 07:53 hat geschrieben:Ein Diktator wird nie eine akzeptable Position einnehmen. Man wird sich mit ihm arrangieren, das aber ist auch schon alles.

Ich sehe Parallelen zu einem anderen Autokraten, der als kommunistischer Partisan begann, und als weltweit akzeptierter Blockfreier endete - Josip Broz Tito.
So wie Jugoslawien auf Kurs zu halten damals innen- und aussenpolitisch ein Meisterwerk war, ist es in Belarus heute.
Und so wie der Westen mit Tito (und in der anderen politischen Ecke Franco) zurecht kam, wird er es mit Lukaschenko, wenn der nicht aussenpolitisch nervt und weiter auf angemessener Distanz zu Putin bleibt. Und umgedreht sieht Putin das genau so.
Leider sehe ich die gleiche Gefahr wie bei Tito - wenn der Chef weg ist, gibt's Chaos.
Nationalismus lehrt Dich,
stolz auf Dinge zu sein, die Du nie getan hast und
Leute zu hassen, denen Du nie begegnet bist.

Zurück zu „33. Osteuropa - GUS - Kaukasus“

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 2 Gäste