Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

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Tankist
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Tankist » So 30. Nov 2014, 13:19

Naja, ob Russen Europäer sind ist umstritten. Oft sehen sie sich selbst nicht als Europäer.
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Adam Smith
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Adam Smith » So 30. Nov 2014, 13:23

Dieter Winter » So 30. Nov 2014, 13:18 hat geschrieben:
"Wenn man den Russen kratzt, kommt der Tatar zum Vorschein"


Die Tataren sind ein Turkvolk.

Tataren (Eigenbezeichnung: Tatar oder Törk-Tatar, Pl. Tatarlar oder Törk-Tatarları) oder – älter – Tartaren ist seit der Antike in türkischen Quellen (Orchon-Runen) und seit dem europäischen Mittelalter eine Bezeichnung für verschiedene überwiegend muslimische Turkvölker und Bevölkerungsgruppen.


http://de.wikipedia.org/wiki/Tataren
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Alexyessin » So 30. Nov 2014, 13:24

Dieter Winter » So 30. Nov 2014, 13:18 hat geschrieben:
"Wenn man den Russen kratzt, kommt der Tatar zum Vorschein"


Willst du dich jetzt ernsthaft über Ethnologie unterhalten, oder lieber nicht?
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon schokoschendrezki » So 30. Nov 2014, 21:39

Was hier mal wiede für einen Quatsch zusammengeredet wird ... mal abgesehen davon, dass Russland (Tolstoi? Dostojewski? Eisenstein? Puschkin? Malewitsch? Kolmogorow? usw. usf. ) nicht nur irgendwie zu Europa dazugehört, sondern ein wesentlicher Eckpfeiler europäischer Kultur, gleichauf mit Frankreich, Italien, Spanien usw. ist ... die moldawische Sprache ist im Prinzip nur eine andere Bezeichnung für "rumänisch" , ansonsten identisch, also für einen Vertreter der Sprachfamilie zu der auch Italienisch gehört. Dass Moldaiwen nicht europäisch sei ist mithin eine so milchmädchenweise Wahrheit wie die Behauptung Italien habe nix mit Europa zu tun.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Rautenberger » Mo 1. Dez 2014, 17:35

Offenbar haben's die proeuropäischen Parteien noch einmal geschafft. Wie man hört aber nicht ganz sauber: Viele in Russland lebende Moldawier konnten nicht abstimmen, weil viel zu wenige Wahllokale eingerichtet waren. Und das könnte bewusst kalkuliert gewesen sein. Denn die moldawischen Gastarbeiter in Russland dürften mehrheitlich gegen eine EU-Annäherung ihres Landes eingestellt sein. Aus verständlichen Gründen: Moskau hat gedroht sie hinauszuwerfen, sollte sich ihr Heimatland für den Westkurs entscheiden. Den Trick, die Landsleute im Ausland an der Wahl zu hindern, hatte schon Rumäniens Ministerpräsident Ponta anzuwenden versucht und sich dabei gründlich verspekuliert.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 1. Dez 2014, 18:03

Das unionistisch liberale Lager mit 3 Parteien liegt vorne. Sozialisten: 21,5 %, Kommunisten: 18 %.

Sozialisten-Führer Dogon kündigte an, er werde eine Opposition zusammenstellen, die die "europäischen Integrationisten mit Angst erzittern lässt".
http://de.reuters.com/article/worldNews ... GE20141201

Der Chef der Liberaldemokraten warf indes Russland vor, für den Erfolg der Sozialisten "gesorgt" zu haben.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 1. Dez 2014, 18:12

Die Wahlberichte im Europa westlich von Moldawien - um mal nicht diesen schwammingen Begriff "Der Westen" zu verwenden - sind in ihrer fieberhaften Erwartung "Pro Russisch" oder "Pro Europäisch"? - als wenn es um ein Bundesligaspiel ginge, einigermaßen zynisch. Die Lebensverhältnisse in Moldawien sind - selbst verglichen mit den ärmsten Regionen der Ukraine - so katastrophal wie nirgends sonst in Europa. Wenn Du eine Niere verkaufen musst, um buchtsäblich deine Familie vor dem Hunger zu bewahren, ist dir ein Bekenntnis zu irgendeiner kulturellen Identität erst mal vollkommen gleichgültig. Ich würde das Verhältnis Westeuropas zu Moldawien deshalb persönlich auch daran bemessen, inwiewiet es geeignet ist, die Lebensverhältnisse der Moldawier zu verbessern. Völlig unabhängig von potenziellen Bündnisstärkungen oder Bündnisschwächungen.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Rautenberger » Mo 1. Dez 2014, 18:36

DarkLightbringer » Mo 1. Dez 2014, 18:03 hat geschrieben:Das unionistisch liberale Lager mit 3 Parteien liegt vorne. Sozialisten: 21,5 %, Kommunisten: 18 %.

http://de.reuters.com/article/worldNews ... GE20141201

Der Chef der Liberaldemokraten warf indes Russland vor, für den Erfolg der Sozialisten "gesorgt" zu haben.

An Manipulationen zugunsten der Sozialisten glaube ich eigentlich nicht - eher im Gegenteil. In Russland soll es trotz Tausender dort lebender Moldauer nur wenige Wahllokale gegeben haben - das kommt einem von der rumänischen Präsidentschaftswahl bekannt vor. Für den Erfolg der Sozialisten hat die Angstkampagne des Kreml gesorgt (moldawische Gastarbeiter ausweisen, Weinboykott etc.).
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 10:15

Alexyessin » So 30. Nov 2014, 13:24 hat geschrieben:
Willst du dich jetzt ernsthaft über Ethnologie unterhalten, oder lieber nicht?


Mit dir?

Nö.

Ich habe hier lediglich zitiert, was mir Russen über Russen gesagt haben. Zwar wird das Zitat Napoleon zugeschrieben, aber viele Russen gehen, meiner Erfahrung nach, damit durchaus konform. Soll heißen: Sie sehen sich nicht vollumfänglich als Europäer.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Rautenberger » Di 2. Dez 2014, 12:01

Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 10:15 hat geschrieben:
Mit dir?

Nö.

Ich habe hier lediglich zitiert, was mir Russen über Russen gesagt haben. Zwar wird das Zitat Napoleon zugeschrieben, aber viele Russen gehen, meiner Erfahrung nach, damit durchaus konform. Soll heißen: Sie sehen sich nicht vollumfänglich als Europäer.

Europäer, Asiaten, Tataren - das sind alles nur Plattitüden. In Asien gibt es auch Demokratien ebenso wie es in Europa noch vereinzelt Diktaturen gibt. Zutreffender ist, dass sich Russland und die Russen als ihr eigener Kosmos begreifen und deshalb nicht so einfach wie andere, kleinere europäische Länder, Konzepte aus dem Ausland übernehmen. Dass sich Moskau Brüssel unterordnen könnte ist für Russen nicht denkbar.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 12:04

Rautenberger » Di 2. Dez 2014, 12:01 hat geschrieben:Europäer, Asiaten, Tataren - das sind alles nur Plattitüden. In Asien gibt es auch Demokratien ebenso wie es in Europa noch vereinzelt Diktaturen gibt. Zutreffender ist, dass sich Russland und die Russen als ihr eigener Kosmos begreifen und deshalb nicht so einfach wie andere, kleinere europäische Länder, Konzepte aus dem Ausland übernehmen. Dass sich Moskau Brüssel unterordnen könnte ist für Russen nicht denkbar.



Natürlich nicht. Das dürfte auch auf die meisten der größeren EU Staaten zutreffen. Der Traum von der Auslöschung der Nationen im Aufgehen in einer EU ist eine exklusiv deutsche Befindlichkeit.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Rautenberger » Di 2. Dez 2014, 12:46

Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 12:04 hat geschrieben:Natürlich nicht. Das dürfte auch auf die meisten der größeren EU Staaten zutreffen. Der Traum von der Auslöschung der Nationen im Aufgehen in einer EU ist eine exklusiv deutsche Befindlichkeit.

Das ist etwas anderes. Russland hat ein Großmachtbewusstsein, das auch durch seine räumliche Ausdehnung begründet ist. Das trifft auf die großen EU-Staaten nicht zu. Denen dürfte bei rationaler Betrachtung klar sein, dass sie allein in der Welt nichts bewerkstelligen können - bei Russland ist das ganz anders. Selbst den Briten, die von der EU nichts wissen wollen, ist das klar - sie würden ja die EU auch nicht ohne Ersatz verlassen, sondern sich dann vollends den Amis an den Hals schmeißen.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Tantris » Di 2. Dez 2014, 12:50

Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 13:04 hat geschrieben:

Natürlich nicht. Das dürfte auch auf die meisten der größeren EU Staaten zutreffen. Der Traum von der Auslöschung der Nationen im Aufgehen in einer EU ist eine exklusiv deutsche Befindlichkeit.


Hm... wo finde ich solche deutsche?
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Fadamo » Di 2. Dez 2014, 12:52

Adam Smith » So 30. Nov 2014, 11:22 hat geschrieben: Moldawien wird aber langfristig gesehen der EU beitreten.


Hoffentlich nicht.Ich hab keine lust auch noch dieses land mit durchzufüttern.
Ein großeuroepa brauchen wir auch nicht.
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Dieter Winter
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 13:01

Tantris » Di 2. Dez 2014, 12:50 hat geschrieben:
Hm... wo finde ich solche deutsche?


Z. B. in Oggersheim:

http://www.focus.de/politik/deutschland ... 41546.html
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Blickwinkel » Di 2. Dez 2014, 13:55

Fadamo » Di 2. Dez 2014, 13:52 hat geschrieben:
Hoffentlich nicht.Ich hab keine lust auch noch dieses land mit durchzufüttern.
Ein großeuroepa brauchen wir auch nicht.


Wen kannst du denn schon mitfüttern?
Nichts ist in der Regel unsozialer als der sogenannte Wohlfahrtsstaat, der die menschliche Verantwortung erschlaffen und die individuelle Leistung absinken läßt. (Ludwig Erhard)
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon jan2009 » Di 2. Dez 2014, 14:13

Dieter Winter » Di 2. Dez 2014, 12:04 hat geschrieben:

Natürlich nicht. Das dürfte auch auf die meisten der größeren EU Staaten zutreffen. Der Traum von der Auslöschung der Nationen im Aufgehen in einer EU ist eine exklusiv deutsche Befindlichkeit.

Das stimmt doch nicht.
Egal, ob die Spinner von 1993 nun durch die neuen 2014 ersetzt werden.
Mittlerweile begreifen in der Mehrheit wohl auch die Menschen auch in Oggersheim, dass die Aufgabe der EU keinesfalls darin besteht, ihnen die Sprache oder Kultur zu rauben.
Putins erfolgreiche Versuche LePen, Jobbik und andere (auch den deutschen Kameraden - Udo) als seine Fans und Verbündete zu gewinnen, ist nur der Beweis dafür, wem eigentlich das europäische Haus und seine politische und wirtschaftliche Stärke beim Kochen mit den nationalistischen Gewürzen immer noch nicht schmeckt und im Halse stecken bleibt.....
Zuletzt geändert von jan2009 am Di 2. Dez 2014, 18:44, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Tantris » Di 2. Dez 2014, 14:15

Fadamo » Di 2. Dez 2014, 13:52 hat geschrieben:
Hoffentlich nicht.Ich hab keine lust auch noch dieses land mit durchzufüttern.
Ein großeuroepa brauchen wir auch nicht.


So teuer und anmassend wie die ossis sind die schon nicht. Mach dir mal keine sorgen!
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon schokoschendrezki » Di 5. Mai 2015, 08:54

Alexyessin » So 30. Nov 2014, 11:25 hat geschrieben:Hast du da was zum Nachlesen?

Was in dem verlinkten Artikel anlässlich der Wahlen angedeutet wurde:
Doch weder Ministerpräsident Iurie Leanca, noch der Parteivorsitzende Vlad Filat ist auf ihren Plakaten zu sehen. Filat gehört zu den Oligarchen des Landes und ist als hochkorrupt verschrien, sein Foto wäre kontraproduktiv. Leanca ist populär und gilt als integer, aber da ihn Filat als Rivalen fürchtet, ist auch er in diesem Wahlkampf unsichtbar.
Eine besonders negative Rolle spielt der Oligarch und Medienmogul Vladimir Plahotniuc. Er ist der stellvertretende Vorsitzende der linken Demokratischen Partei (PDM), die gemeinsam mit der konservativen PLMD und der liberalen PLM der proeuropäischen Koalition angehört. Als sie an die Macht kam, teilten sich die Parteien die Ministerien und Institutionen unter sich auf. Da in den Parteien Oligarchen die eigentliche Macht ausüben, setzten sich letztlich deren persönliche Interessen durch. Im Besonderen gilt das für den Bereich der Korruptionsbekämpfung, der den Demokraten Plahotniucs untersteht. Über seine Medien und seinen Einfluss auf die Anti-Korruptionsbehörde setzt Plahotniuc politische Gegner und wirtschaftliche Konkurrenten unter Druck. Anders als im benachbarten Rumänien wird gegen Korruption in der Republik Moldau nicht ganz oben, sondern nur auf den unteren Rängen angegangen.

hat sich am letzten Wochenend leider noch zugespitzt. Erstmalig seit längerer Zeit gingen wieder mehr als 10000 Menschen in der Hauptstadt Chisinau demonstrieren. Das beherrschende Thema dort wie schon seit Wochen ist das "Verschwinden" von einer Milliarde Dollar Staatsgelder (letztlich EU-Fördergelder) im Zusammenhang mit einer Bankenprivatisierung. Zu Filat und Plahotniuc kommt in diesem Zusammenhang vor allem noch der aus Israel stammende Ilan Shor. Groß-Oligarch, Sportförderer und Besitzer des einzigen Internationalen Airports Moldawiens.

Als Schlüsselfigur des Skandals gilt der 28 Jahre alte Oligarch Ilan Shor, der Ehemann der russischen Pop-Ikone Jasmina. Shor gehört zu den reichsten Unternehmern des Landes. Er hatte sich 2013 im Zuge der Privatisierung in den Besitz der Banca de Economii und der Banca Sociala gebracht. Der Transfer der Anteile soll unter der Mitwirkung des damaligen Ministerpräsidenten und gegenwärtigen Vorsitzenden der proeuropäischen Liberaldemokratischen Partei (PLDM), Vlad Filat, sowie des noch erheblich mächtigeren Oligarchen und Medienmoguls Vlad Plahotniuc erfolgt sein, der dem Vorstand der Demokratischen Partei (PD) angehört.

(FAZ vom 19.2.15)

Die formale EU-Annäherung der 3-Parteien-Allianz wird von den wirklich mächtigen Leuten in diesen Parteien hintertrieben, da eine solche EU-Annäherung immer auch Transparenz bedeutet. Der Grad an Korruption und Filz und vor allem der ungeheure soziale Gegensatz zwischen einer Handvoll Superreicher und der extrem armen Mehrheit ist noch weit stärker als in der Ukraine.

Siehe auch aktuell: http://www.heise.de/tp/artikel/44/44841/1.html
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Re: Moldawien wählt: EU-Annäherung am Ende?

Beitragvon Rautenberger » Sa 9. Mai 2015, 20:24

schokoschendrezki » Mo 1. Dez 2014, 18:12 hat geschrieben:Die Wahlberichte im Europa westlich von Moldawien - um mal nicht diesen schwammingen Begriff "Der Westen" zu verwenden - sind in ihrer fieberhaften Erwartung "Pro Russisch" oder "Pro Europäisch"? - als wenn es um ein Bundesligaspiel ginge, einigermaßen zynisch. Die Lebensverhältnisse in Moldawien sind - selbst verglichen mit den ärmsten Regionen der Ukraine - so katastrophal wie nirgends sonst in Europa. Wenn Du eine Niere verkaufen musst, um buchtsäblich deine Familie vor dem Hunger zu bewahren, ist dir ein Bekenntnis zu irgendeiner kulturellen Identität erst mal vollkommen gleichgültig. Ich würde das Verhältnis Westeuropas zu Moldawien deshalb persönlich auch daran bemessen, inwiewiet es geeignet ist, die Lebensverhältnisse der Moldawier zu verbessern. Völlig unabhängig von potenziellen Bündnisstärkungen oder Bündnisschwächungen.


Das ist weniger zynisch als es scheint. Denn wenn sich Moldawien Russland zuwendet wird sich an den prekären Lebensverhältnissen leider nicht viel ändern - außer dass vielleicht ein paar Ölmilliarden nach Moldawien fließen, mit denen Putin sich die Loyalität der ehemaligen Sowjetrepublik erkauft. Als Russophiler würde ich es mir auch anders wünschen, aber mit Putin ist leider kein Blumentopf zu gewinnen.

Die Hinwendung nach Westen ist keine Garantie für eine Verbesserung der Verhältnisse - aber sie bietet zumindest die Chance dazu. Die letzten Nachrichten aus Chisinau deuten leider darauf hin, dass die dortige Regierung die Chance mal wieder verstreichen lässt - ähnlich wie in der Ukraine stehen die örtliche Oligarchen auf der Bremse, wenn es um Reformen geht. Sie fürchten um ihre Pfründe.
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