Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » Sa 12. Aug 2017, 19:40

Flaschengeist hat geschrieben:(10 Aug 2017, 22:24)

Mit "Diktatorkuscheln" kennen sich alle Parteien gut aus.

ad personam spam entfernt. flaschengeist, versuch es nochmals

NN, mod

Die Russland-Affäre, die Trump wie ein Mühlstein am Hals hängt, wird ja auch zu recht untersucht. Und es besteht kaum ein Zweifel daran, dass ein Einfluß auf Länder, Parteien und Einzelpersönlichkeiten versucht wird - es entspricht ohnehin der neuen russischen Militärdoktrin.
Aber wir müssen ja nicht unbedingt alle General Schoigu oder diesem Gerassimow gefallen wollen.

Das sog. Ad Personam Spam ist mir entgangen, dazu kann ich also nichts sagen. ;)
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Nomen Nescio » Sa 12. Aug 2017, 20:16

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Aug 2017, 20:40)

Das sog. Ad Personam Spam ist mir entgangen, dazu kann ich also nichts sagen. ;)

um so besser. das war es aber. ER weiß was ich entfernte :p
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Flaschengeist » Sa 12. Aug 2017, 20:36

DarkLightbringer hat geschrieben:(12 Aug 2017, 20:40)

Die Russland-Affäre, die Trump wie ein Mühlstein am Hals hängt, wird ja auch zu recht untersucht. Und es besteht kaum ein Zweifel daran, dass ein Einfluß auf Länder, Parteien und Einzelpersönlichkeiten versucht wird - es entspricht ohnehin der neuen russischen Militärdoktrin.
Aber wir müssen ja nicht unbedingt alle General Schoigu oder diesem Gerassimow gefallen wollen.

Das sog. Ad Personam Spam ist mir entgangen, dazu kann ich also nichts sagen. ;)



Einfluß auf andere Staaten auszuüben ist doch nichts worüber wir reden müssen. Das ist eine Tatsache.

Einmischung der Geheimdienste in ausländische Wahlkämpfe ist nichts Neues. Die Politik sollte mehr Vertrauen in das Urteilsvermögen der Bürger haben.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017 ... utin-5vor8

Wobei ich keine Fakten kenne die einen Einfluß Russlands auf den US Wahlkampf überzeugend darlegen.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Aug 2017, 07:05

DarkLightbringer hat geschrieben:(11 Aug 2017, 19:05)

Der linke Katechismus verlangt und praktiziert sehr wohl Bekenntnisse ....

EIn "linker Katechismus" ordnet sich auch nur in die verschiednen Katechismen ein und war und ist auch gar nicht Thema hier ... Die Äußerungen Frank Elbes im Cicero sind genau dies: Ungebunden und Antikatechistisch. In einer Situation, die sich vor allem durch ihre Festgefahrenheit auszeichnet, ist ein solcher Antikatechismus und Antimainstreamigkeit notwendige (wenn auch nicht hinreichende) Voraussetzung für eine Lösung des Konflikts. Wenn man denn überhaupt an einer Lösung interessiert ist ....

Schäubles Vergleich mit dem Münchner Abkommen ist in zweifacher Hinsicht in diesem Sinne (mindestens) "unproduktiv": Auch wenn das Finanzministerium sich beeilte zurückzurudern, und zu Beteuern, der Vergleich Sudetenkrise/Krimkrise bedeute keine Vergleich Putin/Hitler: Genau das bedeutet er! Alle Nazivergleiche in der Geschichte der Bundesrepublik ... erinnnert sei nur an 1985: Heiner Geißler beschuldigte die SPD der "Moskautreue", der Spiegel bezeichnete Geißler als "Kohls Kettenhund" und Willy Brandt nannte Heiner Geißler "den schlimmsten Hetzer seit Joseph Goebbels". Und dann 1986 Kohl über Gorbatschow:
Er ist ein moderner kommunistischer Führer, der sich auf Public Relations versteht. Goebbels, einer von jenen, die für die Verbrechen der Hitler-Ära verantwortlich waren, war auch ein Experte in Public Relations


... Wie wohl die Beteiligten ab den 90ern darüber denken würden ... Besonders Geißler. Ich lasse das mal offen. ... Alle Nazivergleiche in der Geschichte der Bundesrepublik richteten sich am Ende gegen ihre Urheber. Und je größer die Nazikeule desto mehr.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Aug 2017, 07:19

zollagent hat geschrieben:(12 Aug 2017, 18:24)

Man kann Moral und Grundwerte eigentlich immer ablehnen und negieren durch Hinweis darauf, daß es irgendwann irgendwo durch irgendwen selbst zu Verstößen gegen die Moral gekommen ist und deshalb all das eigentlich völlig ungültig sein soll. Man kann aber auch Grundwerte dadurch stärken, daß man entgegen jedem Negativbeispiel zu ihnen steht und sie weiter vertritt, statt dem destruktiven Beispiel zu folgen und Moral und Grundwerte einfach für nicht existent zu erklären. So und nicht anders entwickelt sich zivilisatorischer Fortschritt.

Wer hat denn Moral und Grundwerte für "nicht existent" erklärt? Der Vergleich aus dem Artikel ist doch treffend: Als wenn jemand, der bei einem Rohrbruch den Klempner anruft statt den Rechtsberater, deshalb Recht und Gesetz für "nicht existent" erklärt.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » So 13. Aug 2017, 08:46

Flaschengeist hat geschrieben:(12 Aug 2017, 21:36)

Einfluß auf andere Staaten auszuüben ist doch nichts worüber wir reden müssen. Das ist eine Tatsache.

Spionage und Sabotage ist auch nichts neues.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2017-01/us-wahl-donald-trump-hacking-wladimir-putin-5vor8

Wobei ich keine Fakten kenne die einen Einfluß Russlands auf den US Wahlkampf überzeugend darlegen.

Trumps Schwiegersohn traf sich mit einer russischen Agentin, um "Schmutz" zu erhalten.

Sonderermittler Mueller setzte eine "Grand Jury" ein. Diese kann Vorladungen und Aussagen unter Eid erzwingen. Eine solche Jury wird normalerweise nicht eingesetzt, wenn die Ermittler nicht der Ansicht sind, über eine hinreichende Beweislage zu verfügen, die sich auf Strafnormen bezieht.

Und die us-amerikanische Volksvertretung, der Kongress, unterstützt überparteilich Mueller bei seiner Arbeit.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » So 13. Aug 2017, 09:34

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Aug 2017, 08:05)

EIn "linker Katechismus" ordnet sich auch nur in die verschiednen Katechismen ein und war und ist auch gar nicht Thema hier ... Die Äußerungen Frank Elbes im Cicero sind genau dies: Ungebunden und Antikatechistisch. In einer Situation, die sich vor allem durch ihre Festgefahrenheit auszeichnet, ist ein solcher Antikatechismus und Antimainstreamigkeit notwendige (wenn auch nicht hinreichende) Voraussetzung für eine Lösung des Konflikts. Wenn man denn überhaupt an einer Lösung interessiert ist ....

Die Forderung nach Dialog ist nicht nur Mainstream und katechistisch, es ist das frömmste Gebet seit dem Überfall auf die Krim 2014 überhaupt. Frank Elbe stößt hier nur ins Horn, was ein vielstimmiger Chor schon lange besingt. Bei der etwas höheren Tonlage könnte er sich glatt bei den Domspatzen bewerben - frisch, fromm, frohgemut.
Die Diplomaten setzen Meinungsverschiedenheiten ohnehin in Klammern, ob man das nun Dialog oder Einkapselung nennen will - jeder weiß, dass es ein ungelöstes Problem ist.

Kevin Hagens Artikel vom "Linken Krampf mit Autokraten" berührt vielleicht nicht dein Lieblingsthema, ist aber dafür erfrischend direkt. Gerade in Bezug zur Dialogfreude über Aggressionsverbrechen (was der Krim-Überfall gem. Römischem Statut ohne Frage ist).
Sahra Wagenknecht, bekannt auch als doppeltes Lottchen des Populismus, unterstützt den ausgewählten Dialog. Natürlich nicht immer, es muss sich schon um lieb gewonnene Diktatoren handeln.

Der Fall zeigt: Bei manchen Linken funktioniert der Reflex noch prächtig. Wer Moskau verteidigt, ist gut - selbst wenn er von der FDP kommt.
http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 62200.html

Schäubles Vergleich mit dem Münchner Abkommen ist in zweifacher Hinsicht in diesem Sinne (mindestens) "unproduktiv": Auch wenn das Finanzministerium sich beeilte zurückzurudern, und zu Beteuern, der Vergleich Sudetenkrise/Krimkrise bedeute keine Vergleich Putin/Hitler: Genau das bedeutet er! Alle Nazivergleiche in der Geschichte der Bundesrepublik ... erinnnert sei nur an 1985: Heiner Geißler beschuldigte die SPD der "Moskautreue", der Spiegel bezeichnete Geißler als "Kohls Kettenhund" und Willy Brandt nannte Heiner Geißler "den schlimmsten Hetzer seit Joseph Goebbels". Und dann 1986 Kohl über Gorbatschow:
... Wie wohl die Beteiligten ab den 90ern darüber denken würden ... Besonders Geißler. Ich lasse das mal offen. ... Alle Nazivergleiche in der Geschichte der Bundesrepublik richteten sich am Ende gegen ihre Urheber. Und je größer die Nazikeule desto mehr.

Was man vergleichen darf und was nicht, ist auch ein sehr deutsches Spezialthema. Tatsache ist, der Anschluß Österreichs ist letztlich nicht anerkannt worden. Zeitgenössisch hat man dieses Problem wohl auch irgendwie "eingekapselt", man bekam dann wahrlich noch ganz andere Probleme, aber der Anschluß ist andererseits bislang noch nicht als singuläres Ereignis definiert worden.

Frank Elbe ist zudem ein schlechter Kronzeuge für die Unvergleichbarkeit von Vorgängen. Als Außenminister Fischer verfügte, früheren Mitgliedern der NSDAP sei kein würdigender Nachruf mehr im internen Blatt des Auswärtigen Amtes zu gewähren, zog Elbe einen doch sehr weiten Vergleich:
Das ist rigoroser Moralismus eines Saint-Just oder Robespierre, der die Unterscheidung zwischen gerecht und nicht gerecht fallbeilartig exekutiert.
https://www.welt.de/print-wams/article1 ... ieren.html

Joschka Fischer als Robespierre, der das Fallbeil schwingt? Na ja. "Genscherismus" und frühere NSDAP-Mitgliedschaft muss man auch erst mal zusammen bringen, gedanklich.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon zollagent » So 13. Aug 2017, 14:38

Flaschengeist hat geschrieben:(12 Aug 2017, 18:33)

Wer "Werte" predigt und von anderen einfordert, sich aber selbst nicht daran hält ist schlicht nicht glaubwürdig.

Ein Vergewaltiger kann sich z.B. nicht glaubwürdig für Frauenrechte einsetzen.

Die übliche Ausrede, für sich selbst bzw. die eigene Partei eine Ausnahme von den Regeln der Moral einzufordern.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon zollagent » So 13. Aug 2017, 14:39

Aristide hat geschrieben:(12 Aug 2017, 19:57)

Wann wird die ukraine eigentlich ihren verpflichtungen nachkommen und den beiden nach freiheit strebenden gebieten im osten autonomie gewähren, wie es minsk II vorsieht!?

Ich denke, wenn die repressive Banditenherrschaft beendet ist und die Menschen unbeeinflußt sagen können, was sie wirklich wollen.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon zollagent » So 13. Aug 2017, 14:49

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Aug 2017, 08:19)

Wer hat denn Moral und Grundwerte für "nicht existent" erklärt? Der Vergleich aus dem Artikel ist doch treffend: Als wenn jemand, der bei einem Rohrbruch den Klempner anruft statt den Rechtsberater, deshalb Recht und Gesetz für "nicht existent" erklärt.

Die ständig stattfindende Relativierung politischen Handelns, das schlicht Moral und Grundwerte vermissen läßt, das ist die Ungültigerklärung. Es ist nicht wirklich rechtfertigend, diese Außerachtlassung mit Gründen, warum sie geschieht, erklären zu wollen.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Aristide » So 13. Aug 2017, 16:50

zollagent hat geschrieben:(13 Aug 2017, 15:39)

Ich denke, wenn die repressive Banditenherrschaft beendet ist und die Menschen unbeeinflußt sagen können, was sie wirklich wollen.



Spam zur Provokation entfernt- MOD
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Flaschengeist » So 13. Aug 2017, 19:17

zollagent hat geschrieben:(13 Aug 2017, 15:38)

Die übliche Ausrede, für sich selbst bzw. die eigene Partei eine Ausnahme von den Regeln der Moral einzufordern.



Das glatte Gegenteil ist der Fall!

Einen schönen Sonntag wünsche ich. :)
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Aug 2017, 20:17

zollagent hat geschrieben:(13 Aug 2017, 15:49)

Die ständig stattfindende Relativierung politischen Handelns, das schlicht Moral und Grundwerte vermissen läßt, das ist die Ungültigerklärung. Es ist nicht wirklich rechtfertigend, diese Außerachtlassung mit Gründen, warum sie geschieht, erklären zu wollen.


Gerade habe ich ein ausführliches Radio-Feature mit dem Titel: "Die Kaviar-Connection: Wie Aserbaidschan den Europarat manipuliert" gehört. (https://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/aserbaidschan-korruption/-/id=660374/did=19679520/nid=660374/1ghlx2q/index.html. Es gibt für westliche Diplomaten zwei kleinere und einen größeren Grund, das Alijew-Regime beständig reinzuwaschen und vor Kritik zu bewahren. Russland steht im Bergkarabach-Konflikt auf Seiten Armeniens. Und: Aserbaidschan ist eine der Schlüsselregionen bei der Energieversorgung Europas. Beides reicht aus, um das Land als "prowestlich" anzusehen. Der wichtigste Grund für die Unterstützung Aserbaidschans sind jedoch kleine Geschenk-Köfferchen mit Goldkettchen und wertvollen Orient-Teppichen. Die Menschenrechts- und gar erst die Korruptionssituation, die eine der schlimmsten weltweit sind - Russland ist geradezu eine Vorbild-Demokratie dagegen - spielen jedenfalls (so gut wie) keine Rolle. Mit Ausnahme einiger nichtmainstreamiger Journalisten wie dem Autor der Sendung. Und jetzt musst Du einfach mal deine Phantasie anstrengen und dir vorstellen, wie auf jemanden, der das grade vorgesetzt bekam, diese altersweisen Worte von "Moral" und "Grundwerten" wirken ...
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Aug 2017, 20:25

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Aug 2017, 10:34)
Sahra Wagenknecht, bekannt auch als doppeltes Lottchen des Populismus, unterstützt den ausgewählten Dialog. Natürlich nicht immer, es muss sich schon um lieb gewonnene Diktatoren handeln.

Ich habs schon weiter oben geschrieben: Was interessiert mich in diesem Zusammenhang, was irgendwelche verblendeten Idieolog(inn)en der Linkspartei zum Thema meinen ...
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » So 13. Aug 2017, 20:44

Unabhängig davon: Es wird in politischen Analysen darauf hingewiesen, dass Lindner mit seiner Position eigentlich eine Seite der auch innerukrainisch geführten Auseinandersetzung vertritt: Eine wenn auch nicht legitimierte so doch von einer Mehrheit unterstützte Abtrennung von Regionen nicht mit dem Blutzoll militärischer Aktionen zu revidieren. Das geht in der allgemeinen Hysterie nur unter. Es gibt in der ganzen Region im Grunde zwei ungute Entwicklungen, die sich gegenseitig befeuern und diese Region in einer Abwärtsspirale nach unten ziehen: Das eine ist Autoritarismus, Demokratieverlust, Einschränkung der Pressefreiheit, Justizwillkür. Die andere ist Neo-Nationalismus. Die neugewonnene Freude am Hissen von Flaggen und Absingen von Nationalhymnen. Verbunden mit einer Ethnozentriertheit, einem Vergöttern der einen Ethnie und einer (im harmlosesten Fall) Verachtung der anderen. Dass letzteres überall präsent ist, weiß jeder, der noch etwas Verstand hat. Ebenso wie, dass man darüber offiziell oder gar bei EU-Verhandlungen nicht redet.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon DarkLightbringer » So 13. Aug 2017, 22:18

schokoschendrezki hat geschrieben:(13 Aug 2017, 21:44)

Unabhängig davon: Es wird in politischen Analysen darauf hingewiesen, dass Lindner mit seiner Position eigentlich eine Seite der auch innerukrainisch geführten Auseinandersetzung vertritt: Eine wenn auch nicht legitimierte so doch von einer Mehrheit unterstützte Abtrennung von Regionen nicht mit dem Blutzoll militärischer Aktionen zu revidieren. Das geht in der allgemeinen Hysterie nur unter. Es gibt in der ganzen Region im Grunde zwei ungute Entwicklungen, die sich gegenseitig befeuern und diese Region in einer Abwärtsspirale nach unten ziehen: Das eine ist Autoritarismus, Demokratieverlust, Einschränkung der Pressefreiheit, Justizwillkür. Die andere ist Neo-Nationalismus. Die neugewonnene Freude am Hissen von Flaggen und Absingen von Nationalhymnen. Verbunden mit einer Ethnozentriertheit, einem Vergöttern der einen Ethnie und einer (im harmlosesten Fall) Verachtung der anderen. Dass letzteres überall präsent ist, weiß jeder, der noch etwas Verstand hat. Ebenso wie, dass man darüber offiziell oder gar bei EU-Verhandlungen nicht redet.

Mit "Regionen" dürften wohl die besetzten Gebiete in Teilen der Ostukraine und die Autonome Republik Krim gemeint sein. Nun, die ukrainischen Streitkräfte werden Russland nicht angreifen und sie sind auch nicht in der Lage, die von den Okkupanten gestützte Bandenherrschaft aus den vorgenannten Gebieten jenseits der sog. Kontaktlinie zu vertreiben oder gar militärisch die Krim zu befreien. Das hat den einfachen Grund, weil der Aggressor über eine militärische Übermacht verfügt. Eine Rückeroberung von Gebieten jenseits der Kontaktlinie ist doch sehr unwahrscheinlich. Auch wenn Mariupol trotz der Angriffe sich halten konnte und nunmehr seit Jahren unbesetzt ist und einige andere Städte den Tag der Befreiung regelmässig feierlich begehen.

Es muss ja darum gehen, den Krieg einzudämmen, einzuhegen und ihn von der heißen Phase in eine kalte zu überführen. Minsk II ist in diesem Sinne eine Vision, nicht unbedingt die Realität, aber doch eine klare Vorstellung davon, was Waffenstillstand bedeutet. Und die Sanktionen sind die Kosten, die der Aggressor zu tragen hat, so lange die Einhegung des Krieges und seine Überführung in eine nicht mehr tödliche Meinungsverschiedenheit keine substantiellen Fortschritte erzielen.

Zu streiten ist darüber, ob die Sanktionen erweitert werden müssen oder ob nicht gar ergänzend eine Ertüchtigung der Ukraine zur Selbstverteidigung erforderlich ist. Meines Erachtens müsste an erster Stelle das Gasgeschäft herunter gefahren werden, denn von den Einnahmen aus den Gas-Verkäufen lebt zu einem beträchtlichen Anteil (glaube, zu mehr als 50 %) der russisch-föderale Staatshaushalt, im Detail also auch das Budget für Hochrüstung und die teils kostspieligen Operationen in dieser und in anderen Regionen. Salopp gesagt, die aggressive und bewaffnete Personalführung einer überdimensionalen Tankstelle ist schlecht, eine verarmende Tankstelle ist dann besser.

Grundsätzliches:
Im zerfallenden Jugoslawien konnte weder Pazifismus noch die ewige Geduld zum Dialog etwas daran ändern, dass Unbewaffnete in den eingeschlossenen Städten Bosniens keinen Schutz fanden und ihnen diesen auch niemand zu gewähren vermochte oder wollte. Drei Jahre lang sah die Welt dem Morden zu und griff dann erst unter dem genozidären Aspekt von Srebrenica ein.
Gewalt ist nie gut, das sehen wir ja alle so, aber es muss ein Unterschied gemacht werden, ob wir dem Täter in den Arm fallen wollen oder dem Angegriffenen. Es ist nicht das gleiche.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Nomen Nescio » Mo 14. Aug 2017, 05:16

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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 14. Aug 2017, 07:15

DarkLightbringer hat geschrieben:(13 Aug 2017, 23:18)
Mit "Regionen" dürften wohl die besetzten Gebiete in Teilen der Ostukraine und die Autonome Republik Krim gemeint sein.

Nein. Mit "Regionen" waren ganz "normale" Staaten, Teilregionen solcher Staaten, Konfliktregionen wie Bergkarabach oder Krim und auch
lockere Verbünde wie Baltikum gemeint.
Nun, die ukrainischen Streitkräfte werden Russland nicht angreifen und sie sind auch nicht in der Lage, die von den Okkupanten gestützte Bandenherrschaft aus den vorgenannten Gebieten jenseits der sog. Kontaktlinie zu vertreiben oder gar militärisch die Krim zu befreien. Das hat den einfachen Grund, weil der Aggressor über eine militärische Übermacht verfügt. Eine Rückeroberung von Gebieten jenseits der Kontaktlinie ist doch sehr unwahrscheinlich. Auch wenn Mariupol trotz der Angriffe sich halten konnte und nunmehr seit Jahren unbesetzt ist und einige andere Städte den Tag der Befreiung regelmässig feierlich begehen.

Es muss ja darum gehen, den Krieg einzudämmen, einzuhegen und ihn von der heißen Phase in eine kalte zu überführen. Minsk II ist in diesem Sinne eine Vision, nicht unbedingt die Realität, aber doch eine klare Vorstellung davon, was Waffenstillstand bedeutet. Und die Sanktionen sind die Kosten, die der Aggressor zu tragen hat, so lange die Einhegung des Krieges und seine Überführung in eine nicht mehr tödliche Meinungsverschiedenheit keine substantiellen Fortschritte erzielen.

Die hat eben nicht nur der "Agressor" zu tragen. Das ist der entscheidende Punkt.
Zu streiten ist darüber, ob die Sanktionen erweitert werden müssen oder ob nicht gar ergänzend eine Ertüchtigung der Ukraine zur Selbstverteidigung erforderlich ist. Meines Erachtens müsste an erster Stelle das Gasgeschäft herunter gefahren werden, denn von den Einnahmen aus den Gas-Verkäufen lebt zu einem beträchtlichen Anteil (glaube, zu mehr als 50 %) der russisch-föderale Staatshaushalt, im Detail also auch das Budget für Hochrüstung und die teils kostspieligen Operationen in dieser und in anderen Regionen. Salopp gesagt, die aggressive und bewaffnete Personalführung einer überdimensionalen Tankstelle ist schlecht, eine verarmende Tankstelle ist dann besser.

Wenn es danach geht, müssten zuallerallererst sämtliche Geschäfte mit einem der brutalsten Diktatoren-Regimes der Welt, Aserbaidshan, "heruntergefahren" werden. "Südlicher Gaskorridor" heißt (nun) das Milliarden-Projekt, das 2020 anlaufen wird. Sag' das mal CDU-Leuten wie Otto Hauser (CDU, Generalkonsul in Aserbaidschan) oder Guenther Oettinger (CDU, langjährigen Aserbaidschan-Lobbyistl). Die sind aber mit anderen Dingen beschäftigt:
Wikipedia hat geschrieben:Kaviar-Diplomatie

Die Europäische Stabilitätsinitiative (ESI) berichtete 2012, wie seit Aserbaidschans Eintritt in den Europarat jedes Jahr 30 bis 40 EU-Abgeordnete auf Reisen nach Aserbaidschan eingeladen und mit Gastgeschenken, darunter teurem Kaviar (Kilopreis 1400 Euro), wertvollen Seidenteppichen, Gold, Silber und mit hohen Geldbeträgen überhäuft wurden. Auch zahlreiche Abgeordnete des deutschen Bundestages ließen sich luxuriöse Reisen nach Baku finanzieren und fungierten als Gegenleistung als Lobbyisten im Durchsetzen der Interessen der aserbaidschanischen Regierung. Neben der ESI kritisierte ebenfalls die Antikorruptionsorganisation Transparency International die als „Kaviar-Diplomatie“ bezeichnete Vorgehensweise Aserbaidschans.

Glaubst Du im Ernst, man werde eine derart luxiuriöse "Tankstelle" aus Gründen der politischen Moral von seiten des Westens "verarmen" lassen? Die Ukraine hat zu ihrem Pech nicht nur nicht die Mittel, die illegal besetzten Gebiete Krim und Ostukraine zurückzuerobern. Sie hat sie auch nicht - jedenfalls nicht die gewählte Regierung - um westlichen Diplomaten ein Luxusleben zu finanzieren und damit Geschäfte einzufädeln. Das ist die bittere Realität. Sorry für den Sarkasmus. Das soll auch nicht als Ablenkungsmanöver nach dem Motto "Die haben auch ... " verstanden werden.
Grundsätzliches:
Im zerfallenden Jugoslawien konnte weder Pazifismus noch die ewige Geduld zum Dialog etwas daran ändern, dass Unbewaffnete in den eingeschlossenen Städten Bosniens keinen Schutz fanden und ihnen diesen auch niemand zu gewähren vermochte oder wollte. Drei Jahre lang sah die Welt dem Morden zu und griff dann erst unter dem genozidären Aspekt von Srebrenica ein.
Gewalt ist nie gut, das sehen wir ja alle so, aber es muss ein Unterschied gemacht werden, ob wir dem Täter in den Arm fallen wollen oder dem Angegriffenen. Es ist nicht das gleiche.

Die Niederländer sind weder dem einen noch dem anderen "in den Arm" gefallen und müssen sich anstelle dessen wegen Passivität verteidigen. Das westliche militärische Engagement in Richtung Kosovo war und ist umstritten.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon Sole.survivor@web.de » Mo 14. Aug 2017, 07:27

Es gab je schon Regime, die von Deutschland aus akzeptiert und hofiert wurden. Sagen wir Persien, sagen wir Saudi-Arabien, sagen wir Chile und Venezuela, sagen wir ganz klar auch Afrika. Das tat nicht nur Deutschland, das tat auch die DDR, der Ostblock, Frankreich, die Briten sowieso schon immer. In der Außenpolitik geht es oft mehr nach Nützlichkeit als nach Sittlichkeit und das deutsche Parteistiftungswesen spielt die Begleitmusik. Was macht eigentlich die Adenauerstiftung in Moskau?
"I should welcome almost any war, for I think this country needs one" - T. Roosevelt, Politiker.
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Re: Krise in der Ukraine III: (Re)Aktionen der Ukraine

Beitragvon schokoschendrezki » Mo 14. Aug 2017, 07:34

Wenn selbst der Kommentar einer von mir hochgeachteten, souveränen, klugen Frau wie DLF-Redakteurin Sabine Adler zum Thema "Lindner/Krim" so eingeleitet wird:
Indem er die Annexion der Krim als "dauerhaftes Provisorium" bezeichnet, mache FDP-Chef Christian Lindner Russlands Präsident Wladimir Putin ein unverhofftes Geschenk, kommentiert Sabine Adler.

http://www.deutschlandfunk.de/fdp-chef-lindner-putins-nuetzlicher-gehilfe.720.de.html?dram:article_id=393029
Entweder wird ihr selbst etwas von Seiten der Redaktion in den Mund gelegt (das Wort "Provisorium" kommt im eigentlichen Kommentarwortlaut gar nicht vor) oder sie meint selbst, sich dem Mainstream nicht mehr entgegen stellen zu können. In einem tendenziösen Blatt wie "Tichys Einblick" wundern einen Formulierungen wie "Ginge es nach FDP-Spitzenkandidat Lindner, sollte die Krim „dauerhaftes Provisorium“ werden", eher nicht.

Fakt ist, dass Lindner die Krim weder (faktisch) als "Provisorium" bezeichnet hat noch dass er einen solchen Zustand gar als "wünschenswert" ansieht. Wörtlich sagte Lindner, "er fürchte, die Krim zunächst als dauerhaftes Provisorium ansehen zu müssen. Das ist in dreifacher Hinsicht etwas wesentlich anderes, als das, was man ihm jetzt nachsagt. Und es zielt nicht auf ein Putin-Geschenk sondern auf einen Weg aus der Blockierung. Und da kann ich nur resümieren: Die Debatte hat sich vergaloppiert, bevor sie überhaupt richtig begonnen hat. Es geht inzwischen überhaupt nicht mehr um die Krim sondern um Äußerungen von Linken-Poltikern, um Wahlkampf in Deutschland und alles möglichen andere.
"Ich kann keine Nation lieben, ich kann keinen Staat lieben, ich kann nur meine Freunde lieben." Hannah Arendt

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