Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Nomen Nescio » Di 10. Apr 2018, 19:45

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(10 Apr 2018, 20:33)

Die Ukraine muss ihre Probleme schon selbst lösen. Immer nur vom Ausland was erwarten bringt nichts.

solange putin waffen usw nach der ukraine bringen läßt und den konflikt schürt, solange wird es unruhig bleiben. und das ist seehr gelinde gesagt.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon imp » Di 10. Apr 2018, 19:50

Nomen Nescio hat geschrieben:(10 Apr 2018, 20:45)

solange putin waffen usw nach der ukraine bringen läßt und den konflikt schürt, solange wird es unruhig bleiben.

Ja, wenn das so ist, sollten sie vielleicht keine Waffen in Russland kaufen.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Nomen Nescio » Di 10. Apr 2018, 19:57

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(10 Apr 2018, 20:50)

Ja, wenn das so ist, sollten sie vielleicht keine Waffen in Russland kaufen.

sie, die rebellen, bekommen es offensichtlich auf kredit der russische regierung.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon zollagent » Mi 11. Apr 2018, 07:55

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(10 Apr 2018, 20:50)

Ja, wenn das so ist, sollten sie vielleicht keine Waffen in Russland kaufen.

Das impliziert wieder, es seien von Russland völlig losgelöste Formationen. Sind es nicht. Es sind von Russland geförderte und materiell unterstützte Aufständische.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Cobra9 » Mi 11. Apr 2018, 08:17

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(10 Apr 2018, 20:50)

Ja, wenn das so ist, sollten sie vielleicht keine Waffen in Russland kaufen.


Ach Russland verkauft moderne Hardware an jeden Zivilisten :rolleyes: Klar moderne Panzer kosten auch nix. Bitte das ist lächerlich. Die OSZE hat mehrfache russ. Systeme bestätigt.

Russland unterstützt die Sepas, das ist auch beleget und die Handlungsweise von Russland ist vom internationalen Strafgerichtshof als Verbrechen eingestuft

https://www.forbes.com/sites/paulroderi ... 4150107ddb

Russland sollte versuchen den Schaden zu minimieren. Einer UN Mission zustimmen damit auch die Sepas eine faire Behandlung erfahren. Kann man alles erreichen wenn man will.

Die Ukraine wird 10-20 Jahre nicht in die EU oder NATO kommen. Aber teuer wird's noch für Russland, wenn Gerichte der Ukraine auch weiterhin Recht geben. Aber auch hier könnte Putin punkten. Einfach Gegenrechnen erstmal. Bei X findet man zusammen. Dazu Ersatz Zahlung für illegale Beschlagnahmen. Damit würde Russland viel Boden gut machen

Die Krim ist eh verloren für die Ukraine.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Do 19. Apr 2018, 09:38

Ukraine verbessert sich im Ranking der Feuerkraft um einen Rang und liegt damit nur noch knapp hinter dem NATO-Partner Griechenland..

Israel: Platz 16
Griechenland: Platz 28
Ukraine: Platz 29
Tschechien: Platz 30
Weißrussland: Platz 42
Ungarn: Platz 57

https://www.ukrinform.de/rubric-defense ... nking.html
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 10:22

DarkLightbringer hat geschrieben:(10 Apr 2018, 16:21)

Russland ist unsicher. Krieg ist letztlich ein sehr schlechtes Geschäft.

Ohne politische Lösung wird Nordstream 2 nicht möglich sein. Das ist sehr deutlich gesagt worden. Es liegt jetzt an Moskau, Fortschritte zu erwägen, die bislang nicht erzielt werden konnten - oder wie die Kanzlerin so schön sagt: "sehr überschaubar ist, um es schon zu positiv zu sagen".

Ich weiß nicht. Ist denn das Projekt überhaupt noch zu verhindern? Im Fährhafen Sassnitz-Mukran lagern bereits die Rohre für die Gaspipeline und an mir sind am Wochenende auf der Strecke Stralsund-Berlin gleich zwei weitere Güterzüge vorbeigefahren, die offensichtlich beide ebenfalls mit Rohrleitungen für NS2 beladen waren. Finnland hat Anfang April alle Baugenehmigungen erteilt ...

Obwohl es eigentlich absurd ist. Die EU-Kommision ist Verhandlungspartner mit Russland bezüglich des Projektes. Gleichzeitig wurde - u.a. auch mit EU-Mitteln - nur wenige Kilometer vom geplanten Endpunkt der NS2-Leitungen im polnischen Swinemünde ein modernes LNG-Terminal gebaut. Um eben von festen Lieferanten wie Russland unabhängig zu werden und Gas je nach Bedarf von irgendwoher zu beziehen. Ich denke mal, bei diesen Milliardengeschäften gibt es zahlreiche Interessenslagen auch jenseits der offiziellen Politik.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 23. Apr 2018, 11:06

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Apr 2018, 11:22)

Ich weiß nicht. Ist denn das Projekt überhaupt noch zu verhindern? Im Fährhafen Sassnitz-Mukran lagern bereits die Rohre für die Gaspipeline und an mir sind am Wochenende auf der Strecke Stralsund-Berlin gleich zwei weitere Güterzüge vorbeigefahren, die offensichtlich beide ebenfalls mit Rohrleitungen für NS2 beladen waren. Finnland hat Anfang April alle Baugenehmigungen erteilt ...

Obwohl es eigentlich absurd ist. Die EU-Kommision ist Verhandlungspartner mit Russland bezüglich des Projektes. Gleichzeitig wurde - u.a. auch mit EU-Mitteln - nur wenige Kilometer vom geplanten Endpunkt der NS2-Leitungen im polnischen Swinemünde ein modernes LNG-Terminal gebaut. Um eben von festen Lieferanten wie Russland unabhängig zu werden und Gas je nach Bedarf von irgendwoher zu beziehen. Ich denke mal, bei diesen Milliardengeschäften gibt es zahlreiche Interessenslagen auch jenseits der offiziellen Politik.

Rohre rollen für den Sieg ? ;)

Gewiss gibt es da verschiedene Manager verschiedener Unternehmen, die ein Interesse klar gemacht haben. Es ist ja nicht nur die Schröder-Connection.
Die neue Rhetorik der Entschlossenheit wird aber reale Druckmittel brauchen, wenn sie den Dialog des Fruchtlosen überwinden will. Ein symbolischer Boykott der Fußball-WM wird nicht ausreichen, die Beschränkung diverser Oligarchen schon eher und das Kippen der Ostsee-Röhre erst recht.

Selbst in der Syrien-Krise fordert Maas von Moskau "konstruktive Angebote". Das ist in dieser Deutlichkeit neu, wird aber ebenso wirkungslos verpuffen, wenn es denn nicht mit irgendetwas Konkretem verbunden wird. Das ist der Punkt. Das tägliche Mantra vom ewigen Dialog beherrschten Gabriel und Steinmeier im Schlaf, gebracht hat es freilich nichts.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 23. Apr 2018, 12:04

DarkLightbringer hat geschrieben:(23 Apr 2018, 12:06)

Rohre rollen für den Sieg ? ;)

Gewiss gibt es da verschiedene Manager verschiedener Unternehmen, die ein Interesse klar gemacht haben. Es ist ja nicht nur die Schröder-Connection.
Die neue Rhetorik der Entschlossenheit wird aber reale Druckmittel brauchen, wenn sie den Dialog des Fruchtlosen überwinden will. Ein symbolischer Boykott der Fußball-WM wird nicht ausreichen, die Beschränkung diverser Oligarchen schon eher und das Kippen der Ostsee-Röhre erst recht.

Selbst in der Syrien-Krise fordert Maas von Moskau "konstruktive Angebote". Das ist in dieser Deutlichkeit neu, wird aber ebenso wirkungslos verpuffen, wenn es denn nicht mit irgendetwas Konkretem verbunden wird. Das ist der Punkt. Das tägliche Mantra vom ewigen Dialog beherrschten Gabriel und Steinmeier im Schlaf, gebracht hat es freilich nichts.

Zur Erinnerung: Der jetzige ukrainische Außenminister Klimkin, der sich so lobend über Maas äußert, hat den früheren Außenminister Deschtschyzja 2014 vor allem deshalb abgelöst, weil letzterer sich in "vulgärsprachlicher" Form über Putin geäußert hat. Und auch der neue deutsche und relativ moskaukritische Außenminister Maas verlangt aktuell zur Lösung der Ukraine-Krise(n) eine "Rückkehr zum Normandieformat", unter Einschluss Russlands also. Noch schlimmer als wirkungslose Diplomatie ist nur noch gar keine Diplomatie.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 23. Apr 2018, 12:20

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:04)

Zur Erinnerung: Der jetzige ukrainische Außenminister Klimkin, der sich so lobend über Maas äußert, hat den früheren Außenminister Deschtschyzja 2014 vor allem deshalb abgelöst, weil letzterer sich in "vulgärsprachlicher" Form über Putin geäußert hat. Und auch der neue deutsche und relativ moskaukritische Außenminister Maas verlangt aktuell zur Lösung der Ukraine-Krise(n) eine "Rückkehr zum Normandieformat", unter Einschluss Russlands also. Noch schlimmer als wirkungslose Diplomatie ist nur noch gar keine Diplomatie.

Natürlich können sich nur Kriegsparteien auf den Waffenstillstand einigen, wer denn sonst ? Putins Russland kann im Normandie-Format ein "konstruktives Angebot" (Maas) machen oder in jedem anderen Format.

Eine Rückkehr Russlands zum G-7-Format schloss Maas allerdings aus, trotz innerparteilicher Widerstände. Die Oppositionsparteien FDP und Linke hatten gefordert, Moskau solle nach Toronto eingeladen werden.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Mo 23. Apr 2018, 12:32

Klimkin: "Russland ist nicht bereit, etwas richtiges zu machen"
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/kl ... s-100.html

Es spielt eigentlich keine große Rolle, in welchem Gesprächsformat man nichts "richtiges" machen will.

Maasens Haltung ist zu begrüßen, das Lob des ukrainischen Außenministers nur allzu verständlich. Wir sollten den Dialog mit Partnern suchen, mit Osteuropa und anderen. Mit Gegen-Akteuren verhandelt man, insofern überhaupt irgend etwas auf dem Tisch liegt.

Klimkin ist zum G-7-Treffen eingeladen worden. Gut so, ganz ausgezeichnet.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Di 24. Apr 2018, 08:52

DarkLightbringer hat geschrieben:(23 Apr 2018, 13:32)

https://www.zdf.de/nachrichten/heute/kl ... s-100.html

Es spielt eigentlich keine große Rolle, in welchem Gesprächsformat man nichts "richtiges" machen will.

Maasens Haltung ist zu begrüßen, das Lob des ukrainischen Außenministers nur allzu verständlich. Wir sollten den Dialog mit Partnern suchen, mit Osteuropa und anderen. Mit Gegen-Akteuren verhandelt man, insofern überhaupt irgend etwas auf dem Tisch liegt.

Klimkin ist zum G-7-Treffen eingeladen worden. Gut so, ganz ausgezeichnet.


Das ist an sich positiv. Aber auch die Ukraine ist nicht G7-Mitglied. Insofern wäre es aus meiner Sicht gar kein Problem, auch den russischen Außenminister einzuladen.

Das Ringen um Nord Stream 2 ist ein Tauziehen um Wirtschaftsinteressen. Das ist gar keine Frage. Die USA können ihr Fracking-Gas gar nicht anders als über LNG-Terminals nach Europa verkaufen. Diese Tatsache wird gegenwärtig über die America-First-Parole wirtschaftlich politisiert. Und auf der anderen Seite steht Gasprom. Nicht nur Schalke-04-Hauptsponsor sondern auch der eigentlich starke Arm der russischen Politmaffia. Ich glaube, man muss sehr aufpassen, sich in diesem Kampf der Giganten nicht politisch instrumenatlisieren zu lassen. Für welche Seite auch immer. Nicht nur in den USA und Russland, auch in der Ukraine selbst haben mächtige Oligarchen das sagen und nicht die um Freiheit und Demokratie und Wohlstand ringende Bevölkerung.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Di 24. Apr 2018, 09:48

schokoschendrezki hat geschrieben:(24 Apr 2018, 09:52)

Das ist an sich positiv. Aber auch die Ukraine ist nicht G7-Mitglied. Insofern wäre es aus meiner Sicht gar kein Problem, auch den russischen Außenminister einzuladen.
Klimkin ist eingeladen, Lawrow nicht - der Witz an diesem Signal ist eben, dass es ein Signal ist. Der neue Realismus, für den Maas in besonderer Weise steht, nimmt zur Kenntnis, ob es von russischer Seite einen konstruktiven Beitrag gibt oder nicht. Es geht nicht darum, in möglichst vielen Formaten und Dialogen zu verstehen, warum nichts kommt.
Der neue Regierungsbeauftragte für Russland und Osteuropa, Wiese, der Gernot Erler ablöst, entspricht dem neuen Realismus.

Ich würde so sagen: Dialoge sind schön, Salongespräche noch schöner, aber nach dem Mittagessen sollte auch mal zur Sache verhandelt werden. Osteuropa besteht im übrigen nicht nur aus Moskau, der Dialog mit freundlich gesinnten Nachbarn ist nicht minder historisch.
Brandts Ostpolitik fußte nicht auf der Ribbentrop-Molotow-Übereinkunft, sondern auf dem KSZE-Prozess. Das ist etwas völlig anderes.

Das Ringen um Nord Stream 2 ist ein Tauziehen um Wirtschaftsinteressen. Das ist gar keine Frage. Die USA können ihr Fracking-Gas gar nicht anders als über LNG-Terminals nach Europa verkaufen. Diese Tatsache wird gegenwärtig über die America-First-Parole wirtschaftlich politisiert. Und auf der anderen Seite steht Gasprom. Nicht nur Schalke-04-Hauptsponsor sondern auch der eigentlich starke Arm der russischen Politmaffia. Ich glaube, man muss sehr aufpassen, sich in diesem Kampf der Giganten nicht politisch instrumenatlisieren zu lassen. Für welche Seite auch immer. Nicht nur in den USA und Russland, auch in der Ukraine selbst haben mächtige Oligarchen das sagen und nicht die um Freiheit und Demokratie und Wohlstand ringende Bevölkerung.

Es gibt aber Oligarchen, die aufgrund der Friedensgefährdung von Sanktionen betroffen sind. Dazu gehört Alexej Miller von Gazprom. Die Argumentationslinie, alles ist gleich, warum also nicht auf jene Mafia setzen, die wenigstens eine nicht-amerikanische Folklore bereit hält, ist bekannt. Sie ist aber nicht ganz richtig und sie spielt - mehr oder weniger geschickt - auf der Klaviatur von Populismus und Ressentiment.
Die Schiefergas-Revolution der USA macht die Amerikaner unabhängiger. Europäer haben verschiedene Möglichkeiten, man könnte auch mit Kanadiern kooperieren, aber durchaus auch mit dem norwegischen Statoil - oder im Rahmen der Diversifizierung auf verschiedene Punkte setzen.
Wichtig ist, es geht nicht um US- oder Russland-Folklore, sondern um strategische Sicherheit. Nebenei gewiss auch um Korruption, Geldwäsche und Organisierte Kriminalität.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon imp » Do 3. Mai 2018, 20:17

schokoschendrezki hat geschrieben:(23 Apr 2018, 11:22)

Ich weiß nicht. Ist denn das Projekt überhaupt noch zu verhindern? Im Fährhafen Sassnitz-Mukran lagern bereits die Rohre für die Gaspipeline und an mir sind am Wochenende auf der Strecke Stralsund-Berlin gleich zwei weitere Güterzüge vorbeigefahren, die offensichtlich beide ebenfalls mit Rohrleitungen für NS2 beladen waren. Finnland hat Anfang April alle Baugenehmigungen erteilt ...

Obwohl es eigentlich absurd ist. Die EU-Kommision ist Verhandlungspartner mit Russland bezüglich des Projektes. Gleichzeitig wurde - u.a. auch mit EU-Mitteln - nur wenige Kilometer vom geplanten Endpunkt der NS2-Leitungen im polnischen Swinemünde ein modernes LNG-Terminal gebaut. Um eben von festen Lieferanten wie Russland unabhängig zu werden und Gas je nach Bedarf von irgendwoher zu beziehen. Ich denke mal, bei diesen Milliardengeschäften gibt es zahlreiche Interessenslagen auch jenseits der offiziellen Politik.

Die Pipeline wird ein wichtiger Baustein der Gasversorgung. Es ist sinnvoll, beides zu haben. Die Ukraine wird leer ausgehen und muss dann ohne Durchleit-Wegelagerei ihren Haushalt retten. Falls sie dann in der Form noch besteht.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon zollagent » Fr 4. Mai 2018, 07:06

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 May 2018, 21:17)

Die Pipeline wird ein wichtiger Baustein der Gasversorgung. Es ist sinnvoll, beides zu haben. Die Ukraine wird leer ausgehen und muss dann ohne Durchleit-Wegelagerei ihren Haushalt retten. Falls sie dann in der Form noch besteht.

...und sie von Putins Urlaubern nicht bereits "heim ins Reich" geholt wurde. Schreibe nur deine Sätze aus. ;)
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Fr 4. Mai 2018, 08:29

Sole.survivor@web.de hat geschrieben:(03 May 2018, 21:17)

Die Pipeline wird ein wichtiger Baustein der Gasversorgung. Es ist sinnvoll, beides zu haben. Die Ukraine wird leer ausgehen und muss dann ohne Durchleit-Wegelagerei ihren Haushalt retten. Falls sie dann in der Form noch besteht.


Aussagen wie diese scheinen mir in ihrer drastischen Formulierung vor allem von einem irrationalen Nationen-Hass geleitet zu sein. Die Frage der Rohstoffversorgungssicherheit in Deutschland kann man dagegen nur völlig rational und sachlich diskutieren. Die Erdgasvorräte der Welt sind meines Wissens - im Unterschied zu den Erdölvorräten - noch ziemlich lange ausreichend, und es besteht kein Grund zur Panik. Politisch wäre es momentan sinnvoll, zum EU-Partner und unmittelbaren Nachbarn Deutschlands Polen ein kooperatives Verhältnis zu haben und die sehr ungute politische Entwicklung dort in diesem Sinne positiv zu beeinflussen. Und eine Abrgenzung zur imperialen Großmachtpolitik Russlands ist ebenso sinnvoll. In diesem Zusammenhang ist das projekt Nordstream 2 kontraproduktiv.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon imp » Fr 4. Mai 2018, 08:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(04 May 2018, 09:29)

Aussagen wie diese scheinen mir in ihrer drastischen Formulierung vor allem von einem irrationalen Nationen-Hass geleitet zu sein.

Ich glaube nicht, dass da Hass im Spiel ist. Die Russen wollen an ihrem Gas verdienen, die Konsumenten wollen es billig. Alles, was dazwischen Kosten verursacht, ist schlecht und wird nach Kräften wegoptimiert. Alles, was die Marktmacht des Konsumenten vergrößert (zB mehrere Optionen offenzuhalten) wird auch erwogen werden - Umsetzung ist dann immer die Frage. Aktuell sehe ich wenig Anlass, dauerhaft auf die Handelsoption Gas über Ostsee zu verzichten. Man kann das in Verhandlungen einbringen, um diesen oder jenen Nebennutzen zu bekommen. Am Ende geht es aber um Arbeitsplätze und Wohlstand bei uns.

Politisch wäre es momentan sinnvoll, zum EU-Partner und unmittelbaren Nachbarn Deutschlands Polen ein kooperatives Verhältnis zu haben und die sehr ungute politische Entwicklung dort in diesem Sinne positiv zu beeinflussen. Und eine Abrgenzung zur imperialen Großmachtpolitik Russlands ist ebenso sinnvoll. In diesem Zusammenhang ist das projekt Nordstream 2 kontraproduktiv.

Polen muss schon selbst wissen, wo es politisch hin will. Wir sollten uns da nicht von abhängig machen.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 08:51

Deutschland wäre ja vollkommen geistig umnachtet wenn es sich bei der Energieversorgung von der angehenden Autokratie in Polen oder der hyperkorrupten Ukraine erpressbar machen würde. Gestern gingen Gottseidank die Bauarbeiten an Nordstream2 los.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon zollagent » Fr 4. Mai 2018, 09:06

Orbiter1 hat geschrieben:(04 May 2018, 09:51)

Deutschland wäre ja vollkommen geistig umnachtet wenn es sich bei der Energieversorgung von der angehenden Autokratie in Polen oder der hyperkorrupten Ukraine erpressbar machen würde. Gestern gingen Gottseidank die Bauarbeiten an Nordstream2 los.

Deutschland ist vor allem nicht von der Energieversorgung aus Russland abhängig.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Orbiter1 » Fr 4. Mai 2018, 09:11

zollagent hat geschrieben:(04 May 2018, 10:06)

Deutschland ist vor allem nicht von der Energieversorgung aus Russland abhängig.
Deutschland hat bewußt einen Energiemix aus unterschiedlichen Quellen und ist von niemandem abhängig. Daran ändert auch Nordstream2 nichts.

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